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Der Israelit · 1890-12-04 · Heft 95 (4.12.1890) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 95 (4.12.1890)
Date
1890-12-04
Page
– (sequence 12)
Language
German
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1714 keitSanftalten, was von sämmtlichen Blättern rühmlichst anerkannt wird. Die fünf Damen, welche von Edinburg zur mrwa nach dem Schlosse der Gräfin reiften, fanden jüdische Gebetbücher und eine nn« im Schlafgemache derselben vor. Revd. Fürst, Prediger und Cantor zu Edinburg, begleitete den Leichnam hieher nach London und der.Sarg wurde zuerst mit einem Lorbeerenkranz, den die Königin sandte, geschmückt. Ihre Majestät schrieben eigenhändig auf der beigelegten Karte die Worte: A mark of sincere regard from Victoria R. J. Ein zweiter Kranz vom Prinzen und Prinzessin v. Wales trug die Inschrift: „A token of sincere friendship and regard from the Prince and Princess of Wales“. Aehnliche Inschriften befanden sich auf den zahlreichen, von anderen Hachadeligen gesandten Kränzen. — Der vierspännige Leichenwagen, dem drei königliche und 63 Privat-Gallawagen im Cortöge folgten, langte um 11 Uhr Vormittags am Willesden- Friedhöfe an. Das diplomatische Corps, worunter sich Mr. Gladftone, Sir Wm. Harcourt, Graf Herbert v. Bismarck, die Verwandten Lord Rothschild, Leopold und Baron Ferdinand v. Rothschild, sowie Baron Edmond v. Rothschild (Paris) und viele hohe Gesandte und Mitglieder des Parlaments, der Lord Major zc. befanden, versammelte sich in der Halle, woselbst der Cantor Revd. Spiro (Central-Synagoge, von der die Verblichene Mitglied war) die üblichen hebräischen Gebete vortrug, welche einen sichtlichen Eindruck an^ Lord Rosebery und dessen zwei Söhne hervorbrachten. Am Grabe angelangt, warfen Lord Rosebery und dessen Söhne nach jüdischem Brauch drei Schaufeln Erde auf den Sarg, alsdann ergriff Mr. Gladftone und nach ihm Lord Rothschild rc. die Schaufel, um das Grab mit Erde zu füllen. Nach der Halle zurückgekehrt, trug Revd. Mr. Fay, Prediger der Central-Synagoge (Dr. Adler wohnte der Bcerdigungsfeier nicht bei), das oyj vri hebräisch und englisch vor, worauf Lord Rothschild und seine Brüder vnp sagten. — Die jüdischen Gebete machten einen tiefen Eindruck auf die hohen Anwesenden und Mr. Gladftone nahm ein D*nn ncD mit nach Hause. — Mittwoch Morgens erhielt Mr. Van Ryn, der Oberaufseher des jüdischen Friedhofes einen Brief, vom Hofmarschall der Königin (General Ponsonbh), worin er denselben ersuchte, Ihrer Majestät ein Exemplar des D*nn ibd nach dem Schloß Windsor zu senden. Portsea, 1. Dezember. Wie mir aus glaubwürdigster Quelle zugeht, sind nun alle Schwierigkeiten betreffs Besetzung der vakanten Oberrabbinerstelle im britischen Reiche, mit dem Sitze in London, gänzlich beseitigt. Herr Rabbiner Dr. Hermann Adler '"i, Sohn des verewigten Herrn Oberrabbiner Dr. Nathan Adler i>"m, welcher letzteren durch 10 Jahre so würdevoll und erfolgreich vertreten hat, ist sicher als der Nachfolger desselben zu bezeichnen und dürfte die amtliche Ernennung in kürzester Frist erfolgen, sobald die Provinzial- Gemeinden im vereinigten Königreiche und in den Colonien die Wahl ratifizirt haben werden, was in keiner Weise zu bezweifeln ist. — Herr Dr. Adler wird ein Haus in der City und auch im West End London's haben, um allen Gemeinden in der Hauptstadt gleichweit zugänglich zu sein, und so allen Ansprüchen gerecht zu werden. — Er wird in der Ausübung seines Amtes mit all jener Macht und Autorität ausgerüstet wie sie sein seliger Vater "y: 'rai pnxn rmn besaß, in dessen Futztapfen der Sohn sicher wandeln und so das orthodoxe Judenthum mit der ihm eigenen Energie, Geschicklichkeit und Berufstreue aufrecht erhalten wird. Somit hat die nach dem Tode des verklärten Oberhirten viel besprochene Reformbewegung ihr Ende erreicht, und die Orthodoxie feiert b"n einen glänzenden Sieg. Das Rabbinat bleibt wie zuvor, und es ist zu hoffen, selbst mit erhöhter und ausgebreiteter Würde, und das Judenthum wird in England in seiner heiligen uud unverfälschten Form fortbestehen. d^jj -ijj rmQ' vb). Ich erlaube mir noch zu bemerken, daß bet der am 10. k. M. in der Guildhall in London abzuhaltendeu Versammlung zu Gunsten unserer in Rußland unterdrückten Glaubensbrüder der Herzog (Duke) von Weftminster die erste und Cardinal Manning die zweite Resolution beantragen wird. > Vermischtes. Berlin Ein Begebnis; auf dem Stadtbahnhof „Thiergarten" hat zu einer Privatklage gegen den Inspektor der großen Berliner Pferdeeisenbahngcsellschaft Brügge m a n n Veranlassung gegeben, welche kürzlich vor der 97. Abtheilung des hies. Schöffengerichts verhandelt wurde. Auf dem genannten Bahnhof waren eines Abends mehrere Herren jüdischen Glaubens mit dem Billeteur in Meinungsverschiedenheiten gerathen, welche auf eingereichte Beschwerde von der Vorgesetzten Behörde zu Ungunsten des Beamten entschieden worden sind. Als die Herren, unter denen sich ein praktischer Arzt befand, dem Beamten mit einer Beschwerde drohten, soll der Angeklagte Brüggemann vorgetreten sein und den Herren zngerufen haben: „Ihr frechen Juden, macht hier nicht solchen Radau." Diese Aeußenmg konnte durch die Beweisaufnahme mit Bestimmtheit nicht festgestellt werden, dagegen beschworen die Begleiter des Arztes, daß der Angeklagte diesen durch die Worte beleidigt habe: „Schmülchen, wenn Du nicht ruhig bist, giebt es etwas auf den . . Der Gerichtshof verurtheilte den Angeklagten zu 50 Mk. Geldbuße und sprach dem Beleidigten die Befugniß zu der Urtheilsveröffentlichung zu. Hamm, 14. November. Unser Glaubensgenosse Herr Dr. Litten ist zum Oberlandesgerichtsrath am hiesigen Landgericht ernannt worden.

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