Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 96 (8.12.1890)
- Date
- 1890-12-08
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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XXXI. Jahrgang. M 96. IsraelitZeschurun. Zrttslhüfl W FHrdems jSd. ©Elftes M W. f ebens lll AM. Gewriibk m Ktziik. Gentrat-Hrgan für das orthodoLe Audenthum. Begründet von Dr. Lehmann in Mainz. Montag, den 8. DezembeHkSI (18««). Leitender Artikel. Von Isaak Hirsch. .",1P2P vi nw bv ,roun ’mö. *) Was ist Chanucka? Welche hervorragende Begebenheit, die Zeugniß von der Allmacht Gottes ablegt, ist die Veranlassung seiner Einfügung in den Festcyclus? — Als die Gräco-Syrer in das Gottesheiligthum auf Zion eindrangen, hatten sie all das daselbst befindliche Oel zum heiligen Gebrauche untauglich gemacht, so daß die Hasmonäer, nachdem sie die Syrer besiegt, nur noch ein Krüglein vorfanden, das mit dem Siegel des Hohenpriesters versehen war, dessen Inhalt aber nur für einen Tag ausreichte. Da that sich an diesem Oel das Wunder kund, daß man damit den heiligen Leuchter acht Tage lang versorgen konnte. Darum wurden im folgenden Jahr diese acht Tage, welche mit dem fünfundzwanzigsten Kislew anheben, zu Feiertagen bestimmt, die durch Preis und Dank zu begehen sind. Mehr als zweitausend Jahre sind seitdem verflossen. Die heilige Stätte, an welcher dieses Wunder sich ereignete, liegt längst in Trümmer, und der jüdische Stamm ist weithin zerstreut über den ganzen Erdball. Aber überall, wo eine jüdische Hütte steht, in welcher noch nicht aller jüdischer Geist erloschen, flammen die Chanucka-Lichter acht Tage lang und verkünden das Di, das Gotteswunder, welches als hoch über die Jahrtausende weithin leuchtendes Zeichen der Menschheit die allmächtig waltende Lenkung Gottes predigt. Freilich weiß eine, Gottes Allmacht in der Geschichte leugnende, Wissenschaft, die sich als die historische par excellence gerirt, nichts von diesem Di zu berichten, freilich gibt es Prediger und Rabbiner, die am Sabbat-Chanucka in ihrer Festrede die Gemeinde von der „Chanucka-Sage" unterhalten und damit dieses Di, das den hohen Männern des großen Synhedrton so bedeutsam erschien, daß sie ihrem Volke das Chanuckafest stifteten, in das Reich der Mythe, der ungeschichtlichen Sage verweisen, welche wohl der „naive" — so bezeichnet der zeitgenössische Hochmuthsteufel die Ueberzeugungstreue der Väter — Sinn vergangener Geschlechter für Wahrheit und Wirklichkeit halten konnte, für die aber sie nur ein mitleidiges Lächeln haben. Und sie nennen dieses Chanucka-Fest mit besonderer Vorliebe „Makkabäer-Fest" und gefallen sich gern in dem Bewußtsein, Abkömmlinge des edlen Stammes zu sein, welcher die heldenmüthigen Makkabäer gezeugt hat: Mattathia, den Heldengreis, Juda Makkabi, den großen Feldherrn, Simon, den weisen Führer. Und sie wissen zu erzählen von den Siegen der jüdischen Mannen bei Bethoron, Emmaus und Betsur; und sie feiern die Tapferkeit und Standhaftigkeit, die Todesverachtung und den Heldenmuth und die Kriegsgewandtheit der Hasmonäer und Makkabäer und ihrer Heere. Es thut ihnen wohl, der mächtigen ihnen feindlichen Zeitstromung gegenüber, die sich die antisemitische nennt, auf diese glorreiche Zeit der Makkabäer-Siege hinzublicken, welche den herrlichsten Kriegsthaten der Geschichte sich ebenbürtig anreihen. Ist aber dieses der Geist des Chanucka-Festes? Chunucka, „Weihe" ist sein Name, Weihe des Lebens für das Gesetz Gottes. Nicht dem siegreichen Schwerte gilt die Feier und nicht der Verherrlichung des Makkbäer Ruhms, nicht der mächtigen Erhebung des jüdischen Volkes, das sich der Fremdherrschaft entledigte, um seine Selbstständigkeit zu erlangen. Im Munde der jüdischen Helden war es keine leere Floskel, wenn sie Gott allein den Sieg zufchrieben, und dem jüdischen Volke ist es während der vergangenen zwei Jahrtausende mit der Chanucka-Feier heiliger Ernst gewesen, wenn bei dem Scheine der Chanucka-Lichter das Bekenntniß abgelegt worden: )bbr\ nrnn, daß diese Lichter das Merk- und Bekenntniß-Symbol sein sollen für die wunderbare Rettung, die Gott durch die Hasmonäer unseren Vätern hat zu Theil werden lassen. ") Sabbat, 21.