Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 94 (1.12.1890)
- Date
- 1890-12-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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1691 begangen. — Vormittags 10 Uhr begaben sich Magistrat und Stadtverordnete in corpore in die Wohnung des Jubilars, um demselben im Namen der Stadt zu gratuliren und als Festgabe ein kostbares Blumen-Angebinde zu überreichen. Der Herr Bürgermeister gab hierbei dem friedlichen Einvernehmen der Confessionen, welches in unserer Stadt herrscht, Ausdruck, betonte, daß unser Jubilar durch das Wirken in seiner Gemeinde reichlich dazu beigetragen hat. Nach den städtischen Behörden erschien das Festcomite, bestehend aus Mitgliedern der jüdischen Gemeinde, um einen Chanuka-Leuchter als Ehrengeschenk, ferner eine künstlerisch ausgeführte Adresse, sowie eine namhafte Ehrengabe zu überreichen. In der Adresse wird unter Anderem bemerkt, daß die hiesige Gemeinde stolz darauf ist, von jeher ein Sitz talmudischer Wissenschaft gewesen zu sein, und daß der Name unseres Jubilars dem Namen jener großen Männer, welche auf diesem Gebiete hier so segensreich gewirkt haben, sich würdig anreiht. Auch die Schüler und Schülerinnen, welchen der Herr Rabbiner Religionsunterricht ertheilt, brachten ihrem verehrten Lehrer ein Geschenk dar. Nachmittags 3 Uhr fand in der in reichem Guirlandenschmuck prangenden Synagoge ein Festgottesdienst statt, bei welchem von Herrn Rabbiner Dr. Pick, Peyritz, dem Schwiegersohn des Jubilars, sowie von Herrn Rabbiner Braun, Schneidemühl, Ansprachen an den Gefeierten gerichtet wurden; die Festrede selbst wurde vom Jubilar gehalten. Der Eindruck dieser Feier war für alle Anwesenden ein erhebender; dieselbe gab auch von der allgemeinen Verehrung und Liebe, welche unser Herr Rabbiner in unsrer Gemeinde und Stadt, besitzt, ein beredtes Zeugniß. Ein Festmahl vereinigte noch bis spät Abends die Freunde und Verehrer des Jubilars; die Tischreden wurden eröffnet durch einen Toast des Oberstabsarztes Herrn Dr. Sachs auf Sr. Majestät den Kaiser; Glückwünsche und Telegramme liefen von nah und fern ein; ein Festgedicht, verfaßt von der Tochter des Jubilars, Frau Rabbiner B u t ten w i e ser, Straßburg, wurde verlesen. Wir wünschen dem Jubilar noch ferner Gesundheit des Körpers und Frische des Geistes, damit er noch recht lange in unserer Mitte seines Amtes walte zur Zierde unserer Gemeinde und zu Nutz und Frommen des Judenthums. Tauberbisehofsheim, (Baden) im Nov. Es ist leider eine bekannte Thatsache, dass vielen jüdischen Taubstummen die Wohlthat eines genügenden Schulunterrichts versagt ist, weil die Eltern dieser bedauernswerthen Kinder sich scheuen, sie einer christlichen Anstalt zur Erziehung zu übergeben. Diese Scheu ist nicht unbegründet. Die jüdischen Schüler christlicher Anstalten sind oft den muthwilligen Neckereien und dem Spotte ihrer Mitschüler ausgesetzt. Besucher von Taubstummenanstalten machen daher nicht selten die Wahrnehmung, dass die jüdischen Zöglinge weniger zutraulich sich zeigen, dass sie vielmehr ängstlich und zurückhaltend, wenn nicht gar trotzig und verbittert erscheinen. Wohlwollende Lehrer kämpfen vergeblich gegen diesen Missstand, von den gleichgiltigen und übelwollenden Herren ganz zu schweigen. Hierzu kommt weiter der Umstand, dass selbst die loyalsten Leiter von Taubstummenanstalten in Bezug auf Kost und Lehrplan auf ihre jüdischen Zöglinge keine Rücksicht nehmen können. In allen Internaten essen die jüdischen Taubstummen sie schreiben und arbeiten am in den meisten nehmen sie am Unterricht in der christlichen Religionslehre und selbst (wie es thatsächlich vorgekommen), an der Konfirmation und Kommunion Theil; in einigen wenigen wachsen sie ohne Religionsunterricht und ohne jede religiöse Uebung auf. Nur in drei Anstalten ist für den jüdischen Religionsunterricht in kaum genügender Weise Fürsorge getroffen, ohne dass hierdurch die geschilderten Uebelstände beseitigt werden konnten. Treten solche in Anstalten erzogene Kinder in das bürgerliche Leben ein, dann ist bei ihnen alles jüdische Denken und Fühlen verloren gegangen, sie selbst sind dem Judenthum und ihren eigenen Eltern, die schwere Opfer für ihre Erziehung gebracht — entfremdet. Ist es unter solch traurigen, aber thatsächlich vorhandenen Verhältnissen den jüdischen Eltern taubstummer Kinder zu verdenken, wenn sie eine Abneigung gegen christliche Anstalten hegen? Haben doch mehrere Leiter christlicher Taubstummenanstalten unumwunden eingestanden, dass sie es im Interesse der jüdischen Taubstummen für nothwendig erachten, dass dieselben in jüdischen Familien erzogen und von jüdischen Lehrern unterrichtet werden! Diese Thatsachen haben dem Lehrer Herrn Driesen dahier, der seit sechs Jahren in einer staatlichen Taubstummenanstalt unterrichtet und auf dem gesammten Gebiete der Taubstummenerziehung erprobte Erfahrungen sich erworben, den Gedanken nahegelegt, ein Privatinstitut für jüd. Taubstumme (Knaben und Mädchen) am hiesigen Platze zu errichten. Jüdische wie christliche Behörden haben durch Aufmunterung und Zusage von Förderung zur Verwirklichung dieser Idee beigetragen. Das Institut soll am 1. April k. J. eröffnet und unter Staatsaufsicht gestellt werden. In demselben erhalten die Zöglinge (mit