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Der Israelit · 1890-12-18 · Heft 99 (18.12.1890) · page 19

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 99 (18.12.1890)
Date
1890-12-18
Page
– (sequence 19)
Language
German
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1797 Herzen unserer Jugend? Traurig, trostlos und öde sieht es da aus. Nicht die Jugend ist dafür verantwortlich zu machen, sondern die Schule und die Familie, die Lehrer und Eltern. Ihr wundert Euch über die Unkenntniß der Jugend in der Religion, über die Unlust derselben ihre Gebote auszuüben! Ihr ringet die Hände, wenn ihr höret, dieser oder jener ist irdischen Voriheils halber von der Religion seiner Väter abgefallcn und verachtet den, der sich schämt, Jude zu sein! Und Ihr schämt Euch nicht, die Schuld anderen aufzubürdcn, da Ihr selbst die Schuldigen seid? Habt Ihr die Liebe zur Religion im Herzen Eurer Kinder gepflegt? Habt Ihr sie gelehrt, daß die Religion zum wahren Glücke des Menschen am nöthigsten ist? Habt Ihr Euren Kindern auch nur Gelegenheit gegeben , die Religion der Väter genügend kennen zu lernen? Wie kann man lieben, was man nicht kennt, üben, was man niemals gesehen? Die religiösen Hebungen im Hause, die Lehre in der Schule, der regelmäßige Besuch des Gottesdienstes, das sind die Faktoren, die der isr. Jugend die sittliche und intellectuelle Kraft verleihen, den verderblichen Angriffen des Antisemitismus energischen Widerstand zu leisten. In der Schule muß der Grund gelegt werden zu einem gründlichen religiösen Wissen. Der Unterricht darf nicht in mechanisches Vor- und Nachbeten ansartcn. Eine heilige Begeisterung für den Dienst der heiligen Sache muß dem Lehrer sein Amt als ein heiliges bezeichnen! Die Kraft erhält der Unterricht vom Herzen des Lehrers; denn was vom Herzen kommt, nur das dringt zum Herzen, und die Herzen der Jugend sind ja so leicht empfänglich für alles Gute, Edle, Wahre und Schöne. In der schule müssen all' die lügenhaften Behauptungen und Anschuldigungen der Feinde Israels entkräftet werden, so daß unsere Kinder schon das widerlegen können, was die große Menge so gerne glaubt. Dazu gehört aber ein kräftiger und gründlicher Religions unterricht, eine fortwährende, freiwillige Religtons ü b u u g. nwycn nPn ipy mon sagen unsere Weisen, das heißt, nicht der Unterricht ist die Hauptsache, sondern die Erziehung. Die gute Erziehung der Jugend ist eine große Tbat. Darum soll der israelitische Lehrer sein Amt nicht leicht nehmen. Es gilt den Kampf gegen den Erzfeind. Dieser Kampf muß von Israels Seite mit den Waffen des Geistes geführt werden, und diese Waffe zu schmieden, das ist die heil'ge Aufgabe des israel. Lehrers in der Schule. Ein Geschlecht, idcLches eine solche Schule genossen, wird nie verzagen, und ein Lehrer, der so seine Pflichten erfüllt, wird nimmer vergessen werden. Er hat für unsere Religion, für unseren Glauben Helden erzogen, sein Andenken wird gesegnet sein, wenn er schon längst heimgegangen zu jenen Gefilden, wo nur die Gottheit thront und Gerechtigkeit und Liebe herrschen. Nicht nur auf die Jungen, auch auf die Alten muß sich die Wirksamkeit des Lehrers erstrecken. Seine Thätigkeit in der Gemeinde ist nicht weniger wichtig, als die in der Schule. Der Lehrer muß es verstehen, sich zum geistigen Mittelpunkt seiner Gemeinde zu machen. Von diesem Mittelpunkte aus muß sich Intelligenz und Wissen. Redlichkeit und rechtliches Streben über alle Mitglieder der Gemeinde verbreiten. Streit, Hader, Zank und Feindschaft sind in der Gemeinde unmöglich, in welcher ein tüchtiger Lehrer wirkt. Und Frieden und Eintracht im Innern gibt Ansehen und Kraft nach Außen. Ein Gemeinwesen, das auf diese Weise dasteht, wird sich die Achtung aller Menschen erwerben, und diese Achtung wird sich auf die Mitglieder der Gemeinde übertragen und da, wo die israelitische Gemeinde in hoher Achtung bei der politischen Gemeinde steht, da, wo sich die isr. Bürger eines gerechten Ansehens bei den nichtjüdischen Bürgern erfreuen, da ist dem Antisemitismus Thür und Thor verschlossen, da hat man für die Lehren seiner Agitatoren nur ein mitleidiges Lächeln und für seine Propheten nur einen Blick der Verachtung. Der Lehrer muß es verstehen, seine Gemeinde zu erziehen, zu führen und zu leiten, ohne daß dieselbe es merkt. Dadurch sichert er sich eine angenehme Stellung und erwirbt sich die Achtung und Liebe aller derjenigen, die ihn und sein Wirken kennen. Wenn die israelitische Gemeinde in der politischen Gemeinde eine Stütze hat, dann mag der Antisemitismus nur versuchen, Zwietracht und Haß zu säeu — die Saat wird nicht aufgehen, sondern, da sie auf unfruchtbaren Boden fällt, dort elend zu Grunde gehen. Die Persönlichkeit und der Charakter des Lehrers sind eine schneidende Waffe gegen den Antisemitismus. Stets wird im Kampfe die Bildung Siegerin bleiben gegen die Rohheit, das Wissen gegen die Unwissenheit, die Wahrheit gegen die Lüge. Wir verlangen deßhalb vom isr. Lehrer kein geringes Maaß von Kenntnissen, vereint mit feinem Benehmen, unbestechliche Wahrheits- und Gerechtigkeitslicbe im Vereine mit Demuth und Bescheidenheit, Muth und Besonnenheit, Geistesgegenwart und Schlagfertigkcit, wenn es gilt, dem wüsten Treiben der Antisemiten cntgegenzutretcn. Die Macht der Persönlichkeit ist groß, und diejenigen Gemeinden sind zu bedauern, die wohl einen Lehrer besolden, die in diesem wohl einen Mann, aber keine Persönlichkeit besitzen. Der Lehrer steht im Dienste der Oeffentlichkeit, steht auf einer exponirten Stelle, und sein Thun und Lassen, sein Reden und Treiben unterliegt dem Urtheil selbst des dümmsten Jungen. Heil der Gemeinde, die mit Stolz den Namen des Lehrers nennen kann, die in dem Lehrer eine Persönlichkeit, einen Charactcr gefunden hat. Sein Wissen sichert ihm die Achtung aller Mitbürger, sein feines Benehmen verschafft ihm Zutritt zu allen Kreisen, seine Wahrheits- und

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