Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 97 (11.12.1890)
- Date
- 1890-12-11
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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1744 kender weltgeschichtlicher Ursachen. Vielmehr waren und sind alle äußeren Bedingungen seinem Werden als Volk entzogen, und es fehlt ihm jede materielle Unterlage, aus welcher sonst eine Volkscrscheinung erwächst. Das „Volk" Israel ist nichts als ein weltgeschichtliches Schöpfer'„Werde!" Gottes. Verscherzt Israel den Beruf, für welchen Gott ihm ein Volks-Dasein schuf, so hat Gott ihm nur Sein Angesicht, Seine besondere Führung zu entziehen, und es geht von selbst Ln Mitte aller friedlich ihm entgegenwirkenden weltgeschichtlichen Elemente zu Grunde. Nicht sein Untergang, seine Existenz und Fortexistenz sind das geschichtliche Gotteswunder." — — — „Alle die Jahre bleibender Verödung (Palästina's) werden als ebensoviele Bodensabbate der Jubel- und Schebiithinstitution begriffen. Die von uns nicht gehaltenen Bodensabbate stehen als eine Schuld da, die ihrer Befriedigung harrt. Diese Schuld wird abgetragen durch die Verödung des Landes während unseres Exils. Das Land freut sich seiner Sabbat-Oede während unseres Exils und gewährt damit den von uns vernachlässigten Bodensabbaten Befriedigung. In der That, wie und bzv die weithin unter die Völker leuchtenden großen, nationalen Bekenntnitzthaten der Gotteshuldigung im Staate sein sollten, so ist die von Gott angekündigte, von Gott verhängte, von Gott vollzogene, und alle die Jahrhunderte unseres Exils hindurch bis auf den heutigen Tag erhaltene Verödung des Bodens des heiligen Landes das große Ausrufungszeichen in dem Gottesbuche der Geschichte, daß Gottes die Erde sei und Er die Erfüllung Seines Gesetzes auf Erden erwartet." So begreift sich das mit Nebukadnezar anhebende und mit Titus zum ganzen Vollzüge gebrachte Galuth-Geschtck Israels als das längst angeküudigte Erziehnngswerk der göttlichen Waltung. In jeder Phase dieser langen, langen, düstern Galnth-Nacht offenbart sich Gottes allmächtige Lenkung, offenbart sich aber auch Gottes Liebe und Barmherzigkeit. Israel, das „Gottesvolk", der Depositär der Lehre und des Gesetzes Gottes, der Verkünder des Gottesreichs, der Herold des endlichen Menschheits-Frühlings, der Wiederkehr des irdischen Eden, zieht sicher seine Bahn. Wohin es seinen Fuß setzt, wo auch immer es ihm vergönnt ist, sein Zelt aufzuschlagen — ob zu kurzer Rast oder zu langer Dauer, wie der Wille der Gewaltigen auf Erden es gestattet — weiß es sich geborgen unter dem Fittig der Gotteswaltung. Der der „Gottesuähe" ist es sich bewußt. Alle Leiden und Schrecknisse, welche eine übermüthige, Gott höhnende Gewalt über es verhängen, können die Zuversicht in die göttliche Verheißung nicht erschüttern, die ihm die unverwüstliche Dauer seiner Existenz garantirt, nicht erschüttern die Zuversicht in die Ewigkeit des ihm gewordenen Priesterberufs für die Menschheit: DTIDND DfT3’N pJQ Dffi’rD NM DJ) .nriN »nna "isr6 on^ „Selbst so sie im Lande ihrer Feinde sind, habe Ich sie damit nicht verachtet und nicht verworfen, sie zu vernichten, Meinen Bund mit ihnen aufzuheben." Mag das yp, das Endziel, das d'ö'Pi nnriN, Ziel, dem die Geschichte der Menschheit nach dem Plane Gottes entgegenstrebt, uns in noch so weiter Ferne erscheinen, so fern, daß das von dem Lichte der göttlichen Offenbarung nicht erhellte Menschenauge keine Spur davon zu entdecken vermag. Israel harret doch sein, harret doch des Morgens zuversichtlich entgegen, der ihm Erlösung bringt, und Erlösung der Menschheit von der Herrschaft einer schrankenlosen Gewalt, die Gottes ewigem Gesetze des Rechts und der Liebe Hohn spricht; — — 'n w 'v, denn Ich, 'n, der Schöpfer und Lenker des Weltalls und der Menschengeschichte, bin und bleibe zu allen Zeiten, ihr Gott, Hort der Schwachen und Mißhandelten, Richter der Uebermüthigen und Gewaltthätigen. (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Mainz, 9. Dezember. In seinem Bülletin vom November spricht sich auch das Ceutralcomite der „All. Jsr. Univ." gegen das Project des Memeler Comittzs welches Gelder -für die Auswanderung russischer Glaubensgenossen nach Amerika sammelt, aus. In eindringlichen Worten wird vor übereilten Schritten gewarnt, welche die schlimmsten Folgen haben könnten. Die „Alliance" prüfe fortwährend diese Frage und werde thunlichst und schleunigst das Beste für die russische Juden in Ausführung zu bringen sich bemühen; bis dahin möge man derartige Sammlungen einstellen. Berlin, 30. November. Der Rabbiner der B'ne Brith-Gemeinde, Herr Dr. Kroner, hat am gestrigen Sabbat sein 25jähriges Amtsjnbiläum zugleich mit der silbernen Hochzeit gefeiert. Zu Ehren des Jubilars, welchem seitens der Gemeinde ein prächtiger Silberpokal überreicht wurde, war die Synagoge festlich geschmückt und ein Festgottesdienst veranstaltet. Herr Dr. Deutschländer, ein Freund und Amtsgenosse des Jubilars, hat in äußerst würdiger und beredter Weise die Verdienste des Jubilars gefeiert und auf das glückliche Verhältniß hingewiesen, welches zwischen der Gemeinde und dem Herrn Seelsorger herrscht.