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Der Israelit · 1890-12-22 · Heft 100 (22.12.1890) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 100 (22.12.1890)
Date
1890-12-22
Page
– (sequence 2)
Language
German
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1800 haltenem Rausche vermeintlich nationaler Begeisterung gesellt sich die trügerische Kunst der Politik, die um so mehr verherrlicht wird, je treuloser und verschlagener sie ist, je schlauer sie den Nachbar zu umgarnen und zu täuschen weiß. •ua y’n Aber wenn auch so dieser Rausch in dem Dienst der Tyrannei sich bewährt und nach Innen und Außen deren Macht durch Lug, Trug und Täuschung zu gewährleisten scheint, nvp “idjj, so daß der Tyrann in dem ganzen Stolze seiner von aller Welt angestaunten Machtfülle sich spreizt, nw eine bleibende Stätte findet er doch nicht, vermag doch nicht seinen Platz in der Geschichte für die Dauer zu behaupten. f>nifco am-. -iv'tt. Der Uebermuth, die Menschenverachtung, die Unersättlichkeit — diese ihn beherrschenden und treibenden Gewalten in der eigenen Brust — bereiten ihm den sichern Untergang. Er, der wie das Grab seine Gier erweitert, wie der Tod unersättlich ist, der Alles verschlingt, nach allen Richtungen hin seine Machtsphäre ausdehnt, Enan b der sich zum Mittelpunkt des Bölkergetriebs zu machen weiß, daß um ihn alle Nationen sich sammeln und von ihm sich leiten lassen, ihm wird doch nicht einmal die Ehre eines achtungsvollen Gedenkens zu Theil. Der stolze Bau seiner Macht bricht unter dem Hohngelächter der von ihm unterjochten Völker schmählich zusammen. So schreibt die Geschichte in Flammenzügen die Lehre von der Nichtigkeit jeder auf Gewalt und Unrecht sich erbauenden himmelanstrcbenden Größe, eine jede solche Macht birgt den Keim des Todes im eigenen Busen schon zur Zeit ihres Wachsthums und ihrer Blüthe. Das sollte auch aus dem Untergang der assyrischen Weltmonarchie als Mahnung und Warnung dem nachstrebenden Tyrannen nicht allem, sondern aller Welt entgegentönen, das sollte auch dem bangen Zweifel des Propheten zur trostreichen Belohnung gereichen. Er schaute die Vernichtung Aschurs, er sah den Siegeszug Babyloniens, er erkannte, daß diese junge Macht auf den gleichen Prinzipien der Gewalt, des Unrechts, der Menschenverachtung, des eitlen Ruhms, der nimmer zu sättigenden Länder- und Beute-Gier, der Ausbeutung des Schwächeren, der schleichenden Hinterlist beruhen werde, und ihm war bange geworden, ob der Verirrung des Urtheils der Menschen, die in dem sich wiederum erneuernden Triumph der übermächtigen Tyrannengewalt eben diese Gewalt als die einzige Basis, als den einzigen Hort der Menschengesellschaft erblicken und ihr allein die Huldigung weihen könnten. Da ward ihm auch der endliche Niedergang auch dieser Macht gezeigt, ein Niedergang, der allen Mächten gewiß ist, die, unbelehrt von dem Beispiel ihrer Vorgänger, den Kampf wider die Herrschaft des Rechts und der Liebe, den Kampf gegen die einzige Herrschaft Gottes auf Erden wagen sollten. Unter dem Spott und Hohn der mißhandelten, unter dem Fußtritt der Tyrannei seufzenden, vor ihr im Staube bis dahin liegenden Völker vollzieht sich der Zusammensturz der Macht. ine" bwn c^a Sie Alle, die sich um Nebukadnezar schaareu, die sein gewaltiges Gebot zur Heeresfolge entbietet, werden dann über ihn Spottrede erheben — die ihm zur Zeit seiner Größe völlig räthselhaft und unglaublich erschiene — werden ihm zum Spruch und Gleichniß sich erküren von der Unvernunft und Selbstüberhebung zum abschreckenden Beispiel für die kommenden Geschlechter, sie, die in seiner Glanzzeit sich vor ihm bückten und durch ein gnädiges Lächeln sich hochbeglückt fühlten. Er aber, der Gewaltige, — seine geschichtliche Erscheinung verkündet allen Zeiten die Warnung: \b xb naion »in weh, der häuft, was nicht sein ist, was ihm nicht zusteht und nicht frommt; — wie lange hält es vor? — er mehret nur seine Schuld, für die er vor Gott, dem allgerechten Weltenrichter, die Verantwortung trägt! Je gewaltiger, je größer er wird, desto größer seine Verschuldung, desto tiefer sein Fall, desto gewaltiger der Zusammensturz seines stolzen Ruhmesbaus, der mächtigen Zwingburg, von der aus er der Welt Gesetze vorgeschiieben, von der aus Schrecken und Furcht ausgegangen. (Fortsetzung folgt.) Literarischer Bericht. Monatsblälter für Vergangenheit und Gegenwart des Judenthums. Herausgegeben von Bernhard Königsberger in Berlin. Der Herausgeber dieser Blätter, deren 2. Heft bereits erschienen ist, erfreut sich der Mitwirkung hervorragender und bewährter Kräfte und ist daher in der Lage, in dieser seiner monatlich erscheinenden Zeitschrift ebenso interessante wie belehrende Elaborate den Kennern und Gönnern der jüdischen Literatur darzubieten. Männer wie Harkavy, Reifmann, Bachler u. a. m. haben ihre Mitarbeiterschaft zugesagt und sprechen für die Gediegenheit dieses Unternehmens. Das zweite Heft, das uns vorliegt, enthält unter anderen einen sehr bcachtenswerthen Excurs über den Pseudo-Jonathan von Jakob Reifmann, ein ErinnerungSblatt an

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