Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 97 (11.12.1890)
- Date
- 1890-12-11
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
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1762 zunehmen, indem er sagte: „Der Contract ist abgeschlossen und ich würde im entgegengesetzten Falle auch Ihrer Majestät nichts zurückerstattet haben." „So hätte ich dich vor Gericht rufen lassen und dich dazu gezwungen", versetzte der König. „Ihre Majestät hätte den Prozeß verloren, weil der Contract einmal geschlossen ist." „Ich nehme kein Geschenk von meinem Unterthanen an." „Und ich", versetzte der Israelit, „nehme von Niemanden, selbst nicht von dem Könige, Geschenke an. „Wenn ich dir aber befehle." „Majestät, ich nehme nichts." „Du bist der uneigennützigste und ehrenvollste Mensch, den ich kenne." „Ich verdiene nicht diese Auszeichnung, denn ich habe nur meine Pflicht gethan." Der König reichte Ephraim seine Hand und sagte: „Sei mein Freund, ich bitte dich um deine Freundschaft." Ephraim wurde der Freund Ludwig I., aber er benützte die Freundschaft wenig, indem er nie etwas vom Könige verlangte. Der König hätte sich ihm gern als Protector gezeigt, und da er erfuhr, daß Ephraim ein sehr frommer Israelit sei, so ließ er den Oberrabbiner fragen, welche die ehrenvollste Belohnung wäre, die man einem Israeliten erweisen könne. Die Antwort lautete kurz: die Würde eines Oberrabbiners. Sogleich ernannte der König Ephraim zum Oberrabbiner und das Diplom wurde hierüber ihm ausgestellt. Mit Verdruß und Kummer las Ephraim seine Ernennung zum Oberrabbiner, weil er keinen Talmud ^verstand und diese Auszeichnung ihm mehr einen L>pott zu sein schien. Noch spät abends lief Ephraim zum König und bat ihn die Ernennung znrückznnehmen. Betrübten Herzens erfüllte der König dessen Wunsch, indem er sagte: „Das ist der erste Mensch, dem ich begegnete, dem selbst ein König nichts gewähren kann." Ephraim war ein sonderbarer Charakter. Pefth. In einer vor Kurzem erschienenen Biographie des verstorbenen Staatsmannes Grafen Julius Andrassy wird der intimen Freundschaft gedacht, welche derselbe für den jüdischen Hofrath, Sections-Ehef Ludwig Dozi hegte. Unter anderem wird daselbst folgender schöner Zug des Grafen erzählt: Graf Andrassy war damals Minister des Aeußern, Ludwig Dozi Hofrath. Eines Tages stand Dozi niit einem älteren Manne vor einem Hause der Budapester Badgasse. Die Beiden führten ein lebhaftes Gespräch. Plötzlich kam Graf Andrassy auf die beiden Männer zu und sagte mit seinem gewinnenden Lächeln: „Ich bitte um Entschuldigung, daß ich störe, aber ich muß mit Herrn Dozi einige Worte sprechen." Dabei nahm er Dozi unter den Arm und ging mit ihm einige Schritte weiter. Der überraschte Dozi sprach hierauf zum Minister-Präsidenten: „Excelleuz! Diese Auszeichnung freut mich jetzt doppelt, denn der alte Herr, mit welchem ich sprach, war mein Vater, der sich über das Vertrauen, mit welchem Excellenz mich zu beehren geruhen, sehr freuen wird." Andraffy erwiederte darauf: „Ich habe Ihnen ja eigentlich nichts zu sagen; ich rief Sie nur deßhalb beiseite, um dem alten Herrn, von dem ich wußte, daß er Ihr Vater ist, eine Freude zu bereiten." Prag, 7. Dezember. Der hiesige Wohlthätigkeitsverein „Chanukah", der es sich zur Ausgabe gemacht hat, arme Kinder mit Kleidern und Schuhen zu versorgen, hielt gestern im Wintergarten des „Grand Hotel" seinen Festabend ab, dem ein zahlreiches und auch distinguirtes Publikum anwohnte. Die Kapelle des 75. Infanterie-Regiments besorgte dabei die Musik. Es wurden auch mehrere Lieder zum Vortrage gebracht, die stürmischen Beifall fanden. Nachdem die Festgäste sich entfernt hatten, nahmen der Lorstand des Vereins und des Damencomittzs die Verthcilung der Kleider vor, wobei 69 Knaben und 40 Mädchen vollständige Winteranzüge erhielten. Auflösung. Die Auflösung des Preis-Räthsels in Nr. 95, ist der '* ,u piDD in 'x cm\T nm (Cap. 'n), nämlich: nxi nw (*"33v„ nx irwx "ann,, ia im„ .""hdid,, nx: rrosp nxi pjr nxi nxi nstd Unter den Einsendern von richtigen Lösungen wurde geloost und erhielt der Gewinner: Herr Cultusbeamter A Davidfohn in R a st e n b u r g (Ostpr.), den Preis, bestehend in Einem Band: „Aus Vergangenheit und Gegenwart," Jüdische Erzählungen von Dr. M. Lehmann, heute zugesandt. *) Der Name tommt vor in rviwn ~©D Cap. 35, Vers 33. Verantwortliche Redaction: OsearLehmann in Mainz. — Expedition des „Israelit" u. „Jeschurun", Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'schen Hofbuchdruckerei-Actien-Gesellschaft in Mainz.