Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 98 (15.12.1890)
- Date
- 1890-12-15
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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XXXI. Jahrgang. Beilage M M 98 -es „Israelit 8- Ieschurun Zeitungsnachrichten und Gorrespondenzen. Deutschland. Mainz, 12. Dezember. Wir erhalten folgende Zuschrift: B e k a ir n t m a ch n u g! Endesunterzeichnete, zur Besprechung von Erez Jisroel- Angelegenheiterl heute hier versammelt, konnten sich der Erwägung nicht verschließen: 1. daß das vereheliche spendende Publikum mit, gar oft von verschiedenartigen Geschenken begleiteten, Bittschriften aus dem heiligen Lande überschwemmt wird, welche die Lage ihrer Urheber, dieser Beschäftigung ihre ganze Zeit widmender Männer und Frauen, als die allcrtraurigste und hilfsbedürftigste darzustellen bestrebt sind, während diese ihre Bcrufsthätigkeit denselben weit mehr einträgt, als den an Gelehrsamkeit und Frömmigkeit hervorragenden Männern aus der allgemeinen Unterstützung entfällt; 2. daß der Darbenden Viele, welche früher ihre Zeit ausschließlich in den Dienst von rrrajn mm gestellt und denen der Gedanke an Briefschreiberei ganz fern lag, durch den Erfolg der Minderwerthigen, welche ihrer ausgedehnten Correspondenz eine recht schone Einnahme verdanken, veranlaßt werden, ihrem Beispiele zu folgen, tvodurch mojM mm men hervorgerufen wird und 3. daß durch das unter 1. und 2. Angeführte die unter dem Namen ptt GGD bekannte Einnahme, an welcher sämmtliche Gemeinden der 'm ttnpn ny Theil haben, sich immer mehr verringert, indem die mit stark aufgetragenen Farben gemalten Schilderungen der erwähnten Zuschriften das von Mitleidcn erfüllte Herz der Empfänger rühren und sie glauben machen, mit der Honorirung dieser Bittgesuche ihre Spenden recht gut anzulegen und große Wohlthaten zu üben, wodurch der nach Tausenden zählenden, dem Briefschreiben nicht obliegenden würdige D'EDii ’TD?n, Wittwen und Waisen in großer Zahl in sich bergenden, palästinensischen Armengesammtheit, die aus den allgemeinen Sammlungen unterstützt wird, großer Nach theil bereitet wird und haben es daher als Pflicht anerkannt, die Beseitigung dieses Uebelstandcs auf das Kräftigste zu erstreben. Demzufolge faßten sie den Beschluß, von D2I3 nm y'jnn, dem Anfänge des zweiten diesjährigen Quartals, an, aus allen denjenigen Ortschaften, deren allgemeine Gelder unter sämmtliche palästinische Armen zur Vertheilung gebracht werden, für Vettclbriefschreiber Spenden zur Beförderung nach dem heiligen Lande nicht mehr entgegen ,zunehmen, mit alleiniger Ausnahme solcher Gaben, lvofür eine Gegenleistung, wie Schiurlernen und dergleichen, beansprucht wird, oder die von den Spendern ihren Verwandten zugcwendet werden. An die verehrten Spender und Spenderinnen ergeht nun unsere innige Bitte, die bisher den einzelnen Insassen des gelobten Landes bewilligten Beiträge in Zukunft uns zur Verwendung für die Armengesammtheit Paläslina's zuzusenden, wodurch ihre Wohlthaten ungemein an Werth gewinnen und in erhöhtem Maaße himmlischer Lohn finden werden. Frankfurt am Main, 12. Kislew 5651. 24. November 1890. Dr. S. Breuer, Rabbiner der isr. Religionsgesellschaft dahier. Nathan Bamberger, Districts-Rabbiner zu Würzburg. Dr. L. Marx, Rabbiner der isr. Religions- Gesellschaft in Darmstadt. Die Abgeordneten der Pekidim und Amarkalim der israel. Gemeinden des heiligen Landes zu Amsterdam: M. I. Gold sch mid 1son. Liepman Philip Prins. I. A. Roos. Beauftragt mit der Ausführung der in der oben gemeldeten Frankfurter Sitzung, gefaßten Beschlüsse, bringen wir vorstehende Bekanntmachung hiermit zur Veröffentlichung. A m st e r d a m, 5651 •_ 11. Dezember 1890. Pekidim und Amarkalim der israel. Gemeinden des heiligen Landes zu Amsterdam: Al. äs Lima, Vice-Präses. J. A. Roos, Secretär. Wir können diesen Ausführungen in allen Punkten nur beipflichten und erklären im Anschluß an die getroffenen Maßnahmen hiermit, daß wir Spenden für gewerbsmäßige Bettelbriefschreiber zur Beförderung nach dem hl. Lande auch unsererseits nicht mehr entgegennehmen. Redaclion des „Israelit u. Jeschurun." Berlin, Chauukah 5651. Wir freuen uns melden zu können, daß die alten Chewras, welche das Studium der Torah und die Wohlthätigkeit zur Lebensaufgabe machten, hier nach und nach Wiedererstehen. Seit Jahrzehnten wandern die Bestände der ehemaligen frommen Vereine nach andern Richtungen, für welche die Gründer keinerlei Sympathien hatten. Daran läßt sich leider nichts ändern. Die Stifter der Talmud-Torah, der Chewras Bachurim u. A. waren streng fromme Israeliten, welche ihr Leben und ihr Vermögen der Ausübung und Erfüllung der reinen Gotteslehre weihten und ihr Geld in den Dienst dieser Grundsätze stellen wollten, lieber die Wünsche und die heiligen Empfindungen dieser Erblasser schreitet die unbarmherzige Nachwelt zur Tagesordnung. — Jedoch sind die alten Leuchten erloschen, so entstehen neue, um der uralten Lehre ihren reinen Glanz zu verleihen. Ein cmGN jüN'Verein unter der Aegide des Oberrabb. Auerba ch versammelt zweimal wöchentlich seine Mitglieder um mm nw und tod hbd zu hören. Der ri"ni3-Verein unter Leitung des verdienstvollen Rabb. L. Stein läßt an jedem pp halachische Vorträge halten, die sich einer reichen Frequenz erfreuen. Die Jüugerschaar, die sich um den Rabb. B i b e r fe l d im alten srnivG rva schaart, hat in diesem Semester qualitativ und quantitativ zugenommen. Es herrscht ein reges Leben in den Räumen des mehr als hundertjährigen Lehrhauses.