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Der Israelit · 1890-12-01 · Heft 94 (1.12.1890) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 94 (1.12.1890)
Date
1890-12-01
Page
– (sequence 6)
Language
German
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1692 Ausnahme des Gesanges) in all’ den Lehrgegenständen Unterricht, welche für vollsinnige Kinder in den besseren jüdischen Elementarschulen vorgeschrieben sind. In den Freistunden werden sie zu einer geordneten, ihren Kräften angepassten Thätigkeit angehalten. Besonderer Werth soll auf die Bildung eines gediegenen Charakters und auf religiöse Erziehung gelegt werden. Ausgehend von dem Grundsätze, dass für den Taubstummen der Unterricht in der Religion nicht genügt, dass vielmehr die Erziehung zur Religion der Haupttheil der religiösen Aufgabe der Taubstummenbildung ist, wird Herr Driesen ernstlich bestrebt sein, seine Zöglinge nicht nur zu nützlichen Staatsbürgern, sondern auch zu treuen Anhängern unserer heil. Religion heranzubilden. Dass die Pflege des Körpers nicht vernachlässigt werden wird, sollte bei der heutigen Richtung der Pädagogik und bei dem Selbstinteresse der Anstalt kaum der Erwähnung bedürfen. Die äusserst günstige, gesunde Lage Tauberbischofsheims in einem der lieblichsten Theile des schönen Tauberthales, und die Möglichkeit, im hiesigen städtischen Badehause Moor-, Torf-, Stahl-, Sol- und andere Bäder zu erhalten, berechtigen zu der Hoffnung, dass der Gesundheitszustand des Instituts zu einem günstigen sich gestalten wird. — Mit diesem seinem Vorhaben hofft Herr Driesen die Bestrebungen des Vereins „Jedide Ilmim“, den ja auch die Erwägung der oben geschilderten Thatsachen ins Leben rief, in Süddeutschland thatkräftig zu unterstützen. Möge ihm dies gelingen! Oesterr.-Ungar. Monarchie. Wien, 27. Nov. Der Ehrenbeleidigungs- Prozeß des Antisemitenführers Dr. Lueger gegen den Eigenthümer der „Sonn- und Montagszeitung", Scharf, ergab im BewetSverfahren, daß Lueger als Liquidator deS Rudolfsheimer Vorschußvereins gute Aktiva im Betrage von 400,000 Gulden an eine Geldfirma um 12,000 Gulden verkauft und später als Vertreter eben dieser Firma die vorher verschleuderten Aktiven, worunter zahlreiche Forderungen an kleine Leute, sogar an Straßenkehrer um zehn Gulden, schonungslos eintrieb, wiewohl die Kreditanstalten zur Schonung armer Leute bedeutende Nachlaffe gewährten. Lueger sagte zu seiner Entlastung, er sei „nach seiner Information" vorgegangen, wenn ihm darüber auch „das Herz brach." Budapest, 18. November. Der 17jährige Hauslehrer einer jüdischen Familie in Kereßt, Namens Samuel Jucabowis, wurde auf der Gasse von dem Burschen Paul Dudas „Saujud" st.... der „Jud" rc. geschimpft. Der junge Lehrer gerieth darüber so in Wuth, daß er sein Messer aus der Tasche zog und es seinem Beleidiger in die Brust stieß, der dann wenige Stunden nachher seinen Geist aufgab. Der Attentäter hatte sich sogleich selbst dem Gerichte gestellt. Es ist daher sehr zu empfehlen, daß, wenn ein Jude von einem brutalen Antisemiten öffentlich beschimpft oder beleidigt wird, daß derselbe kaltes Blut bewahre: iui wonn „Ihr dürfet schon in Zorn gerathen, nur begehet kein Verbrechen!" Italien. Livorno. Seit Kurzem herrscht hier der schöne Brauch, daß nicht nur diplomirte Rabbiner, sondern auch Laien min ’Vya, die mit dem nöthigen hagadischen Wissen und der erforderlichen Rednergabe ausgerüstet sind, in den verschiedenen Synagogen als Kanzelredner auftreten, um ihre Glaubensbrüder zu ermahnen und zu belehren, nmr6 na "ips ynn nx d-6. So haben am vergangenen Versöhnungstage auch der Pädagoge Prof. Lattes und der Stiftsrabbiner Fano in Privatbethäusern gesprochen und ernteten sie auch großen Beifall. Da sich hier immer mehr und mehr Personen finden, die sich willig diesem Dienste der Belehrung hingeben, so wird bald hier ein Wunsch unseres großen Lehrers Moses in Erfüllung gehen: O'X'22 'n Dy bj rrm irr 'v. „O, käme es nur dahin, daß das ganze Volk Gottes aus Propheten bestünde." Der kürzlich hier verstorbene Guiseppe Disegni hat 2000 Lire testirt, damit davon die armen Zöglinge unserer Talmud-Thoraanstalten bekleidet werden sollen. Jeder dieser Zöglinge erhielt auch richtig zu den jüd. Feiertagen einen Rock und ein Paar Schuhe. Bekanntlich besteht außer in Rom auch hier ein Rabbiner-Seminar, das einige Zöglinge hat und unter der Aufsicht des hiesigen CultusvorstandeS steht. Auf Vorschlag des Advokaten Rignano hat nun die Leitung dieses Instituts beschlossen, daß in Zukunft Keiner mehr das Rabbiner-Diplom erhalten soll, der nicht alle Klaffen des Gymnasiums oder, wie man hier sagt, des Lyceums, absolvirt hat. England. London, 27. November. Im Unterhause theilte der Präsident des Handelsamtes mit, daß infolge der Landung von 105 mittellosen Juden in London der britische Konsul in Hamburg Auftrag erhalten habe, die Auswanderer vor der Reise hierher zu warnen.

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