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Der Israelit · 1890-12-08 · Heft 96 (8.12.1890) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 96 (8.12.1890)
Date
1890-12-08
Page
– (sequence 8)
Language
German
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1734 big machen, die zu den Besten und Redlichsten gezählt werden. Er hatte stets, auch einen lästigen, störenden Besucher mit Höflichkeit empfangen, behandelt, aber diesem — und wenn es der Vornehmste war — nie gesagt: es war mir ein Vergnügen. Philipp Speier hatte, wo er ein Urtheil aussprechen mußte, harten Tadel auch dann nicht unterdrückt, wenn dieser einem Hochgestellten galt. Philipp Speier hatte, so lange ihn seine Gattin kannte, Niemanden eine Gefälligkeit, die er erweisen konnte, abgeschlagen, er hatte, trotzdem er ein großes, ausgebreitetes Geschäft betrieb, nie einen Rechtsstreit gehabt, Differenzen zwischen ihm und seinen Geschäftsfreunden, die denn doch nicht immer zu vermeiden waren, wurden stets auf friedlichem, freundschaftlichen Wege ausgetragen; er hielt unverbrüchlich an dem Prinzipe fest: Lieber Unrecht erdulden, als ausüben! Pauline mußte erkennen, daß ihrem Gatten nichts ferner läge, als um einer geringfügigen Ursache oder gar einer Laune willen ihrem und ihres Kindes Wünschen entgegenzutreten, und auch — daß gewichtige Gründe seine Zunge bänden. „Philipp!" sprach Pauline endlich, „ich habe endlos großes Vertrauen zu Dir — ich will und muß Dir glauben; ich muß mich in das fügen, was Dir unabänderlich erscheint — aber, Du kluger Mann, ertheile mir einen Rath, in welcher Weise soll ich mit Therese sprechen? Das arme Kind harrt in hoffnungsvoller Spannung Deiner Entschließung. Therese erwartet mit Gewißheit, es werde mir gelingen, Deinen Widerstand zu bekämpfen. Wir haben unsere Kinder daran gewöhnt, wenn wir — selten genug — ihre bescheidenen Wünsche nicht erfüllen, Gründe für unsere Weigerung anzuführen. Womit könnte ich eine solche in diesem Falle begründen? Wär's nicht am Besten, ich wiese Therese an Dich?" „Nein!" rief Speier hastig, „Du, Pauline, kennst mich länger, genauer als meine Tochter, Dir genügt mein Wort — aber unser Kind; — im Schmerz getäuschter Hoffnung könnte es mich mit Thränen bestürmen, ich könnte schwach werden, Therese könnte mir mein Geheimniß entreißen; — wenn ich's entdeckte, ich könnte nicht eine Minute ruhig leben — ich könnte nicht ruhig sterben! — „Reg' Dich nicht auf, Philipp," sprach Pauline und strich ihm liebevoll mit der Hand über's Haar; „ich werde mit Theresen sprechen, sie setzt unbeschränktes Vertrauen in mich, ich werde mich, so gut ich es vermag, der schwierigen Aufgabe entledigen. Wenn ich ihr sagen werde, daß Du, der zärtlichste der Väter, nur ihr Bestes willst, daß Dein Entschluß ein unabänderlicher und es Dich tief schmerzen würde, wenn sie Deine guten Absichten verkennen würde, wird sie zu gut und zu stolz sein, Dich mit vergeblichen Bitten zu belästigen!" Pauline schritt aus dem Zimmer, an der Schwelle blieb sie stehen und sprach: „Daß Therese Dich nicht mehr ansprechen wird, dafür glaube ich einstehen zu können, allein Theodor, der seine ganze Hoffnung auf meine Fürsprache setzt und bloß aus diesem 'Grunde es nicht selbst versuchte, Dich umzustimmen, der wird gewiß noch einmal an Dich herantreten, Dich um den Grund der Abweisung befragen, er ist Dir zu großem Danke verpflichtet, aber er ist ja doch nicht Dein Kind — er wird stürmisch in Dich dringen!" „O!" erwiederte Speier, „dem werde ich mein Geheimniß ganz gewiß nicht enthüllen, ich werde ja nicht dem . . . .", er brach ab und wandte sich ab, um die jähe Röthe, die sein Gesicht überflog, zu verbergen, und erst nach einer Pause ergänzte er, „Fremden etwas entdecken, was ich vor meinen Nächsten, vor Weib und Kind verschweigen will!" (Fortsetzung folgt.) „J-raeltt- und „Jeschurun" erscheint wöchentlich zweimal, MontagS und DonnerftagS, jedesmal in mindesten» 3 Segen. Preis deS Jahrgangs für Deutschland und Oesterreich 12 Reichs-Mark, für'» Ausland 16 Reichs-Mark. Man abonnirt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — jsturch den Buchhandel zu beziehen bet E. F. Stetnarker, Leipzig. Rastplatz 16. — Inserate 25 Pfennige die dreigefpaltene Petitzeile oder deren Raum. — Oesterreichische Banknoten laut Cours. — Directe Francozusendung unter Areifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 8 fl. österr., für's Ausland 16 Reichs-Mark, an die Expedition franeo «lotsenden. Inhalt (Hauptblatt): Leitender Artikel: Chanucka. — Literarische Rundschau. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen : Deutschland: Berlin. Osnabrück. Kronach. — Oesterr.-Ungar. Monarchie: Wien. — Rußland: Petersburg. — Belgien: Brüssel. — Algier: Bel-Abbes. — Vermischtes. — Feuilleton: Das Geschenk der Großtante. Inhalt der Beilage: Leitender Artikel: Zur Ausgleichung der socialen Gegensätze in Bibel und Talmud (Fortsetzung). Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Berlin. Frankfurt a. M. — Oesterr.-Ungar. Monarchie: Wien. Budapest. Schweiz: Basel. — Vermischtes. Verantwortliche Redaction: Oscar Lehmann in Mainz.—Expedition des „Israelit" u. „Jeschurun", Schottstr. Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'schen Hofbuchdruckerei-Actien-Gesellschaft in Mainz. Hierzu eine Beilage.

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