Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 98 (15.12.1890)
- Date
- 1890-12-15
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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1769 welche die armen Neger rauben und verkaufen, aber gegen die armen, unschuldigen Juden fordert er Verfolgung. Die Frekheitsideen des Cardinals sind daher nur ein Talmi-Liberalismus und sind sie nur darauf berechnet, ihn bei den französischen Republikanern, die jetzt das Heft in Händen haben, beliebt zu machen. Brasilien. Mexiko. Unsere kleine jüdische Gemeinde wird nächstens einen neuen Glanz erhalten. Die italienische Regierung hat nämlich ihren Gesandten bei der Republik Peru, Herrn David Cavaliere Segre, zum Gesandten bei der mexikanischen Republik ernannt. Herr Segrö ist ein Sohn des Präses der jüdischen Gemeinde in Saluzzo (Oberitalien), Herrn Zion Segrö. Der neue Gesandte, der Anfangs des nächsten Jahres auf seinen! neuen Posten hier einlrifft, kann auf einen frenndlichen Empfang sowohl von Seite unserer Behörden, wie auch unserer Bevölkerung rechnen. Die hiesige jüdische Gemeinde ist noch sehr jung, da noch unter der Regierung des so tragisch geendeten Kaisers Maximilian den Juden hier der ständige Aufenthalt untersagt war. Der jüd. Leibarzt, Dr. Basch, den sich dieser Kaiser aus seiner österreichischen Heimath mit nach Mexiko brachte, beeilte sich noch vor seiner Einschiffung in Triest die Taufe zu empfangen. Nach dem Sturze des Kaiserreiches gelangte man jedoch hier zur Ueberzeugung, daß politische Freiheit mit religiöser Intoleranz nicht vereinbar sei und so beschloß der mexikanische Cougreß die Pforten des Landes affen Glaubensbekenntnissen zu öffnen. Seit dieser Zeit haben sich nun viele Juden aus den Vereinigten Staaten, dann aus Frankreich, Italien und Deutschland in Mexiko angesiedelt, wo sie auch unangefochten leben. Vermischtes. Sakonichi ist schon wieder von einem Unglück heimgesucht worden, indem von einem entsetzlichen Wolkenbruch gemeldet wird, der kürstich dort wüthete. Alle Flüsse und Bäche der Umgegend Salonichi's trnten aus und überschwemmten mehrere Theile der Stadt. Zwei Eisenbahubrücken wurden gan; weggerissen. F e u i l l e t o «. Aas Geschenk der Großtante. Erzählung von S. Kohn, Verfasser von „Gabriel." Jeder unbefugte Nachdruck wirb mit aller Strenge verfolgt werden. Uebersetzungsrcchte Vorbehalten. (Fortsetzung.) Speier kam heute absichtlich später als gewöhnlich zum Mittagmahl heim. Er wollte nicht mit Theresen allein Zusammentreffen, und er fand zu seiner Befriedigung, seine Frau, seine beiden Kinder, Josefs Lehrer und die Commis, die im Hause wohnten und am Familientisch theilnahmen, um diesen versammelt. Er nahm seinen gewöhnlichen Platz obenan zwischen Frau und Tochter ein. Diese ein Mädchen von ungewöhnlicher Schönheit war heute bleich und traurig, aber doch schon gefaßt; als sie sich bei der Ankunft ihres Vaters in gewöhnlicher Weise erhob und ihm die Hand küßte, mußte er die milde Ergebenheit seines Kindes bewundern und flehte in seinem Herzen Gottes reichsten Segen auf ihr Haupt herab. Speier war so aufgeregt, daß er nur mit großer Anstrengung einige Bissen herunterwürgen konnte, auch wagte er es nur selten rechts oder links auf Frau und Tochter zu blicken; aber bei solchen Seitenblicken, bemerkte er, daß auch diese die Speisen vor ihnen fast unberührt ließen. Nun fiel es ihm — die Unbehaglichkeit seiner Stimmung noch erhöhend — ein, daß es den Hausgenossen in hohem Grade anffallen und zu Nachdenken veranlassen müßte, wenn er ein so wichtiges Ereigniß, als welches der plötzliche Austritt eines langjährigen, hervorragenden Mitarbeiters im Geschäfte, erscheinen mußte, unerwähnt ließe und mit dem Bestreben einen gleichgiltigen Ton anzuschlagen, wandte er sich an den ersten Buchhalter und sprach: „Sie waren gewiß nicht weniger überrascht, als ich selbst, daß uns Theodor Perlberg und zwar sofort verläßt, allein die ihm angebotene Stelle ist eine so glänzende und seine Anwesenheit an seinem neuen Bestimmungsorte so bald nothwendig, daß ich — so hart ich auch seinen sofortigen Austritt empfinde — ihm doch keine Schwierigkeiten berriten wollte." Der Buchhalter und nach ihm auch der andere Commis gaben ihrem Bedauern, einen soliebenswürdigen Collegen aus ihrer Mitte scheiden zu sehen, herzlichen Ausdruck. Der zwölfjährige Josef Speier aber rief, während ihm die Hellen Thränen über die Wangen liefen: „Väterchen, es war der traurigste Anblick meines Lebens, als sich unser Theodor von mir verabschiedete. Einen treueren, lieberen Menschen gibt es auf der ganzen Welt nicht, und . . . , .", allein da seine Mutter, neben der er saß, ihn von den Andern unbemerkt leise anstieß, brach er verlegen ab und ergänzte schon nach kurzem Bedenken für sein Alter geschickt genug, „ich wünsche ihin Alles erdenkliche Glück auf seinem Lebenswege!" Speier warf wieder einen scheuen Seitenblick auf Therese, er erkannte, daß sie nur mühevoll ihre Thränen zu bekämpfen vermöge. Mit großer Ge-