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Der Israelit · 1890-12-11 · Heft 97 (11.12.1890) · page 19

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 97 (11.12.1890)
Date
1890-12-11
Page
– (sequence 19)
Language
German
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1761 rael. Diese Widersprüche lösen sich auf die einfachste Weise, wenn man den judäifchen Joram vom 16. Jahr Josaphats an dessen Mitreaent sein läßt, und wenn man die Angabe von 2. Kön. 8, 16 auf den Beginn seiner Alleinherrschaft bezieht. Redner wies dagegen die Ungenauigkeiten der bis vor Kurzem noch unangefochtenen älteren Profangeschichte nach, die Unzuverlässigkeit Herodots, der vielfach nur prüfungslos wiedererzählte, was er hörte, die sagenhafte Vergangenheit Roms bis zur Republik u. a. Auf der andern Seite zeigt er die Uebereinstimmung der Hieroglyphen und der hieratischen Inschriften in den egyptischen Gräbern. Dabei rühmt er den Reichthum an archäologischen Schätzen im Berliner egyptischen und assyrischen Museum. „Ich war starr beim Anblick dieser Mumien und muß gestehen, daß das Berliner Museum nach den neuesten Erwerbungen den englischen nicht mehr nachsteht. Es finden sich da ein Menge hethitischer Inschriften, die von^einem Briefwechsel der Könige Judas mit den egyptischen herrübren und in die Zeit Salomos, sowie bald nachher fallen. Je tiefer man in diese uralten, direkt aus jenen Zeiten stammenden Schriftdenkmäler der mit den Juden in Verbindung stehenden Völker eindringt, desto umfassender wird die Wahrheit der heiligen Schrift nicht nur in den Hauptsachen, sondern auch in den Nebendingen bestätigt. Die heilige Schrift meldet (2. Kön. 18, 14), daß Hiskias dem Sanherib 30 Talente Gold und 300 Talente Silber geben sollte. Die jetzt aufgefundenen heidnischen Quellen beziffern die Höhe der Abgabe aber auf 800 Talente Silber. Der Widerspruch löst sich durch die Bemerkung 2. Kön. 18, 15: „Also gab Hiskia all das Silber, das gefunden ward." Es scheint, daß die Juden in ihrer Angst mehr gaben, als von ihnen verlangt war. So führte Hechler seine Hörer an der Hand von heidnischen Urkunden durch die dadurch bestätigte heilige Geschichte, überall Zweifel zerstreuend und Widersprüche beseitigend. Wenn z. B. 2 Chron. 33, 11 gesagt ist, daß die Fürsten zu Assur den König Manasse nach Babel führten, während doch Assyrien und Babylonien zwei nebeneinander bestehende Reiche waren, so klärt sich dies durch den jetzt entdeckten Umstand auf, daß Esarhaddon, der König von Assyrien, Babel unterworfen hatte und in beiden Reichen regierte. Sein Nachfolger Assurpanibal ließ die königliche Bibliothek in Babylon abschreiben, deren größter Theil sich jetzt im britischen Museum befindet. Man ersieht daraus die Bestätigung der biblischen Erzählung von der Sündfluth u. a. Der Traum Nebukadnezars (Nabu-kud umi-utsur) und die daran anknüpfenden Weissagungen Daniels von den Weltreichen und deren endliche Zerstörung und Aussaugung durch das Reich Gottes geben dem Redner Anlaß zu chiliastisch angehauchten Betrachtungen über die in der Periode der halb thöuernen, halb eisernen Füße angelangten Gegenwart, die keinen Bestand haben könne, da Erde und Elsen nicht zusammenhält. Er glaubt nicht an der Dauer der bestehenden Reiche, hält eine „republikanische Entwickelung und Umwälzung", wiewohl ohne Blutvergießen, für wahrscheinlich und folgert aus der allenthalben sich steigernden antisemitischen Bewegung, daß für Israel die von den Propheten vorausgesagten „Wehen" jetzt anbrechen. Ein Rabbiner in London habe dies selbst schon zugegeben!(?Red.) Man solle zwar nicht Tag und Stunde berechnen, welche Gott seiner Macht Vorbehalten hat, aber man solle doch auf die Zeichen der Zeit achten, und diese deuten nach dem Vortragenden auf eine baldige Erfüllung des Prophetenwortes: „Sie werden zu Haufen kommen von allen vier Enden der Erde, denn das Land ist jetzt bereit gemacht von den Völkern". Das jüdische Land warte jetzt auf das jüdische Volk. Der Tempel Ezechiels werde gebaut werden. Wenn der „kranke Mann" gestorben sein wird, wird Palästina den Juden zugelheilt werden. Den Antisemitismus nennt P. Hechler „eine Zuchtruthe Gottes für die Juden", bittet aber, denselben nicht zu unterstützen, da Gott die Zuchtruthen, die er braucht, dann auch wieder zerbreche. Eine Episode aus dem Leben Ludwig I., König von Bayern Ein Israelit Namens Ephraim stellte sich einst dem Könige vor, um ihm einen sehr seltenen Stein, den er geerbt hatte, und für den er seines hohen Preises wegen, der stch auf viele Tausend Gulden belief, keinen Käufer fand, zu verkaufen. Der Stein gefiel dem Könige, er bezahlte die verlangte Summe und der Israelit entfernte sich ganz zufrieden. Eines Tages erschien ein ausgezeichneter Archäolog am königlichen Hose; der König zeigte ihm den gekauften Stein und sagte ihm auch den gegebenen Betrag. „Ich hätte zehnmal soviel dafür gegeben", sagte der Steinkundige. Der König blieb ganz erstaunt, ließ sogleich den Israeliten rufen, um ihm den Mehrbetrag, den der Archäolog gegeben hätte, auszuzahlen. Ephraim weigerte sich das Geld an-

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