Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 97 (11.12.1890)
- Date
- 1890-12-11
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2446951-2448024-2448116--31197-2478986- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
in der ersten Aufregung sofort telegraphisch bei Nobinfeld u. Co. an, ob die mir offerirte Stelle noch unbesetzt, eventuell, wann ich sie antreten könnte, ich erhielt die Depesche: „Stelle offen, wenn Sie sofort kommen, doppelt willkommen." .... Du siehst, ich kann sofort meinen neuen Posten antreten." „Du hast Dich rasch resolvirt", meinte Speier verlegen, bloß um etwas zu sprechen. „Ich glaube, Du hättest an meiner Stelle ebenso gehandelt, Onkel." „Das glaub' ich selbst," entschlüpfte es Speier's Lippen unwillkürlich. „Wenn es so steht," fuhr er nach kurzem Bedenken fort, „kann ich Dich nicht halten." „Onkel, nochmals Dank für all' das Gute, das Du mir erwiesen . . . leb' wohl, Onkel Philipp, Gott segne Dich und die Damen", er wollte der Thüre zuschreiten. „Wir werden uns doch noch vor Deiner Abreise sehen", sprach Speier bewegt. „Nein!" „Hast Du bei Deinem raschen Entschlüsse auch an Deine Großmutter gedacht? Ihr lebt zusammen, sie ist an Dich gewöhnt, Du bist ihr Alles auf dieser Welt, sie ist eine alte Frau, es wird ihr schwer fallen, sich von Dir zu trennen; — allerdings brauchst? Du um Tante Johanna nicht zu sorgen; wenn Du von hier weggehst, werden wir die alte Frau in unser Haus nehmen, sie soll wie eine Fürstin gehalten werden, es soll ihr an nichts fehlen." „Ich danke Vieltausendmal für Deine Güte, doch muß ich Dein Offert mit bestem Danke ablehnen. Die Großmutter billigt meinen Plan und ist es zufrieden, mir, sobald ich in B. eine passende Wohnung gefunden, dorthin zu folgen. Bis zu dieser Zeit bleibt sie unter der Obhut der alten, treuen Magd, Mirel, die auch mit ihr nach B. geht. Großmutter verläßt fast nie das Haus und da ihre alte Gesellschafterin Mirel sie nach B. begleitet, ist es ihr vollkommen gleich, wo sie den Rest ihrer Lebenszeit verbringt." „Wann willst Du reisen?" „In anderthalb Stunden, mit dem nächsten Zuge." „Wirst Du Dich nicht von der Tante und Therese verabschieden." „Nein! Grüße sie von mir herzltchst, spreche der Tante meinen heißesten Dank für all' das Gute aus, das sie mir erwiesen; — und Therese soll so glücklich werden, als ich es wünsche, als sie es verdient!" Theodor stürzte aus dem Zimmer. „Ah!" stöhnte Speier tief auf, „das war eine schwere Stunde! — Wenn ich nur schon die erste Zusammenkunft mit Therese überstanden hätte .... wahrhaftig, es bangt mir, vor mein Kind zu treten! Ich fürchte, es wird nun mit dem Frieden und dem Glücke in meiner Familie zu Ende sein! — „Herr Gott! ich bin ja unschuldig daran! Hätte ich Jakob Perlberg's elternloses Kind unter der Leitung einer siebzigjährigen Frau aufwachsen lassen sollen? Hatte ich nicht die Verpflichtung, ihn unter meinen Augen zu behalten? . . .. freilich, als Theodor zum herrlichen Jüngling heranreifte, kam's mir zuweilen in den Sinn, die beiden jungen Leute könnten Gefallen aneinander finden, es wäre zweckmäßig, ihn unter dem Vorwände, er solle die Welt kennen lernen, in die Fremde, in weite Ferne zu schicken; — aber ich hatte nicht das Herz, Theodor von seiner Großmutter, die ihn endlos liebt, zu trennen. Konnte ich es ahnen, daß der allgerechte, allgütige Gott mir meine gute That mit schwerem, vielleicht mein volles Leben vergiftendem Kummer belohnen würde?! (Fortsetzung folgt.) „JSraelit* und „Jeschurun" erscheint wöchentlich zweimal, MontagS und Donnerstags, jedermal in mindestens 2 Bogen. Preis deS Jahrgangs für Deutschland und Oesterreich 12 Reichs-Mark, sür'S Ausland 1b Reichs-Mark. Man abonnirt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Durch d«t Kuchhanbrl jtt beziehen bet E. F. Kletnackrr, Leipzig. Rastplatz 16. — Inserate 25 Pfennige die dreigespaltene Petitzeile oder deren Raum. — Oesterreichische Banknoten laut Cours. — Directe Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark »der 8 fl. österr., für's Ausland 16 Reichs-Mark, an die Expedition franco ern-nsenden. Inhalt (Hauptblatt): Leitender Artikel: Des Propheten Habakuk Weissagung. — Zeitungsnachrichten und Correspoudenzcn: Deutschland: Mainz. Berlin. Breslau. — Oesterr.-Ungar. Monarchie: Wien. Budapest. Preßburg. — Holland: Amsterdam. — Rußland: Petersburg. — Palästina: Jerusalem. — Amerika: New-Aork. — Indien: Kalkutta. — Feuilleton: Das Geschenk der Großtante. Inhalt der Beilage: Literarischer Bericht. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Berlin. — Oesterr.-Ungar. Monarchie: Gellendorf. — Holland: Amsterdam. — England: London. — Vermischtes. Inhalt der belletristischen Beilage: Bilder aus Marokko. — Die Bibel im Lichte der wissenschaftlichen Forschung auf Grund der neuesten Ausgrabungen. — Eine Episode aus dem Leben Ludwig I., König von Bayern. — Verschiedenes. Verantwortliche Redaktion: Oscar Lehmann in Mainz. — Expedition des „Israelit" u. „Jeschurun", Schottstr. Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'schen Hofbuchdruckerei-Actien-Gesellschaft in Mainz. Hierzu drei Beilagen.