Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 98 (15.12.1890)
- Date
- 1890-12-15
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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1772 Das echte und wahre Talmud l erneu gelaugt wieder zur Geltung. Unter Leitung der wackern Frau Dr. Berliner blüht ein „Frauen-Verein der Synagogen-Gemeinde", der in hochherziger Weise Woljlthätigkeil übt und seit April auch der Waisenpflege seine Aufmerksamkeit zuwendet. — Der „Verband ehemaliger Schüler der Religionsschule Adaß-Jisroel" hat 44 arme Religionsschüler mit Kleidung und Schulbüchern beschenkt. Die Zöglinge wurde am 1 Chanukahtage zu einem Festmahle vereint, Herr Dr. med. H. Wehl richtete an dieselben eine von echt religiösem Geiste durchwehte Ansprache, worauf die Kinder, nachdem sie außerdem mit angemessenen Gaben bedacht wurden, in fröhlichster Stimmung den Heimweg antraten. 8 sEin Festmahl, das Vorstand, Comittz und Lehrercollegium vereinigte, beschloß diese würdige Feier. — Der junge Verein, der erst c. 2 Jahre besteht, hat 1160 Mk. ausgebracht und außerdem durch sein Chanukahfest einen bedeutenden Ueberschuß für seine Ferienkolonie erzielt. So erstehen neue Pflanzstätten für min und rn, nachdem aus den alten Verbänden der altisraelitische Geist gewichen. Gott verleihe uns Kraft, um die Säulen unserer Glaubensgemeinde wieder in ihrer alten Herrlichkeit errichten zu können. A. Berlin, 13. Dez. Herr Stöcker erläßt eine öffentliche Danksagung für die Glückwünsche, die ihm zu seinem Geburtstage zugegangen sind, darunter mehr als 200 Telegramme, die unverbrüchliche Zuneigung und Treue geloben. Herr Stöcker will „ungebeugt weiterkämpfeu" und hofft zu siegen mit dem Losungswort: „Mit Gott für Kaiser und Reich", und zwar „mit Gottes Hilfe", den dieser blasphemische Demagoge niemals aus dem Spiele läßt, wenn es sich uni seine Hetzarbcit handelt. Frankfurt a. M., 11. Dezember. Heute feierte der vor einem halben Jahre hier gegründete „Kindergarten für Israeliten" in Gegenwart von ungefähr 300 Zuschauern sein Chanukafest und legte, da dasselbe mit Vorführung von Spielen verbunden war, Zeugniß von der glücklichen Entfaltung und segensreichen Wirksamkeit des noch jungen Instituts ab. Es war ein glücklicher Gedanke, den vor einem halben Jahre einige wenige Männer faßten, unbemittelten Ettern, welche, durch die Noch des Lebens gezwungen, verhindert sind, ihren noch nicht schulfähigen Kindern dre gehörige Muße behufs Erziehung widmen zu können, eine Heimstätte für die erziehungs- und aufstchtsbedürfenden Kleinen zu gründen. Der Gedanke fand Anklang, und bald war eine hinreichende Anzahl Mitglieder zur Ausführung des Unternehmens beisammen. Ein besonderes Glück aber war es, daß es dem Vorstande gelungen in Fräulein Ellbogen, einer geprüften Kindergärtnerin, eine Kraft zu finden, die, wie es sich heute gezeigt hat, mit Geschick, Umsicht und Hingebung an ihren Beruf zu den Erwartungen berechtigt, den Kindergarten zu einer Musteranstalt zu machen. Die Präcisität, mit welcher die Liedchen gesungen, die Spiele ausgeführt wurden, erregte heute beim Feste die Bewunderung aller Anwesenden, die kaum begreifen konnten, wie es möglich war, in so kurzer Zeit so vieles zu erreichen. So legt der Kindergarten in den Kleinen, die ihm anvertraut sind, den Grund zur handlichen Geschick-- lichkeit, zu einem anstandsvollen Benehmen und erweckt in ihnen die Denkkraft und schärft ihnen die Beobachtung. Kinder, die vielleicht zu Hause aus Mangel an Anregung geistig verkümmern müßten, erhalten hier geistige Pflege, so daß sie, wenn sie in die Schule eingetreten sind, als wohlvorbereitete gewiß zu deu bessern Schülern gehören werden. Aber auch körperliche Pflege wird ihnen hier zu Theil. Die Kinder sind nämlich von Morgens bis zum Einbruch der Nacht (im Sommer bis 5 Uhr Nachmittags) im Kindergarten, wo ihnen Mittags ein kräftiges Essen und Nachmittags Milch mit Brödchen gereicht wird. Es braucht wohl nicht besonders hervorgehoben zu werden, daß für streng rituelle Herstellung der Speisen gesorgt wird, und daß die Kinder sich Mittags nicht ohne sich gewaschen zu haben zu Tisch setzen und nicht ohne Tischgebet die Mahlzeit schließen. Um den Eltern das Bewußtsein zu geben, daß auch sie etwas beitragen, daß nicht alles ihnen geschenkt sei, haben dieselben den minimalen Beitrag von 25 Pfg. allwöchentlich für jedes Kind zu leisten. (Bei mehreren Geschwistern zahlt das erste Kind 25 Pfg., die übrigen jedes 15 Pf.) Bei der heutigen Feier konnte man so recht sehen, wie viele Sympathien sich dieses neue Institut erworben; cs flössen unaufgefordert reichliche Spenden für die Geschenke, für die Bewirthung, ein kleiner Bazar bestehend aus den Handarbeiten der Kinder, brachte eine recht respektable Einnahme, und cs war nicht nur ein Chauukafeft für die Kleinen, es war auch eins für die Großen, auf allen Gesichtern lag die Helle Freude, Beifall lohnte die Kleinen bei ihren Leistungen und zur Bewirthnng der Kleinen mit Chocolade und Kuchen drängte sich eine Reihe von Damen, welche sich die Freude nicht nehmen lassen wollten, sich an dem Appetite und der Lust der Kinder zu weiden. Wir aber wünschen mit Herrn Dr. Sulzbach, der die Versammlung in kurzer Ansprache begrüßte, daß Gottes Segen ferner auf diesem Institute ruhe und es unter seiner schirmenden Hand weiter wachse und gedeihe. F.