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Der Israelit · 1890-12-08 · Heft 96 (8.12.1890) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 96 (8.12.1890)
Date
1890-12-08
Page
– (sequence 7)
Language
German
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1783 -fc* vermischtes. *4- PariS. Herr Raphael Bischoffsheim har neuerlich der astronomischen Wissenschaft eine anerkennenswerthe Förderung zu Theil werden lassen. Als er vernahm, daß dem internationalen Comitö zur Aufnahme photographischer Himmelskarten die erforderlichen Summen fehlten, um die hiezu nöthigeu Apparate Herstellen zu lassen, sandte er unaufgefordert an den Präsidenten 10,000 Frcs. für diesen Zweck. — Rußland. Der ..Kaz. Birzewi Listok" hebt hervor, baß der diesjährige Jahrmarkt in „Nischny Nowogrod" (bekanntlich der größte in Europa) deshalb schlecht ausgefallen sei, weil die größeren jüdischen Kaufleute fehlten, da ihnen der Aufenthalt daselbst erschwert wurde. Feuilleton. I>as Geschenk der Großtante. Erzählung von S. Kohu, Verfasser von „Gabriel." Jeder unbefugte Nachdruck wird mit aller Strenge verfolgt werden. Uebersetzungsrechte Vorbehalten. (Fortsetzung.) Frau Pauline schüttelte unwillig das Haupt. „Ich begreife nicht, wetzhalb Du etwas erzählst, was mir so gut wie Dir bekannt ist. . . . Das ist wahrhaftig kaum lobeswerth, da haben wir nur unsere Pflicht erfüllt. Theodor's Vater war Dein bester Freund, unser Cousin, seine würdige Mutter unsere Tantel" „Das Alles, was Du sagst, will ich nicht bestreiten; allein, daß Theodor's Vater mein Freund, unser Verwandter war, daß Du ihn verschmähst und mich borgezogeu, das Alles kann ja kein Grund sein, ihm unsere einzige Tochter zur Frau zu geben!" „Ich spreche für Theodor nicht allein deßhaib, weil er Jakob Perlberg'S Sohn, sondern weil er ein edler, tüchtiger Mensch ist, weil er unser Kind liebt und Therese ihn wieder liebt, weil ich das Glück meines Kindes will — ich führe Gründe für weine Wünsche an, Du aber, Philipp, vermagst für das hartnäckige Verweigern Deiner Einwilligung keinen vernünftigen Grund anzuführen." „Ich habe mehrere Gründe", replicirte Speicr erst nach längerer Pause, unsicher, halblaut. — „Jakob Perlberg war sowohl Dein als mein Geschwisterkind, Therese ist daher mit Theodor — sogar doppelt — im sechsten Grade verwandt. Nun wird aber von hervorragenden Autoritäten behauptet, Ehen unter Blutsverwandten wären nicht zu empfehlen, es emsprängen solchen Ehen zuweilen taubstumme oder blödsinnige Kinder." Pauline wurde vor Zorn feuerroth und ries: „Du wirst mir doch nicht zumuthen, zu glauben, diese entfernte Verwandtschaft wäre ein Motiv für Dich, Deine Einwilligungen versagen?! Wir Beide sind ja um zwei Grade näher verwandt, wir sind Geschwisterkinder; — und wir könnten froh sein und Gott danken, wenn unsere zukünftigen Enkel körperlich und geistig so herrliche Menschen würden, wie Therese und Joseph! — Das ist kein Grund, das ist nur ein Vorwand! Wenn es nicht bloße Laune ist und das kann ich doch nicht von Dir annehmen, dann hast Du einen Grund, den Du mir verheimlichen willst ... je länger ich's bedenke, desto zweifelloser, desto gewisser wird mir das. .... Ich batte nicht geglaubt," fuhr Pauline mit tiefer Bewegung fort, „daß es zwischen uns ein Geheimniß geben könnte, daß Du mir etwas zu verheimlichen hättest. . . . Philipp, das habe ich nicht um Dich verdient!" Thränen stiegen in ihren Augen auf, sie erhob sich und wollte das Zimmer verlassen. Speier hielt sie zurück und sprach: „Pauline, Du bist klug, Du liesest in meiner Seele wie in einem aufgcschlagenen Buche! Du weißt es, ich kann nicht lügen, Lüge und Unredlichkeit sind mir in tiefster Seele verhaßt — und so fällt mir es auch endlos schwer, Dir die Wahrheit zu verheimlichen, auch da, wo Verschweigen Pflicht ist. Panline, Du kennst mich ja, Du weißt es, ich bin ein treuer Gatte, ein zärtlicher Vater, — habe ich je Dir oder unseren Kindern Grund zur Klage gegeben? Du weißt es, Euer Wohl steht mir höher, als mein eigenes. . . . Kannst Du glauben, daß ich ohne Grund, aus Eigensinn, aus Laune, dem Wunsche unseres Kindes, Deinem Wunsche entgegentretew würde?" Speier's Wangen feuchteten sich, seine Stimme bebte, er faltete bittend die Hände. — „Pauline, ich habe Dir nie Veranlassung zu Mißtrauen gegeben, sei gütig gegen mich, vertrau' mir! . . . . Es schmerzt mich tief, viel tiefer als ich's auszudrücken vermag, aber ich kann und werde nie meine Einwilligung zu einer Ehe unseres Kindes mit Theodor Perlberg ertheilen — und was mir noch weher thut — ich kann Dir nicht sagen weßhalb! Wär's mein Geheimniß, ich würde Dir's offenbaren, aber es ist ein fremdes, das außer mir kein lebender Mensch kennt, das mit mir in's Grab sinken wird!" Pauline blickte tiefbekümmert und verwundert in das bleiche, verstörte Antlitz ihres Gatten. Sie lieble, sie verehrte ihn, er war ihr der Erste, der Beste, der Höchste auf dieser Erde! Sie hatte während ihres langen Zusammenlebens mit ihm nicht den geringsten Fehler, wie sie glaubte, nicht die kleinste Schwäche an ihm zu erspähen vermocht! Er hatte, so lange sie ihn kannte, nie eine Unwahrheit, nicht einmal eine jener conventioncllen Lügen ausgesprochen, deren sich so häufig auch solche schul-

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