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Der Israelit · 1890-12-15 · Heft 98 (15.12.1890) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 98 (15.12.1890)
Date
1890-12-15
Page
– (sequence 3)
Language
German
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1765 von solchen Männern wie Drake, Frobischer, John Howard und General Gordon. Und wenn man von Juden spricht, so braucht man nicht gerade auf den Shyloks und Fagins zu reiten, man denke an die Rasse als Nachkommen von David und Judas Makkabäus oder man denke daran, wie in der heutigen Zeit in der Person des Moses Montefiore sich der Jude repräsentirt. — Die große Wohlthätigkeit der Juden ist ein Segen für die Welt, und deren Interesse au der öffentlichen Wohlfahrt hat eine Nation vor Unglück und eine City vor drohender Gefahr gerettet. — Und wenn es schlechte Juden in England gibt, so tragen Engländer Mitschuld, daß sie es geworden. Die Vertretung des Prinzips des Christenthums und der Menschlichkeit ist der Grund dieses Meeting, mit innerer Politik haben wir nichts zu thun, aber die Erhaltung der Gerechtigkeit und das Verkünden der Menschlichkeit gehört zur Politik der ganzeu Welt." Der Rev. Hugh Price Hughes M. A. rc. unterstützte die Resolution. Er sagte: Die Gefühle, deren Ausbruch Sie eben gehört und mit soviel Befriedigung anerkannt haben, finden ihr Echo bei allen Methodisten des britischen Reiches. Ich war bei sehr vielen merkwürdigen Meetings in der City, aber noch nie habe ich einem so sehr wichtigen, wie diesem beigcwohnt. Niemals hat ein Lordmayor zu einer derartigen Aufforderung von soviel hervorragenden Männern die Unterschrift erhalten, und wenn je ein öffentliches Meeting gewesen ist, das der öffentl. Meinung Ausdruck gegeben, so ist es dieses. — Wir,drohen Rußland nicht und sind nicht durch politischen Grund beeinflußt, aber im Namen aller ernsten und aufrichtigen Christen Englands, protestiren wir energisch gegen die Grausamkeiten, deren Opfer die russ. Juden sind. Ca. 5 bis 6 Millionen Juden leben in Südwestrußland in den betr. Rayons. — In den Städten, in die sie vertrieben worden sind, werden sie in unbeschreiblichen Schmutz zusammengedrängt. Tausende haben nur eine Mahlzeit per Tag und häufig wohnen 12 und mehr Familien in 2 oder 3 Zimmer. Zu gleicher Zeit, in der solche Dinge in Südrußland geschehen, eristiren große Landstriche im riesigen russ. Reiche, die aus Mangel an Arbeitskräften nicht bebaut werden können. — In einigen Theilen verdirbt der Weizen und das Korn, da es an Arbeitskräften zum Einheimsen und Berwerthung der Ernte fehlt. — Die Juden wurden wie Auswurf und Fremde behandelt, obgleich sie bereits in jenen Landstrichen wohnten, ehe die Russen dahin kamen. — Sie werden gezwungen, die Steuerlast des Bürgers zu tragen, ohne dessen Rechte zu genießen und oftmals müssen sie exorbitant hohe Steuern tragen. In civil. Ländern nimmt man an, daß das, was das Gesetz nicht verbietet, dem Bürger erlaubt ist; in Rußland aber ist den Juden Alles verboten, was ihnen nicht ausdrücklich erlaubt ist. Der einzige Grund, warum die Juden solchen furchtbaren Leiden stets ausgesetzt waren, war religiöse Verfolgungswuth. Da liegt die Wurzel von Allem. Tie Anwesenden aber sind zusammengetreten, um im Namen ihrer Religion gegen jede Art der Verfolgung zu protestiren. Rußland hat zur Zeit eine sehr angesehene Vertretung in unserm Lande, deren Aeußerung stets mit großem Vergnügen gehört und gelesen wird. Aber Mme. Nowikoff erkennt alle Thatsachen an, und trotzdem hohnlacht sie über das Judenthum. Ich wünschte einen Beweis von ihr, daß sie zu gleicher Höhe, wie der Juden Moralität emporgestiegen sei. — Was das Christenthum anbelangt, so ist es klar, daß sie wenig davon versteht. Mme. Nowikoff sagt, wir sollen uns um unsere eigenen Angelegenheiten kümmern °, als aber der Herzog von Westminster dem Meeting in der St. James Hall präsidirte, um gegen die türkische Grausamkeit zu protestiren, sagte sie