Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 99 (18.12.1890)
- Date
- 1890-12-18
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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XXXI. Jahrgang. \b AN Zrltslhrlfl zur Förörruus jiid. GeiKes uud D. Kebess lu Mus. GWklude usU Kchulr. Gentrak-Hrgan für das ortßobore ZudenLHum. Begründet von Vr. Lehrnann in Mainz. Donnerstag, den 18 Dezember 5051 (1890)* Leitende Artikel. Zum 32. Iaßrgange. Wenn wir zu Schluß des Kalenderjahres die jüdische Publicistik und ihre Schicksale im verflossenen Jahre Revue passiren lassen, so müssen wir verzeichnen, daß dieselbe durch den Hingang des Herausgebers und Begründers dieser Blätter' einen sehr schweren, ja wie es damals schien, kaum zu ersetzenden Verlust erlitten hat. Man wußte nicht, wie es möglich sein würde, einen Mann, dem wie selten Einem zuvor, der Allgütige den Weg zu den Herzen der Söhne und Töchter unseres Volkes gezeigt hat, zu missen, und mit gespanntester Aufmerksamkeit durchlas man jede neu erschienene Nummer dieses Blattes, um zu erfahren, welche Wandlungen es durchzumachen haben werde. Daß wir von den befielt Vorsätzen beseelt uns der hohen Aufgabe unterzogen, das Erbe des großen Mannes in seinem Sinne, in dem Geist der Thora, Abodah und Gemilluth Chassadim weiterzuführen, daran zweifelte man wohl kaum; doch wie wurde der Inhalt sich gestalten '< Es ist nun psychologisch interessant zu bemerken, wie auch hier das Wort sich bewahrheitet hat, daß viele Wenig ein Viel machen, daß viele Arbeitskräfte im Stande sind, einen, wenn auch noch so begabten und tüchtigen Alaun zu ersetzen. Alit Dank und Rührung fei es an dieser Stelle ausgesprochen, wie mau nach dem herben Verlust, der uns betroffen, sich von allen Seiten aus das Eifrigste bemüht hat, uns Hille zu bieten und uns stets eine Fülle von interessantem und lehrreichem Stoff zur Verfügung stellt. Wenn andere Fachzeitschriften zum Schluffe eines Abschnittes glänzende Namen Vorbringen, von deren Träger sie nach mancherlei Mühe Aufsätze erlangt haben, so können wir mit Stolz die gesammte geistige Aristokratie des gesetzestreuen Judenthums zu unseren ständigen Mitarbeitern zählen. Unsere Weisen erzählen uns in dem Midrasch zum kommenden Wochenabschnitte, daß Jakob bei seiner Reise nach dem Lande Egypten sich deßhalb in Bär-Scheba aufhielt und seinem Gotte Opfer darbrachte, weil dort der vrr-dr, der Hain sich befand, den Abraham gepflanzt hatte. In diesem Haine fällte er die Cedern, welche dereinst zur Errichtung der Stiftshütte in der Wüste verwendet werden sollten. Auch wir wollen die Cedern, die unser Vater in seinem Haine uns vorbereitet, dazu benutzen, um die Wohnung Gottes allüberall zu errichten, wo unsere Glaubensgenossen weilen, ein einigendes Band schlingend um die zerstreute Lämmerheerde Israels, mus niy. Denn immer noch hat das orthodoxe Jndenthnm gewaltig zu kämpfen und zu streiten; wohl liegen heute die Verhältnisse besser wie zur Zeit, da unser unvergeßlicher Vater die Herausgabe des „Israelit" begonnen, aber in mancher Beziehung sind die religiösen Zustände der Gegenwart noch trauriger, wie vor 30 Jahren. Der Kreis jener großen, ehrwürdigen Männer, die gleich Denkmalen einer anderen Zeit zu uns herüberragten, hat sich seitdem gar sehr gelichtet. Hochschulen des Talmuds, die hie und da noch bestanden, gingen aus Mangel an Theilnahme oder durch den Hintrilt ihrer Leiter nach und nach ein; und was auch an deren Stelle getreten, bietet keinen genügenden Ersatz. Eine Folge davon ist, das; die Heranwachsende Jugend, da sie große Beispiele so selten noch vor Angen hat, trotz einer vorausgegangenen religiösen Erziehung bei ihrer« Eintritte ins Leben dem Gesetze unseres Gottes vielfach entfremdet wird. Da gilt es denn, unermüdlich zu mahnen und zu rufen, ans daß auch in unserem geliebten Vaterlande die Thora wieder ein Gemeingut unseres Volkes werde. Da mit dem 1. Januar 189 t ein neues Quartal beginnt, so erlauben wir uns, die geehrten Abonnenten darauf aufmerksam zu machen, daß namentlich bei der Post das Abonnement frühzeitig erneuert werden muß, damit die Versendung keine Unterbrechung erleidet.