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Der Israelit · 1890-12-11 · Heft 97 (11.12.1890) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 97 (11.12.1890)
Date
1890-12-11
Page
– (sequence 6)
Language
German
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1748 Osten Asiens zerstreut lebenden Glaubensbrüder wieder nach Jerusalem zurückführen, damit sie dort seinen Thron aufrichten helfen sollen. In Peschawer hat nun die englische Bibelgesellschaft eine Art Filiale errichtet, um so die afghanischen Juden gleich beim Ueberschreiten der Grenze ihres Vaterlandes einfangen und für den christlichen Glauben gewinnen zu könneu anson 72 nwh n'DTn. Als Bckehrungswerkzeuge bedient sie sich dort nicht englischer Missionäre, sondern Mohamedaner und Juden (Letztere stammen zumeist aus Persien und Polen), die für schnödes Gold den Glauben ihrer Väter verkauft und sich nun dazu hergeben, ihre anderen Glaubensbrüder zu ködern, damit auch sie den einig-einzigen Gott verleugnen sollen. Diese Renegaten, die entweder im Talmud oder im Koran gut bewandert sind und auch geläufig persisch sprechen, betreiben nun hier ihr Bekehrungswerk auf offener Straße nmn bo »ma und predigen da den neuen Glauben nrv'nrin ms. Da ihre Worte allein nichts auszurichten vermögen, so nehmen sie dann auch zum Golde ihre Zuflucht. Bisher sind ihnen jedoch noch wenig afghanische Juden ins Garn gegangen, da diese zu strenge an ihren Glauben hängen, dafür aber mehr persische. Diesen sagt man jedoch nach, daß, kaum haben sie Peschawer im Rücken, so waschen sie meistens im Kabulflusse das Taufwaffer von ihrem Gesichte weg und legen wieder ihr Arba-Kanfoß (Betmäntelchen) an. Das Gold, das sie erhalten haben, verwenden ffie dann zu ihrem Geschäfte. Einige verbleiben jedoch noch weiter in dem neuen Glauben, um dann als Kaufleute, Aerzte rc. nach anderen Ländern Asiens zu gehen und dort im Stillen Juden und Moslims von ihrem Glauben abtrünnig und für das Christenthum empfänglich zu machen. Feuilleton. Aas Geschenk der Großtante. Erzählung von S. Kohu, Verfasser von „Gabriel." Jeder unbefugte Nachdruck wird mit aller Strenge verfolgt werden. Uebersetzungsrechte Vorbehalten. (Fortsetzung.) Zweites Kapitel. Am nächsten Vormittage saß Philipp Speier in dem Sprechzimmer seines Büreaus, wie die großen Kaufleute jetzt ihre Comptoirs bezeichnen. Die eben angelangten Briefe lagen zur Durchsicht vor ihm, aber er wandte diesen keine Aufmerksamkeit zu. Er starrte wie geistesabwesend in das Papier, und seine Gedanken waren offenbar anderwärts. Er dachte an fein Kind, an Therese; — es schmerzte ihn tief, daß er ihre schönste Hoffnung unbarmherzig zerstören mußte! — Er hatte sie seit seiner letzten Unterredung mit seiner Frau noch nicht gesprochen, sie war znm Nachtmahl nicht erschienen, hatte sich mit heftigem Kopfweh entschuldigen lassen und er hatte nicht den Muth, sich persönlich über ihr Befinden zu erkundigen, auch dann nicht, als sie am nächsten Morgen nicht zum Frühstück erschien. Als er Pauline frug, wie Therese seine Entscheidung ausgenommen, hatte jene geantwortet: „Du kannst Dir's vorstellen — ich habe es nicht versucht, sie zu trösten, in solchen Fällen ist Menschenwort wirkungslos, nur Gottes Allmacht und -Allgüte vermag es, in ein verwundetes Menschenherz Beruhigung zu gießen." Als er vor Kurzem aus der Wohnung in's Comptoir ging, war er an Theresen's Zimmer, dessen Thüre offenftand, vorübergekommen; er wäre gerne hineingegangen, und doch hatte er es nicht gewagt, und nur scheu einen Blick hineingeworfen. Therese war regungslos wie eine Statue am Tische gesessen und hatte ihn gar nicht bemerkt. Sie war ungewöhnlich blaß, ihre Augen von Weinen geröthet. Er hatte bei ihrem Anblick einen heftigen Stich im Herzen empfunden und ihr Bild verfolgte ihn unaufhörlich. In seinen Gedanken versunken, bemerkte er nicht, daß sich die Thüre öffnete und Theodor Perlberg eintrat. Dieser war ein hochgewachsener Mann von fünfundzwanzig Jahren, mit glänzendem, schwarzem Gelock und einem Vollbart gleicher Farbe, und als Speier zu ihm aufblickte, fand er es von Neuem sehr begreiflich, daß er seiner Tochter gefiel. „Womit kann ich Dir dienen, lieber Theodor?" frug Speier und schob den Haufen Briefe von sich weg, aber er sah dabei den jungen Mann nicht an. „Onkel" — Theodor hatte den Cousin seines Vaters von Jugend an so genannt — „ich habe eine Bitte an Dich. ... Du hast meine Werbung um Cousine Therese zurückgewiesen, trotzdem ich Dir versicherte, daß Therese mir dies gestattete, Tante Pauline meinen Schritt billigte. Ich war von dem unerwarteten Mißerfolge so überrascht, erschreckt, beschämt, niedergeschmettert, daß ich wortlos aus Deinem Zimmer schritt. Wir, Therese und ich, haben die Tante gebeten, für uns das Wort bei Dir zu führen. Wir hatten gehofft, daß es der guten, klugen Tante, die ja auch über die Zukunft ihres Kindes mitzuentscheiden hat, gelingen würde, Dich unseren Wünschen günstig zu stimmen; — nun aber hat uns Tante Pauline berichtet, daß auch ihre Intervention fruchtlos geblieben und uns gesagt, wir müßten uns in das Unvermeidliche fügen. Onkel! warhaftig, das ist leichter gesagt, als gethan!" — es zuckte schmerzlich um seine Lippen. „Es

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