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Der Israelit · 1890-12-18 · Heft 99 (18.12.1890) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 99 (18.12.1890)
Date
1890-12-18
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Mehr als jemals ist heute die Kenntniß der Thora und unserer heiligen Schriften von Nöthen. Die Reform wagt es nach dem Schiffbruche, den sie in mannigfacher Weise erlitten, nicht mehr mit ihren Bestrebungen in ihrer ganzen Nacktheit hervorzutreten, sie sucht, in dem sie die Unkenntniß unserer heiligen Gesetze sich zu Nutzen macht, auch Gutgesinnte hinüberzutäuschen. Da ist es doppelt und dreifach nothwendig, das Licht der Thora zu verbreiten; denn nur die Nacht der Unwissenheit ist der Täuschung günstig, die der hellleuchtende Tag unmöglich macht. Durch ihre leitenden Artikel besonders sucht diese Zeitschrift das Verständniß unserer heiligen Thora und deren Gebote zu fördern und zu verbreiten. Aber nicht nur imJnnern, sondern auch von Außen droht der Feind. Verleumder stehen an allen Ecken und Enden, die unser Heiligstes mit Schmutz bewerfen, und wie selten findet man Männer unter uns, die den haßerfüllten Gegnern in sachgemäßer Weise zu erwidern im Stande sind. Wer glaubt, daß die uns feiudliche Bewegung im Niedergange begriffen sei, der gibt sich einer argen Täuschung hin. In hohen Kreisen scheint man allerdings zu der Erkenntniß gelangt zu sein, daß eine Begünstigung der Judenhetze für das Wohl des Staates nur schädlich ist; eine desto größere Ausdehnung aber hat dieselbe unter dem Volke gewonnen, eine Ausdehnung, wie wir sie vor kurzer Zeit kaum für möglich gehalten hatten. Wir wollen uns hier nicht über die Entstehung und die Geschichte des Antisemitismus verbreiten, wir wollen hier nur hervorheben, daß wir auch fernerhin die scheinbar unbedeutendsten Regungen dieses Getriebes überwachen und unfern Lesern getreulich darüber berichten werden. Wir wollen die Maßnahmen, die von Seiten unserer Freunde und Glaubensgenossen gegen das drohende Gespenst getroffen werden, nicht nur genau regiftriren, sondern auch selbst, so viel in unseren schwachen Kräften sicht, gegen dasselbe kämpfen. In ernster wissenschaftlicher Weise soll jeder Angriff gegen unser Volk, gegen unsere Abstammung zurückgewiesen werden. Auch über das traurige Schicksal unserer Brüder in Rußland werden wir schnelle und zuverlässige Nachrichten zu erhalten stets bemüht sein und alle Vorschläge und Veranstaltungen zur Verbesserung ihrer Lage wie seither pünktlich zur Kenntniß unserer Leser bringen. In talmudischen und halachischen Fragen unterstützt uns Herr Nabbtner Dr. Bondi der würdige Nachfolger Dr. Lehmanns, mit seinem tiefen Wissen. Durch M ttheilungen und Berichte über unsere Brüder diesseits und jenseits des Oceans, im hohen Norden oder im fernen Süden, suchen wir das gemeinsame Interesse für alle unsere Stammesgenoffen stets wach zu erhalten und zu kräftigen. Auch die Anzeigen tragen dazu bei, den „Israelit" zu einem Mittelpunkte jüdischen Lebens zu gestalten, ebenso, wie die nunmehr allwöchentlich zweimal erscheinenden Spendenverzeichnisse die jüdische Barmherzigkeit anregend vermehren. In dem kommenden Wochenabschnitte wird uns erzählt, daß, als Joseph den Binjamin zum Sclaven verlangte, Jehuda zu ihm mit den Worten herantrat: nb dn -iönV un dj?o nym na my I"wy »3 .O'Q'71 b'D '3^ »rwöro uioax „Denn Dein Diener hat den Knaben verbürgt vor meinem Vater und gesprochen: Wenn ich ihn Dir nicht wiederbringe, so will ich jederzeit gegen meinen Vater gesündigt haben." Der „Israelit" war die bedeutsamste Schöpfung und deßhalb auch das Lieblingskind unseres Vaters und wir haben uns dem theuren Vater zu Bürgen gestellt und gesprochen: „Wenn wir ihn dereinst nicht so wieder aus Händen geben, wie wir ihn von Dir empfangen, so wollen wir jederzeit gegen Dich gesündigt haben. '2»* b** nby« 7« w tin w'N nyjm. Denn wie könnten wir dereinst hinauffteigen zu unserem Vater, ohne daß das uns anvertraute, heilige Gut unversehrt mit uns erschiene!" Möge uns der Allgütige beistehen, diese Zeitung immer größer, immer bedeutender, immer inhaltrercher zu gestalten, zum Schutze und zur Ehre des altbewährten Judenthums. .pxi D’Dff ntyy oy» my ,rvVsHi rwyi 'i miya Die Anlijudengesetzgeöung in Htußkand. Zu den Gerüchten über die angeblich in Rußland geplanten gesetzlichen Maßregeln gegen die Juden bringt jetzt das Reutersche Büre au folgende sehr positiv lautende Meldung: Das die Judenfrage regelnde neue Gesetz, welches von einer besonderen Regierungkommission ausgearbeitet worden ist, wird aller Wahrscheinlichkeit nach die letzten Stadien vor Ende dieses Jahres passiren, so daß dessen Veröffentlichung Anfangs 1891 erfolgen dürfte. Nach Mitteilungen von gut unterrichteter Seite sind folgende die wichtigeren Paragraphen der Maßregel: 1) Es ist im ganzen Reiche verboten, an Juden Grundeigenthum zu verkaufen, zu verpachten oder zu verschenken. (Bisher war eine ähnliche Beschränkung nur in der Provinz Polen in Kraft.) 2) Es werden Maßregeln ergriffen werden, um Juden Grundeigenthum, welches sie besitzen mögen, zu entreißen. 3) Bisher genossen jüdische Kausleute, nachdem sie für einen Zeitraum von 10 Jahren die Handelssteuer der ersten Gilde entrichtet, das Privilegium, Grundbesitz außerhalb der der jüdischen Bevölkerung im Allgemeinen zugewiesenen Wohnorte erwerben zu können. Die Verfügungen des neuen Gesetzes werden jedoch die Wirkung haben, dieses Privilegium zu annulliren und Juden zu

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