nicht das Gleiche. Thatsächlich dankte sie damals dem Herzog. — Wenn matt ein Recht hatte gegen die Grausamkeiten der Türken zu protestiren, die doch andern Glaubens sind, um wieviel mehr muß man gegen die Grausamkeit der Russen im Namen eines gemeinschaftlichen Christenthums protestiren. — Ich bin stets für das freundschaftliche Verhältniß zu Rußland eingetreten, aber internationales Vertrauen und gutes Einvernehmen sind Pflanzen von großer Empfindlichkeit und langsamem Wachsthum und es gibt nichts, was die welkende Feindseligkeit zwischen beiden Ländern neu beleben könnte, als jene schreckliche Vorkommnisse in Rußland. Wer die Verhandlung des sog. Schwitz- Comitös gelesen hat, weiß, daß die Mißhandlung der Juden in Südwestrußland Schuld trägt an der Einwanderung sovieler Concurrenten für unsere arme Arbeiterbevölkerung. -Man erinnert uns an die Grausamkeiten, die im dunkelsten Afrika stattgefunden haben sollen und sagte, wir sollten vor unserer eigenen Thüre kehren, ehe wir andere Nationen kritisiren. Die Antwort hierauf lautet, daß jene Grausamkeiten nicht öffentlich und nicht von Seiten der Regierung geschehen sind und daß sie das ganze Land mißbilligt. Hier sind wir Gottlob für immer mit der verabscheuungswürdigsten aller öffentlichen Schandthaten — mit der religiösen Verfolgung — fertig. — Mme. Nowikoff sagte, daß eine große Macht, die 2 Millionen Soldaten hat, auf ein solches Meeting nicht hören würde. Dieses wirklich barbarische Argument zeigt, daß Mme. Nowikoff noch nicht genügend von der Civilisation durchdrungen ist und ich glaube nicht, daß sie damit die Gefühle des Czaren ausgedrückt hat. — Ich habe eine viel bessere Meinung vom Czaren von Rußland. Wir rufen das Edelste und Beste in einem Manne an, der unserem Regierungshause verwandt ist und glauben, daß der Czar ein viel zu kluger Mann ist, als daß er die öffentliche Meinung ganz verachtet, — die, wie Lord Palmerston sagte, die größte Macht der modernen Welt ist. — Meine einzige Furcht ist, daß der Czar genauen Bericht über diese Versammlung nicht erhält und ich wage zu sagen, daß ich keine Handlung für so staatsverrätherisch halte, als die Borenthaltung dieser Nachrichten dem Czaren gegenüber. Die Vertreter von Rußland in England werden die große Bedeutung einer solchen Versammlung verstehen und ich hoffe, daß man überall derartigeDemonstrationen veranlaßt. Kein Zweifel ist, daß das englische Volk damit übereinstimmt, und ein solch nationales Gefühl kann selbst der Befehlshaber von 2 Millionen Soldaten nicht verachten. Mme. Nowikoff weiß wohl nicht, daß es ein gerade so großes britisches Reich gibt, als das russische Reich groß ist, und daß sich Beide an vielen Stellen berühren. — Es ist sowohl für beide Nationen, als für die ganze Mettschheit von Wichtigkeit, daß zwischen diesen Reichen freundschaftliche Beziehungen bestehen. — Nichts wird die Freundschaft mehr lockern, als die Fortsetzung dieser Ungerechtigkeiten und Grausamkeiten, und andererseits könnte Nichts die freundschaftlichen Beziehungen mehr fördern als ein Wort des Czaren, welches das Elend der russischen Juden für immer bannen würde." Die Resolution wurde hierauf einstimmig angenommen. Ter Earl of Meath proponirte folgende Resolution: „Es möge eine entsprechende ehrerbietige Bittschrift dem Czaren überreicht werden, um Se. Majestät zu bitten, all' die Ausnahmegesetze, die seine jüd. Unterthanen bedrücken, auszuheben, und daß Se. Majestät ihnen gleiche Rechte verleihen möge, wie seinen anderen Unterthanen. Die Resolution soll vom Lordmayor im Namen der Bürger von London unterschrieben und von ihm dem Czaren überreicht werden." Er erläuterte dann nochmals das Vorgehen des Meetings. Hierauf gab noch Sir I. Fowler ein kurzes Bild, wieviel London seinen jüd. Bürgern zu danken habe, und wenn man Rußland einen guten Rath ertheilen dürfe, so solle Rußland seine jüdische Unterthanen gerade so Hallen,

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