Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 96 (8.12.1890)
- Date
- 1890-12-08
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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1728 Daß die Hasmonäer für das entweihte Heiligthum kämpften, für die Wiedererweckung des jüdischen Geistes in ihrem Volke zu den Waffen griffen und den Muth hatten, gegen die Zeitströmung, welche die jüdische Jugend dem Judenthum immer mehr zu entfremden und sie ganz in der Huldigung griechischer Eultur und Bildung aufzugehen zu lassen drohte, mit aller Energie aufzutreten, das hat ihnen das dankbare Gedächtniß ihres Volkes gesichert. Wenn es Gott für die wunderbare Errettung des Heiligthums dankt und preist, so gedenket es auch des edlen Geschlechts, das durch seine Begeisterung für die ewige Wahrheit des Beistandes Gottes würdig war. Wenn auch Alle von Gottes Gesetz abfallen und dem Griechenthum huldigen, ich, meine Söhne und Brüder bleiben Gott treu und Seinem Gesetze, sprach der ehrwürdige Mattathia, der mit dem Weckrufe: „Wer für Gottes Gesetz einstehen und in Treue zum Gottes-Bunde halten will, der folge mir", das Volk aus den Banden der Versuchung und Verirrung zu befreien suchte. Mattathia's erster Schwertstreich galt nicht dem syrischen Zwingherrn, sondern einem Volksgenossen, der dem Zeus zu opfern sich anschickte. Was war es denn, das die Erhebung der Hasmonäer veranlaßte? Die Entartung der Angesehenen und Groben hatte dahin geführt, daß mit Hilfe der königlichen Macht das alte Judenthum der gänzlichen Vernichtung anhetmfallen und der griechischen Bildung und dem griechischen Eultus weichen sollte. Todesstrafe wurde angedroht für die Vornahme der Mila, für die Heiligung des Sabbats und der Festtage, für das Studium der Thora, und Zwang wurde angewendet, um die Renitenten zur Verehrung der griechischen Götter, zum Genuß unerlaubter Speisen, zur Entweihung des Sabbats zu nöthigen. Diese dem Judenthum auf Veranlassung seiner entarteten Söhne bereitete Verfolgung und die dadurch drohende Gefährdung entflammte den heiligen Eifer, für die Treue gegen das Gottesgesetz und die gewissenhafte Beobachtung aller seiner Vorschriften. »«e Was ist uns Chanucka, was hat es uns zu bringen? O, es war vielleicht keine Zeit, welcher es also noth thut, den echten, wahren Ehanucka-Geist zu pflegen und sich mit der Begeisterung der Hasmonäer für den Ernst des jüdischen Pflichtbewußtseins zu durchdringen, wie die unsrige. Wie in den Tagen Mattathia's und seiner ihres großen Vaters würdigen Söhne, sind auch unter uns Männer aufgestanden, welche den Abfall und Verrath predigen, Männer, die, wie Jason und Menelaus, die besondere Aufgabe haben sollten, des Heiligthums zu warten und als Vorbild der Treue und hingebenden Begeisterung ihren Genossen voranzuleuchten. Wie in jenen Tagen haben sich auch heute ganze Kreise blenden lassen von dem falben Schimmer einer gleißnerischen Aufklärung und Bildung und in dem Wahne, durch Preisgebung der jüdischen Wahrheit sich Anerkennung zu verschaffen und Ruhm zu gewinnen. Wie in jenen Tagen haben auch heute sehr Viele nur Verachtung für das alte Heiligthum des Gesetzes Gottes und wandeln in anderen Bahnen, als dieses ihnen vorgezeichnet, und streben nach anderen Idealen, als nach dem hohen, einzigen Ideale, das in der Verwirklichung der jüdischen Pflicht gipfelt. Und wie in jenen Tagen herrscht in den treugebliebenen Kreisen vielfach Verzagtheit und Kleinmuth, so daß nur Wenige auf die Hochwarte des Heiligthums hinauszutreten wagen, um unter dem Banner des ganzen, ungeschmälerten und unverfälschten Judenthums die Brüder zur vollen Pflichterfüllung, zur alten Treue, zur alten Gewissenhaftigkeit zu einen. in'2i w'x 11 lautet die Chanuka-Pflicht. Nicht nur in dem Gotteshause, nicht nur in dem Gemeindelebcn, in jeglichem jüdischen Hause soll das Gotleslicht des jüdischen Pflichtbewußtseins eine Stätte finden, eine jegliche Hütte, ein jeglicher Palast soll zu einem Tempel des reinen Hasmonäer-Geistes sich umwaudeln. -inxi nnx ii, und in dem Hause soll keine Seele sein, welche nicht von ihm durchdrungen ist. In jedem jüdischen Kinde soll ein Priester des Gottcslichtcs erstehen, in jeder jüdischen Brust soll die Begeisterung für das jüdische Pflichtleben geweckt werden. Wie vereinzelt auch immer der wahre Jude mit seiner Hingebung und Treue in seiner nächsten Umgebung sich fühlen möge, wie gering auch die Gesammtzahl der Treugebliebenen gegen die Majorität der Abgefallenen und Irrenden erscheinen möge, das roun dj, das Wunder des Chanuackfestes, kann sich zu jeglicher Zeit, an jeglichem Orte vollziehen, so die Begeisterung deS Einen nur echt und wahr, so nur die Treue der Minorität unerschütterlich ist. Dem Einen reinen Lichte, von reiner Gesinnung und That gepflegt, wird der Segen Gottes zu Theil. Es strömt weit hinaus über den engen Kreis und entzündet auch dort aufs Neue die Begeisterung für das Heiligthum. Mattathia und seine Söhne waren mit ihrer Treue und.Begeisterung auch nur die Einzelnen und standen der ungeheuren Mehrzahl der Verräther,