Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 94 (1.12.1890)
- Date
- 1890-12-01
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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> Vermischtes. °4- Borek, 17. November. Am nnbin 'D rQttf verschied dahier nach langem Leiden Rabbi Jecheskel Bornstein im Alter von 81 Jahren. In ihm hat unsere Gemeinde eines ihrer würdigsten Mitglieder verloren. Ein rmn p und viel mit dem Studium der hl. Lehre beschäftigt, übte er ION HP’DJ und nplä in ausgedehntem Maße, dabei war er von tiefinniger Frömmigkeit. An seinem Leichenbegängnisse strömten die vielen Freunde aus der Umgegend, besonders aus der Nachbargemeinde Gostin, wo er früher gewohnt, herbei. Im Trauer- Hause gaben unser Rabbiner, Herr L abazynski, und auf dem Friedhofe Herr Rabbiner Dr. Bäck aus Lissa dem tiefen Schmerze ob des großen Verlustes gebührenden Ausdruck. n"3SMi7. A. I. El st er, Lehrer. Bremgarte« (Schweiz). Auf Anregung unseres Religionslehrers und CantorS, Herrn Heinrich Glaser, hat sich dahier ein Verein gebildet, in welchem allsabbatlich von genanntem Herrn ttflDim Dwn mw ,nna5n ni3in vorgetragen wird. Aetv-Dork. Die Zahl der hiesigen Synagogen wird auf über 50 geschätzt, worin noch nicht die temporären Betlokale miteingeschlossen sind, die nur während der hohen Feiertage benutzt werden. London, 12. October. In der Hammersmith- und West- Kensington-Synagoge sah man an den Festtagen ganz eigenartige Gäste. Eine Anzahl arabischer Juden, welche der Truppe des „Wild East" in der französischen Ausstellung Carls Court" angehören, wohnten in ihrer malerischen Kleidung dem Gottesdienste bei, und ihr Scheik Ibrahim Hassan wurde zur Thora aufgerufen. Amsterdam, 12. Oktober. Der gefeierte Jurist T. M. Ass er welcher auch die Stelle eines Anwaltes bei dem holländischen Ministerium des AeuHern bekleidet, wurde von der Regierung zum Vertreter Hollands bei der internationalen Eisenbahnconferenz zur Regelung des Gütertransportwesens, welche in Bern abgehalten werden wird, ernannt. Der Segen des Fremdlings. Erzählung von H. Berger. (Alle Rechte Vorbehalten.) (Schluß.) Das Zimmer war hell erleuchtet. In der Mitte stand eine reich gedeckte Tafel, Palmen und blühende Gewächse schmückten dieselbe. Man durchschritt dieses Zimmer und gelangte in das Wohnzimmer, woselbst mehrere Herren und Damen waren, die sich beim Eintritt des Hausherrn alle erhoben und sich ihm glückwünschend näherten. Der Fremde wäre sich selbst überlassen gewesen, wenn Rahel nicht herbeigekommen wäre. Sie war von wunderbarer Schönheit und von berückendem Liebreiz. „Das ist recht von Ihnen," sprach sie zu dem Fremden, „daß Sie heute Abend noch kamen. Großvater freut sich, je mehr Gäste er hat." „Dann habe ich es ja gut getroffen," sprach der Fremde; „doch ich kenne die Herrschaften nicht." „So kommen Sie, Sie sollen sie alle kennen lernen." Rahel stellte Herrn Gasbe den Gästen vor und dieser hatte bald Gelegenheit mit dem Professor N. ein Gespräch über Malerei anzuknüpfen. Professor N. gehörte zur alten Schule und er freute sich, in dem jungen Maler einen Gesinnungsgenossen gefunden zu haben, der, wie er selbst, sich mit der neuen Schule nicht befreunden konnte. Man unterhielt sich recht gemächlich. Gasbe sprach über seine Reisen und über seine Bilder und hatte bald ein aufmerksames Auditorium um sich versammelt. Auch Rahel hörte dem Fremden zu und ihre Augen glänzten, als er von der heiligen Stadt erzählte, die er vor fünf Jahren in Begleitung eines Freundes gesehen hatte. Bon hier hatte er die Idee zu einem neuen Bild mit nach Hause genommen. Dieses Bild war fertig bis auf eine Figur. „Wozu ich das Modell liefern sollte", scherzte der Hausherr, der bei den letzten Worten sich der Gruppe genähert hatte. „Pardon, mein Herr, Sie irren", versetzte der Fremde. „Mir fehlt noch ein Mädchenantlitz auf meinem Bilde —" „Sehe ich denn wie ein Mädchen aus?" fragte lachend der Hausherr. „Das wohl nicht," entgegnete der Fremde, „aber Frl. Rahel entspricht vollständig dem idealen Antlitz, welches meinem Bilde noch fehlt. Lassen Sie mich das Kind malen." „Nein," fuhr der Hausherr fort, „das kann ich Ihnen auch nicht gestatten. Uebrigens, was stellt Ihr Bild denn dar?" „Eine Episode aus meinem Aufenthalt in Jerusalem. Eines Tages ging ich in der Nähe der heiligen Mauer spazieren, um als Maler Studien zu machen. Die verschiedensten Physiognomien, die an dieser geweihten Stätte erscheinen, bieten uns Malern oft reichen Stoff. An jenem Tage waren wenige Personen da, die mein Interesse hätten erregen können. Ein mit zerfetztem Mantel bekleideter Mann, im Alter von vierzig Jahren, dem daS Haar in langen Strähnen wirr um den Kopf hing, kniete in inbrünstigem Gebet an der heil'gen Stätte. Er war so andächtig, daß er weder auf seine Umgebung achtete, noch auf die Zeit, die er schon im Gebete dort verbracht hatte. Endlich erhob er sich, schaute mit leuchtendem Blick um sich und wollte