Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 97 (11.12.1890)
- Date
- 1890-12-11
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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1752 zur Zeit der größten Unterdrückung die glänzendsten Beweise ihrer Vaterlandsliebe und VaterlandsLreue gegeben hätten. Wir möchten hierzu bemerken, daß der Verfasser Unrecht thut, die Sünden, die einige Auswüchse des Vaterlandes begangen haben, diesem als Schuld anzurechnen, und wir glauben, daß er hier in denselben Fehler verfällt, wie die Antisemiten, die die ganze Judenheit verdammen, wenn ein Jude einmal etwas schlechtes begeht. Aber das sind nicht die einzigen Sünden des Buches, mit dem wir uns nur deßhalb so lange beschäftigen, weil es immerhin geeignet ist, in manchen Kreisen für ernst ausgenommen zu werden. Auf welche Weise, fragen wir uns nun, will denn der „gelehrte" Verfasser den Conflict lösen, zwischen Judenthum und Christenthum? a | ^Schnell fertig ist die Jugend mit dem „Wort!" ß I* Mit unglaublicher Naivität und der ganzen Grünheit eines plauderhaften Jungen sagt er: „Das Judenthum Nluß in dem Christenthum aufgehen", so zwar, daß beide vereint, eine Religion ergeben, die vielmehr Nichtreligion ist. Und nun entpuppt sich Non86iKN6ur Junius als ein so wüthender Feind des Judenthums, wie kaum ein Antisemit dies sein kann. Er verspottet, er verachtet, er haßt das Judenthum, nennt es längst überlebt, unnütz, und der Ausrottung werth. Sein Geist treibt wunderbare Blasen auf. — Des Narren Lob ließ uns eben so gleichgiltig, wie nun sein Tadel. Gottlob, daß es nicht viele solcher Vertheidiger des Judenthums gibt. Mas an dem Schriftchen etwa Gutes ist, haben wir unfern Lesern mitgetheilt, um sie über dasselbe zu orientiren, vor dem vielen Schlechten aber, das darin enthalten ist, möchten wir sie nachdrücklich warnen; wir wenigstens hielten es für sündhaft, ein solches Machwerk durch Ankauf zu unterstützen. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Berlin. Der diesjährige Preis aus der Ginsberg-Stiftung zum Andenken an den auf Jschia verunglückten Maler Adolf Ginsberg, von dessen Angehörigen begründet, war im Ganzen von neun Bewerbern umstritten. Das aus den Herren von Werner, Knaus und Dr. Max Jordan bestehende Kuratorium hat nun dem Vernehmen^nach beschlossen, in diesem Jahre den Preis von 2000 M. zu theilen und ihn aus Grund der eingereichten Bilder und Studienarbeiten den Malern Carl Kappstein und Reinhold Hansche zu verleihen. Beide stammen aus Berlin und haben die dortige Akademie besucht; Kappstein hat sich im engeren Anschluß an Prof. Paul Meyerheim herangebildet, Hansche war ein Schüler von Prof. Eugen Bracht. O e ft e r r. Ungar. Monarchie. In Gollendorf bei Freistadtl ist die vor 15 Jahren erbaute Synagoge ein Raub der Flammen geworden. Die min nsD konnten glücklicherweise gerettet werden. Holland. Amsterdam. Das ständige Comitö des General-Raths der aschkenasischen Juden in Holland hat eine Statistik veröffentlicht, die einen Ueberblick der Zahl der jüdischen Gemeinden unseres Landes gestattet. Die Liste enthält die Namen von nicht weniger als 90 Städten, die eine organisirte israel. Gemeinde haben, mit der Zahl der jüdischen Bevölkerung. Die Liste wird als unvollständig angegeben, da mehrere Gemeinden, darunter einige bedeutende, keine Berichte gesandt hatten. Die jüdische Bevölkerungszahl in Amsterdam ist rund 42,000 (außer der Portugiesischen Gemeinde), in Rotterdam 8000 und in Haag 5200. In nur einer anderen Stadt, Leeuwarden, den Sitz einer sehr alten Gemeinde, überschreitet die Zahl der jüdischen Bewohner 1000. England. London. Die hervorragenden Juden Englands sind mit lobenswerthem Eifer bemüht, das Loos ihrer unglücklichen Stammesgenossen in Rußland zu verbessern und diesem Streben sind hauptsächlich auch die letzten Enthüllungen über die neuerlichen Absichten der zarischen Regierung zur weiteren Bedrückung der Juden zu verdanken. Das englischjüdische Cornito hat eine Broschüre Herstellen lassen, in welcher nicht nur die gegenwätig in Rußland in Kraft bestehenden Gesetze gegen die Juden auf Grund amtlicher Aktenstücke zusammengestellt sind, sondern auch an einzelnen Beispielen nachgewiesen wird, wie diese Gesetze ausgeführt werden. Zahlreiche aus Rußland ausgewiesene und nach London gekommene Juden werden von dem Jewish Board of Guardians vernommen und dort kann man erfahren, in welcher Weise die russischen Behörden die barbarischen Gesetze ansführen. Die „Times" schildert eine solche, zwei Stunden dauernde Sitzung des Jewish Board in London folgendermaßen: Die erste vorgerufene Person war ein Landarzt, welcher seine Geschichte in gebrochenem Französisch erzählte. Er war in Kowno, also innerhalb des den Juden in Rußland zugewiesenen Rayons geboren. Er hatte in Königsberg studirt und auch das Examen gemacht. Als der russisch-türkische Krieg ausbrach, kehrte er nach Rußland zurück, und da er in dem Glauben bestärkt wurde, daß an Aerzten Mangel sein werde, machte er auch in Ruß-