Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 97 (11.12.1890)
- Date
- 1890-12-11
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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1749 kann gewiß nur ein gewichtiger Grund sein, der Dich zu dem veranlaßt, was — unaufgeklärt — uns hart erscheinen muß. Du wirst mir doch Deine Liebe, die Du mir so oft bewiesen, nicht in so hohem Maße entzogen haben, um mir auch die Bitte zu verweigern, mir zu sagen, weßhalb Du mich zurückweist," und als Speier, düster vor sich hinblickend, in Schweigen verharrte, fuhr Theodor fort: „Ich kenne Dich zu genau, Onkel, um zu glauben, Du wolltest Deinem Kinde weh thun — Du th u st ihr weh, frag' sie selbst, frag' die Tante — weil ich ein unbemittelter Mann bin. Wie Großmutter erzählte, warst Du selbst es ja auch, als Du um Tante Pauline, der Tochter Deines reichen Oheims warbst." „Hab' ich mit einem Worte angedeutet, daß Du mir als Eidam zu wenig reich bist?" stieß Speier unmuthig hervor. „Ich habe Dir gewiß nie Grund zu Unzufriedenheit gegeben. Kannst Du sagen, daß ich Dir je ungehorsam gewesen, Dir Verdruß bereitet? Gewiß nicht! Mein ganzes Leben liegt offen vor Dir; ich rufe Gott zum Zeugen an, ich habe nie etwas gethan, was das Licht zu scheuen hätte, etwas, was ich vor meiner Großmutter, vor Dir, vor Therese verheimlichen hätte müssen, und . . ." „Wozu dieses Selbstlob?" unterbrach ihn Speier, „Hab' ich Dich denn getadelt, etwas an Deinem Verhalten, Deiner Person ausgesetzt?" „An meiner Familie kannst Du doch wahrhaftig auch keinen Anstoß nehmen, sie ist ja auch die Deine. Deine Mutier war die Schwester meiner Großmutter und, wie diese erzählt, war mein Vater Dein bester Jugendfreund!" „Du siehst, ich bin beschäftigt." meinte Speier nach einer Panse. „Was willst Du also eigentlich von mir?" „Du fragst?" erwiederte Theodor erstaunt, „ich hab's ja gleich bei Beginn unserer Unterredung gesagt.Wenn Du darauf bestehst, muß ich's wiederholen.Du verweigerst mir Theresen's Hand. Ich kann nicht glauben, daß ein Mann wie Du, den ich von meiner Knabenzeit an stets als mein Vorbild betrachtet habe, sich, wo es sich um das Glück zweier Menschen, um das Glück seines Kindes handelt, nur von einer Laune beherrschen läßt. — Sag' mir, Onkel, weßhalb Du mich abweiseft? Ich glaube, ich habe das Recht, diese Frage zu stellen, Du die Pflicht, sie zu beantworten." Speier, der sonst mit imponirender Sicherheit auftretende Mann, befand sich offenbar in großer Verlegenheit, er wußte nicht, wie er sich behoben sollte. Der Ausdruck seiner Züge wechselte mehrmals, endlich sprach er mit mißbilligendem Stirnrunzeln : „Dieser Behauptung kann ich nicht beipflichten; — wer ertheilt Dir dieses Recht und wer legt m i r diese Verpflichtung auf? — Daß ich für meinen Entschluß vernünftige Gründe habe, wirst Du mir glauben, aber diese gehen Dich und auch Niemanden Andern etwas an — das laß' ich mir weder abtrotzen, noch abschmeicheln.Dixi!“ Theodor wurde purpurroth, unwillkürlich reckte er sich zu seiner vollen Höhe empor und sprach: „Onkel, Du behandelst mich zu hart. Wenn Du mir den Grund nicht angeben willst, — dann muß ich annehmen, daß er einer vernünftigen Kritik nicht Stand halten kann; — ich kann Dich nicht zwingen, aber . . er wollte heftig weiterreden, aber er bekämpfte sich und sprach erst nach längerer Pause. „Onkel, ich danke Dir für all' das Gute, das Du mir erwiesen; — aber, Onkel, Du wirst es begreifen, daß ich nicht länger in Deinem Hause leben kann. ... Ich steh' ja in Deinen Diensten, ich kündige Dir hiermit in aller Form." „Ich habe das erwarten müssen", meinte Speier plötzlich wieder weich. „Es thut mir leid, recht leid, daß wir von einander scheiden; — aber ich habe weder die Macht noch die Absicht, Dich zurückzuhalten. Wir werden hoffentlich doch noch immer in freundschaftlichen Beziehungen bleiben; wenn Du eines Freundes bedarfst, wirst Du wohl nicht vergessen, daß ich mich stets zu diesen rechne — nicht wahr? .... Wann gedenkst Du auszutreten?" „Sofort. — Ich weiß es allerdings, daß Du nicht verpflichtet bist, meine Kündigung auf sofort anzunehmen, aber ich hoffe, Du wirst mir in diesem Punkte keine Schmierigkeiten bereiten." „Gewiß nicht, wenn Du darauf bestehst, obwohl ich's nicht verhehlen kann, daß mich Dein plötzlicher Austritt in Verlegenheit setzt. Ich habe Dir die Procura übertragen und Du besitzest mein unbeschränktes Vertrauen.Du mußt es einsehen, ich kann so rasch Dich nicht ersetzen.Was wirst Du beginnen?" „Ich habe einen Posten angenommen?" „In so kurzer Zeit?" frug Speier überrascht, im Tone des Zweifels. „Ich habe Dir es schon seiner Zeit erzählt: Als ich vor einigen Wocheu in Geschäften die Provinz M. bereiste und auch V. besuchte, haben mir Robinseld u. Co. dort, in dessen Diensten mein verewigter Vater gestanden, unter glänzenden Bedingungen die Stelle als Procuraführers ihres Hauses angeboten; — ich habe das ehrende Offert mit Dank, lächelnd abgewiesen, — damals hatte ich nicht geglaubt, daß ich je Dein Haus verlassen würde; — gestern, als Du mich abwiesest, frug ich