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Der Israelit · 1890-12-01 · Heft 94 (1.12.1890) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 94 (1.12.1890)
Date
1890-12-01
Page
– (sequence 4)
Language
German
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1690 stscher Juden noch vor Kurzem der Gegenstand einer genauen Prüfung gewesen ist, und daß sehr triftige Gründe gezeigt haben, daß es sehr gefährlich sein würde, russische Juden zur Auswanderung nach Amerika zu ermuthigen. Gegenwärtig ist die Zahl der russischen Juden, die aus eigener Initiative nach den Vereinigten Staaten gehen, schon recht beträchtlich, fast 25,000 jährlich, und unsere amerikanischen Glaubensgenossen befinden sich infolge dieser Einwanderung in einer sehr schwierigen Lage, die ihnen zu lebhaften Klagen Anlaß gibt. Andererseits kann die Veröffentlichung einer Subscription bei den russischen Juden Hoffnungen erregen, die nicht verwirklicht werden und dadurch, wie es auch im Jahre 1881/82 geschehen ist, eine Anhäufung von Flüchtlingen zur Folge haben, die den Israeliten unserer Länder die größten Schwierigkeiten bereiten würde. Die Frage der Auswanderung ist der Gegenstand unserer beständigen Fürsorge; verschiedene Studien wurden begonnen, um sie in zufriedenstellender Weise zu lösen. Personen oder Comitäs, die nicht mit den schwierigen Verhältnissen vertraut sind, können, trotz ihres gewiß guten Willens und ungeachtet ihrer ausgezeichneten Absichten, viel mehr Unheil als Gutes stiften, indem sie einer unüberlegten Regung von Mitleid folgen. Ich ersuche Sie also, Herr Redacteur, Ihre Leser vor den großen Schwierigkeiten, die das Project des Memeler CornitS's bietet, ernstlich zu warnen. Berlin, .26. Nov. Der auf durchaus kirchlich-orthodoxem Boden stehende Leiter des Rauhen Hauses in Hamburg, Wicheru, wendet sich gegen einen Artikel des Organs „deutscher Studenten", worin die Aufnahme von Juden in die Genossenschaft freiwilliger Krankenpfleger sehr gehässig erörtert worden war. Herr Wichern schreibt u. A.: „Nachdem die Genossenschaft einerseits darauf verzichtet hatte, die Aufnahme der Mitglieder von ihrem ausdrücklich ausgesprochenen und bethättgtcn evangelischen Christenthum abhängig zu machen, und sich damit begnügt hatte, im Allgemeinen eine zu jeglichen Opfern bereite und insofern sich als christlich erweisende Gesinnung vorauszusetzen, nachdem sie andererseits eine immer wachsende Verbreitung gerade in akademischen Kreisen gefunden und von den Universitätskliniken und ihren Dozenten (auch einzelnen israelitischen) die opferwilligsten Dienste dankbar entgegengenommen hatte, erschien es immer mehr als unberechtigt und zugleich das ganze Werk schwer schädigend, - solche Israeliten weiterhin auszuschließen, die sich zum Eintritt in die Genossenschaft melden und vor keiner Dienstleistung, auch der allergeringsten nicht, zurückschrecken. Man fühlte sich uni so weniger dazu berechtigt, als ja auch die Israeliten dem Vaterlande mit der Waffe zu dienen berufen sind, und die Vaterlandsliebe, an die auf allen Studentenversammlungen appellirt werden mußte, an eine konfessionelle Schranke nicht gebunden ist. Es war in dem Artikel behauptet worden, das Beschämendste sei die „Thatsache, daß sich Einflüsse geltend gemacht haben, vermöge welcher der Genossenschaft die materielle Grundlage entzogen werden sollte, wenn den Juden nicht der Eintritt gewährt würde; natürlich war das Judenthum dabei im Spiele." Wichern erklärt diese Behauptung für Erfindung. Die Genossenschaft erhalte ihre materielle Grundlage allein durch das Centralcomits der deutschen Vereine vom Rothen Kreuz. Cöln, 23. November. Ein gewisser Simon Feffer oder Pfeffer, der sich mitunter auch einfach Simon nennt, angeblich in Warschau geboren und in den letzten 7—8 Jahren in Frankreich (Paris, Lille, Roubaix 2c.) wohnhaft, früher Chasan, jetzt Händler, treibt sich in Deutschland herum und sucht vorzugsweise jüdische Kaufleute, Restaurateure, Cantoren 2c. zu beschwindeln. Hier versuchte er, mehrere Kaufleute unter Angabe falscher Thatsachen zu beschwindeln und entfernte sich aus seinem Kosthause, ohne seine Zechschuld zu bezahlen. Der Pfeffer gibt an, Einkäufer für ein französisches Haus zu sein, speziell für den Einkauf von Ramsch-Waaren unter Nachnahme des Betrages nach Frankreich zu senden, die Waaren werden jedoch vom Adressaten nicht angenommen und die Absender haben nun Kosten und Unannehmlichkeiten. Er behauptet auch, mit einem jungen Mädchen aus sehr achtbarer Familie aus der Gegend von Cassel verlobt zu sein, zeigt auch die Photographie der betr. jungen Dame vor, an der Sache ist jedoch kein wahres Wort. Feffer ist etwa 30 Jahre alt, spricht deutsch mit ausgeprägtem russisch-polnischen Accent, trägt gewöhnlich einen etwas defecten Cylinder-Hut und führt bei sich einen Gummi-Stempel mit „Simon Feffer, commercial traveller, London." Der Mann ist offenbar ein Schwindler der gefährlichsten Secte und halte ich es für meine Pflicht, sowohl im Interesse der betr. jüdischen Kaufleute u. s. w., wie um den ehrlichen jüdischen Namen zu retten, vor demselben hiermit öffentlich zu warnen. Alle jüdische Blätter des In- und Auslandes werden gebeten, dieser Warnung die größtmöglichste Verbreituug zu geben, damit wird dem sauberen Patron am ehesten das Handwerk gelegt werden. t. Tchoenlanke, 13. November. Heute am wurde das 25jährigc Amtsjubiläum unseres Herrn Rabbiner S. Wäldler festlich

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