Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 96 (8.12.1890)
- Date
- 1890-12-08
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Irregeleiteten, Verführten und Verzagten gegenüber. Die Treue und Begeisterung dieser Einzelnen aber rettete das Heiligthum und führte Israel zu seiner Pflicht zurück. py na »nonn ’jn „Jubele und freuedich, Tochter ZionS", lautet das Gotteswort, „denn siehe, Ich komme und wohne in Deiner Mitte, spricht Gott. An jenem längst verheißenen Tage, wnn ava, werden sich viele Völker Dir anschließen in der Huldigung Gottes, und sie werden Mir zum Volke werden. In Deiner Mitte throne ich und dann wirst Du erkennen, daß nixiw 'n mich zu Dir gesendet." Also das Gotteswort durch Secharja an den kleinen Rest der aus dem babylonischen Exil sich wieder in dem heiligen Lande Sammelnden. Und dem Führer, dem Hohenpriester Jehoschua, ward die Mahnung: w yo» „Höre es doch, Jehoschua, hoher Priester, Du und Deine Genossen, die vor Dir sitzen, Männer des Gotteswunders sind sie: Denn wie die Pflanze, so bringe Ich Meinen Diener." Aus winzigem Keime, in der Erde dunklen Schooß gesenkt, erblüht der himmelanstrcbende, weithin seine Aeste ausbreiiende mächtige Baum. Unter Sturmes Dräuen, unter Schnee und Eis, bringt der Keim, dem Menschenaugen verborgen, seine Säfte zur Reife. Also der von Gott in den Schooß der Menschheit gesenkte Keim der jüdischen Wahrheit. pxn njn n. Einen Baustein vermag des Einzelnen, der Wenigen Kraft zum großen Weltenbau zu fügen. Aber auf diesen Einen Stein ist die besondere stete Vorsehung und Wallung Gottes gerichtet. Gott führt den Bau zur Vollendung, an dem von treuer, reiner Menschenhand gearbeitet wird; Tina dn »a naa nVi ^na t*h „Nicht durch äußere Macht, nicht durch Menschenkrast, sondern durch Meinen Geist, — so lautet die Verheißung Gottes, der nwa» 'n ist, in dessen Dienste alle Kräfte stärken, alle Welten kreisen, in dessen Dienst auch die reine Menscheuthat steht, wie schwach -und gering, des göttlichen Segens aber gewiß zu jeder Zeit. Literarische Htundschau. 8. Den Unterricht in jder jüdischen Geschichte und Literatur anschaulicher und damit fruchtbringender und intensiver zu machen, bezweckt das von Moritz Spanier herausgegebene „Quelleubuch für den Unterricht in jüdischer Geschichte und Literatur." (Frankfurt a. M. 1890, I. Kauf fmaun). Der T'tel „Quellenbuch" scheint uns nun allerdings in Hinblick auf die wenigen Verfasser, die hier mit nur Wenigem zu Worte kommen, etwas zu anspruchsvoll; der Verf. hätte es bei dem Namen sollen bewenden lassen, den er seiner Schrift in der Vorrede, nämlich „Lesebuch", gibt; unter einem Quellenbuch stellt man sich doch etwas anderes vor. Damit soll aber kein absprechendes Urtheil über die Nützlichkeit des Buches gegeben werden; wir stehen nicht an, es da zu empfehlen, wo eine beschränkte Unterrichtszeit, die Möglichkeit die Schüler an die Quellen in der Ursprache selbst hinanzusühren, verbietet. Es ist zwar sehr wenig, was die Schüler hier über dieMischua, den Talmud, Rasch! erfahren, deren Bekanntschaft sie zudem noch in einer Uebersetzung machen, aber immerhin bekommen sie eine Ahnung von der Art und Weise dieser Schriften. Für eine etwaige zweite Auflage möchten wir dem Verf. folgende Bemerkungen zur Berücksichtigung anheimgeben. Da, wenn dem Schüler Proben aus Autoren geliefert werden sollen, nur Musterstücke genommen werden dürfen, so hätte der S. 21 ff. aus Josephus entnommene Bericht über die Eroberung des Tempels nicht gewählt werden dürfen, der Abschnitt, in dem sich Josephus als liebedienerischer Höfling und Geschichtsfälscher so recht zeigt. Die jüdische Jugend darf erfahren, wie sich in Wirklichkeit Titus in Jerusalem benommen hat, und darf nicht noch gar durch einen jüdischen Schriftsteller in der Ueberzeugung bestärkt werden, daß auch die Juden Ursache hätten, ihn als „Wonne der Tage" zu preisen. Die Lüge von dem wider Titus' Willen in den Tempel geschlenderten Feuerbrand, ist ja längst widerlegt. — Wie Grätz' Einleitung zu seiner Geschichte der Juden (S. 40) unter die „Quellen" gerathen ist, ist uns unerfindlich. — Jbn Esra nur als Dichter anführen, ist der Bedeutung dieses Namens, dessen Größe und nachhaltige Wirkung auf dem Gebiete der Exegese und Grammatik sich bewährt, nicht entsprochen. — Süßkind von Trimberg gehört so wenig in ein Quellenbuch für jüdische Geschichte und Literatur, wie irgend ein Schriftsteller, der zufällig von Geburt Jude ist, dessen schriftstellerische Thätigkeit aber in gar keinem Zusammenhänge mit jüdischem Leben, jüdischen Interessen und Judenthum steht. Zudem ist uns von Süßkind von Trimberg so sehr wenig erhalten geblieben, daß schon dieser Umstand ihn in einem Buche keine Unterkunft hätte gewähren sollen, das sich genöthigt sieht, aus reichem Literatur-Nachlaß nur äußerst wenig mitzutheilen. Da sind denn doch noch andere, die hätten berücksichtigt werden sollen, wie z. B. Jbn Ganach (Vorrede), Albo u. s. w. — Der Auszug aus dem Sohar hätte ganz fortbleiben können; dem Schüler von diesem Werke eine Vorstellung zu vermitteln wird durch Auszüge aus demselben nie gelingen, am wenigsten ist aber die im vorlie-