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Der Israelit · 1890-12-04 · Heft 95 (4.12.1890) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 95 (4.12.1890)
Date
1890-12-04
Page
– (sequence 11)
Language
German
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1718 Politik, welche zugleich unchrisilich und unmenschlich sei. Er forderte seine Zuhörer auf, den Juden in einigen ihrer besten Eigenschaften nachzueifern, statt sich zu erniedrigen, indem sie dieselben beleidigen. „Wenn Ihr," rief er aus, „fleißig, mäßig und geduldig wie die Juden zu sein Euch bestrebt, werdet Ihr nicht mehr Ursache haben, über Stockung des Handels und darüber zu klagen, daß die englischen und deutschen Konkurrenten Ener Geld erhalten." Für solche Keckheit wird die Strafe nicht ausbleiben und in Odessa soll man sich auch schon darauf gefaßt machen, eines Tages zu hören, daß der Pope Remirow verschwunden sei. Italien. Rom, 24. November. Bei den gestrigen Parlamentswahlen in Italien ging als Vertreter der Stadt Rom auch Herr Barzilai (*Vna), Mitarbeiter der radicalen „Tribuna" hier, als Sieger aus der Wahlurne hervor. Wir Lheilen zwar nicht die politischen Ansichten des Herrn Barzilai — derselbe wurde seiner politischen Umtriebe wegen, ans seiner Vaterstadt Triest verbannt und lebt er jetzt hier als Flüchtling und schürt und hetzt dabei fortwährend gegen Oesterreich, trotzdem dasselbe heute mit Italien eng alliirt ist — aber dennoch hat uns seine Wahl gefreut, da mit derselben die stolze Roma, die ehemalige Residenzstadt der Cäsaren, deren Legionen unseren heiligen Tempel zerstört und uns aus unserem Heimathlande vertrieben haben, im Parlamente nun durch einen Juden vertreten sein soll. Ach, wenn dies die drei Cäsaren Titus (pienri dwd), Nero, ("M'p und Hadrian (D'^mn) erführen! Die würden sich dann gewiß im Grabe umdrehen. Herr Barzilai ist ein Neffe des Notars der jüd. Gemeinde in Triest, Dr. Barzilai, der als Bibelforscher und jüd. Etymolog sich eines bedeutenden Rufes erfreut. Wie der päpstliche „Osservatore Romano" meldet, leben noch heute in den Bergen der Insel Sardinien Abkömmlinge jener 80,000 Juden, die Kaiser Vespasian (duwddcn) nach der Zerstörung Jerusalems nach dieser Insel verbannt hat, damit sie dort den Bergbau betreiben sollen. An den Vätern ging die Weissagung Moses canx rtor. D’ua omaxi oa’a’iN px „Ihr werdet Euch unter den Völkern verlieren und das Land Euerer Feinde wird Euch verspeiseu", wörtlich in Erfüllung, denn sie gehörten schon unter Karl dem Großen gänzlich dem christlichen Glauben an, den ihnen Glaubensboten aus Rom gepredigt hatten. Zu ihrer Ehre sei es jedoch hier sogleich konstatirt, daß sie nur gezwungen den Glauben ihrer Väter abgeschworen hatten. Deren Abkömmlinge bewahren aber noch heute zahlreiche Erinnerungen an den ehemaligen Glauben ihrer Väter. So geben sie noch heute ihren Kindern jüdische Namen und beobachten noch hie und da manche jüdische Ceremonie. Sie sprechen noch heute einen lateinischen Dialekt und nennen den Monat Septeniber gewöhnlich: capitanni lateinisch: caput anni) d. h. Jahresanfang, weil in diesen Monat bekanntlich gewöhnlich der jüdische Neujahrstag (nwn rx-i) fällt. Holland. Amsterdam. Eine Interpellation über Antisemitismus wurde im holländischen Parlament von Herrn A. C. Wertheim von hier, einem angesehenen jüdischen Bankier und Philantropen, an die Regierung gerichtet und betraf die Unruhen, welche während des Sommers in Paramaribo (Holländisch Westindien) stattfanden. Herr Wertheim sprach wohl den Gouverneur von der Beschuldigung des Antisemitismus frei, drückte jedoch die Meinung aus, daß seine offene Unterstützung des „Volksbode", eines Blattes mit antisemitischen Tendenzen, mit seiner öffentlichen Stellung unvereinbar gewesen sei. Der Minister für die Kolonien, Baron Mackay, vertheidigte den Gouverneur, welcher persönlich sich bei den von Herrn Wertheim berührten Unruhen ins Mittel gelegt hatte, und erinnerte daran, daß der Oberrabbiner von Amsterdam nach Weftinden ein Schreiben gerichtet habe, in welchem er den in mehreren heimischen Blättern erhobenen. Beschuldigungen gegen den Gouverneur entgegentrat. England. London, 24. November. Heute fand die Beerdigung der am 19. d. in ihrem Schlöffe, Dalmenh Castle (im Schottland) im jugendlichen Alter von 39 Jahren nach längerem Leiden verstorbenen Lady Rosebery, Tochter des sel. Barons Meyer Amschel v. Rothschild, in einer dem hohen Range der Familie entsprechenden Weise statt. Der königl. Hofmarschall Sir Henry Ponsonly kam von Windsor zur Beerdigungsfeier, die nach dem Wunsche der Dahingeschiedenen nach orthodox jüdischem Ritus vorgenommen werden mußte. Wie der Jewish Chronicle berichtet, soll Lady Rosebery den Schritt, sich ehelich mit einem Nichtjuden verbunden zu haben, bereuet und dies dem sel. Sir Moses Montefiore offen zugestanden haben. — Trotzdem sie ein glückliches Familienleben führte, so wurde sie oftmals von Gewissensbissen gepeinigt, was namentlich am Versöhnungstage, den sie genau nach Religionsvorschrift beobachtete, der Fall war. Die Dahingeschiedene war höchst wohlthätig und menschenfreundlich, besuchte und pflegte Kranke in den Spitälern und spendete bei vielen Gelegenheiten ansehnliche Summen an Synagogen und Wohlthätig-

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