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Der Israelit · 1890-12-18 · Heft 99 (18.12.1890) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 99 (18.12.1890)
Date
1890-12-18
Page
– (sequence 5)
Language
German
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1783 Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Mainz, 15. Dezember. Eine besonders große Freude bereitet uns der alljährlich eingehende Rechenschaftsbericht über die unter der Leitung des Herrn Distnctsrabbmers Natan Bamberger stehende israelitische Lehrerbildungs-Anstalt in Würzburg. Diese Anstalt hat einen unvergleichlichen Werrh für die isr. Gemeinden Bayerns und die Erstarkung des orthodoxen Judenthums in diesem Lande. Sie bildet Lehrer in echt jüdischem Sinne aus, stattet sie mit dem nöthigen profanen und in besonders reichem Maße mit jüdischem Wissen aus, pflanzt in ihnen den wahren jüdischen Geist, der sie befähigt, den in sie gelegten Samen fruchtbringend und zum Segen der Gemeinde zu verbreiten. Der diesjährige Bericht (der 26.) constatirt, daß die Gaben zwar in reichlichem Maße eingegangen, dessenungeachtet aber ein Defizit in Folge der Mehrausgabe für den Musikunterricht und die Steigerung der Lebensmittelpreise sich herausgeftellt. Sechszchn Zöglinge verließen in diesem Jahre die Anstalt, welche alle die Austriitsprüfung am königlichen Schullehrer-Seminar in Würzbnrg niit gutem Erfolg bestanden und in die Praxis entlassen wurden; es ist hierdurch die Gesammtzahl der in der Anstalt Ausgebildeten und in die Praxis Entlassenen auf 226 gestiegen. Im vorigen Jahre verblieben der Anstalt 26 Zöglinge. Hierzu kamen die im Herbste vorigen Jahres 5 Ncuaufgcnommenen, wonach die Anzahl der Zöglinge, welche sich in diesem Jahre in der Anstalt befanden, 31 betrug. Von diesen erhielten dreizehn Unterricht, Wohnung, Beköstigung, Beheizung und ärztliche Behandlung in der Anstalt unentgeltlich, 2 bezahlten die Beköstigung ganz, 15 dieselbe theilweise, und 1 Schüler blieb auf Anrathen des Arztes im Externat. Für das nunmehr begonnene Schuljahr meldeten sich zur Aufnahme in den ersten Seminarkurs 13 Schüler, von denen 8 die Prüfung bestanden und auch als interne Zöglinge ausgenommen wurden. Von den neu aufgenommenen internen Zöglingen bezahlen 2 die ganze, 5 die halbe Beköstigung, während 1 Alles unentgeltlich erhält. Von diesen Zöglingen erhielt ein Theil den Vorbereitungsunterricht zum Eintritt in die Anstalt in der Vorbereitungsschule zu Höchberg, der andere in der zu Burgprcppach. Am 15. August d. I. waren es 25 Jahre, daß Herr I. Weisbart als Lehrer an der Anstalt wirkt und wurde von früheren und gegenwärtigen Schülern dieser Tag festlich begangen und Herrn Weisbart ehrende Anerkennung entgegengebracht, wie dies im vorigen Jahre aus gleicher Veranlassung bei Herrn Lehrer I. Schlenker der Fall war. Seitens der Voiftandschaft wurden deren viele und segensreiche Verdienste um das Gedeihen und die Entwickelung der Anstalt entsprechend gewürdigt und öffentlich belobend anerkannt. Die neue Organisation der Anstalt von einer zweiin eine dreikursige hat sich sehr gut bewährt, wovon das Resultat der diesjährigen Austrittsprüsung beredtes Zeugniß ablegt. Mit desto größerem Vertrauen aber, heißt es im Bericht, erlauben wir uns an die Hochherzigkeit unserer verehrten Glaubensgenossen zu oppelliren, diese Anstalt auch ferner im Auge zu behalten und derselben ihr Wohlwollen angedeihen zu lassen. Wir wollen absehen von den Schwierigkeiten, die sich oft in idieller Beziehung unserem Ziele und unserer Aufgabe entgegenstellen und welche Willenskraft es erfordert, dieselben zu überwinden; wer die Leitung einer solchen Anstalt kennt, der wird sich davon einen Begriff machen können. Die schwierigste Ausgabe jedoch ist die materielle; unsere Anstalt ist noch zu wenig fundtrt, sie ist noch zu sehr auf die Privathilfe und Mildrhätigkeit angewiesen, und was cs dann heißt, auf diesem Wege die Existeuzmittel, etwa 12—15000 Mark jährlich, aufzubringen, davon werden sich nur Wenige eine richtige Vorstellung machen. Die Geschäftsverhältnisfl sind unserem Unternehmen auch nicht gerade günstig, und haben wir in der That im abgelaufenen Jahre eine Mindereinnahme von 700 M. zu verzeichnen. Es wird dies sicherlich von allen Freunden und Gönnern der Anstalt sehr bedauert werden. Dabei treten so gerechtfertigte Ansprüche auf Besserstellung unserer Lehrkräfte an uns heran, daß es uns sehr leid thut, aus Mangel an Mitteln denselben nicht entsprechen zu können. Darum ergeht mehr als je unser dringender Ruf an unsere edlen Glaubensgenossen, diese so anerkannt nothwendige, wohlthätig und segensreich wirkende Anstalt erhalten und fördern zu helfen, ja, sie aus eine festere Basis zu setzen, daß sie nicht von der Gunst oder Ungunst der Zeit, nicht von der Gnade oder Milde der Spender stets abhängig, sondern aus eigenen Mitteln ihre unabweisbaren Bedürfnisse zu bestreiten vermag. Dazu können uns nur größere Legate und Stiftungen von Seiten reichbegüterter Glaubensgenossen verhelfen, wie dies auch bisher schon von einzelnen edlen Freunden der Anstalt geschehen. Möchten doch diejenigen, die über reiche Mittel verfügen, in ihrem Wohlthätigkeitssinn unserer Anstalt gedenken und sich durch größere Legate um sie verdient machen! Aber auch um jährliche Beiträge, um Spenden bei freudigen und sonstigen Anlässen bitten wir ganz eindringlich, und wollen es die ehrwürdigen

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