Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 94 (1.12.1890)
- Date
- 1890-12-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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1689 Besitz des Rabb. Dr. Horovitz zu Frankfurt a. M. übergegangen. Es ist der vorliegende stattliche Band erst der Anfang, dem hoffentlich noch eine Reihe ebenso stattlicher Bande folgen wird. Die vorliegende Sammlung enthält: 1) Gutachten über die verschiedensten Fragen des weiten halachischen Gebietes, 2) Glossen zum Talmud, 3) Glossen zum Aruch, 4) Glossen zum Tischbi und 5) Glossen zum Methurgeman. Bei dem großen Rufe hervorragender Gelehrsamkeit, dessen R. Aharon Fuld sich erfreute, wurden von überall her, selbst von im Amte ergrauten gelehrten Rabbinen, religiöse Anfragen an ihn gerichtet. In den Beantwortungen tritt nun deutlich die große Belesenheit und Geistesschärfe des Verfassers hervor, aber auch zugleich seine Bescheidenheit. Denn bei solchen Anfragen, die in praktischer Beziehung von weitgehenden Folgen sein könnten, vergißt er am Schluffe der Entscheidung nie Worte hinzuzusetzen, wie: nwynb -rin nr^nb >b nN*u p oder Aehnliches. War es ja auch diese Bescheidenheit, verbunden mit einer gewissen Aengstlichkeit, die ihn veranlaßte, als Kaufmann seinen Studien zu leben und jedes Angebot eines Rabbinats oder Dajanats abzulehnen. So schreibt er, wie Rabb. Dr. M. Horovitz in der Vorrede mittheilt, an i?"3T “OlD Dnn byz, der bei ihm anfragte, wie eS sich mit dem Gerücht verhalte, daß er das Bartabnehmen am o"mn erlaubt habe: n!? o was £’bn Nnrraa xyj 'yzx mnnb d^jjd n^Na tpdj rwnriö Tima ohyD) Dnrwb &aDi Legen die Gutachten ein glänzendes Zeugniß von der pilpulistischen Geistesschärfe des Verfassers ab, so bewundern wir in seinen Glossen seine kritische Begabung, die auf der tüchtigen Grundlage eines immensen Wissens ruhete. Hier sehen wir recht “D“l ITJn 33*71 pp; auch nicht das Geringste entgeht seinem scharfen Blicke, und wäre es auch nur ein falsch gesetztes Waw in einem Citate. Allerdings ist in unseren Talmudexemplaren schon manches verbessert, so daß die Korrekturen des Autors für uns nicht immer etwas Neues bringen, allein wir hätten sie im vorliegenden Buche doch nicht gern entbehrt, da ja diese auch mit als Zeugniß gelten für die Genauigkeit, mit welcher derselbe seine Studien betrieb. Jedoch sind die Korrekturen nicht das Werthvollste in diesen Glossen, das Werthvollste liegt vielmehr in den kurzen Hinweisungen auf verwandte Talmud- und Tosaphotstellen, auf Kommentatoren und Dezisoren, mit denen er den Text begleitet, so daß hierdurch manche Schwierigkeit schnell und leicht gehoben wird. Diese Glossen erstrecken sich nun nicht allein auf sämmtliche Bände des Talmud, sondern auch auf die den Talmuden beigedruckten Erläuterungen des R. Ascher und die Erklärungen des Maimonides zur Mischnah. Unter diesen Studium erfordernden und Studium anregenden Notizen findet sich auch manche, die mehr ein geistreiches Witzspiel ist, an dem wir uns aber erfreuen, wie z. B. die zu Sabb. 25 b 12 npHn X“1X 'WÜ2 D)bwü mim, wozu bemerkt ist "*ss 12 np^Tl,, y’J3 ’tVE>2 übw. — Tiefen kritischen Geist offenbaren die Glossen zu den lexikalischen Werken Aruch, Tischbi und Meturgeman, in denen namentlich dem Verfasser des Tischbi empfindliche Lücken in seinen talmudischen Kenntnissen nachgewiesen werden. Sehr richtig wird kurz bemerkt, daß p mit vorhergehendem 3, welches Tischbi in besonderer Rubrik aufführt, zu p I „Farbe" zu gehören scheine, denn pJD ist nichts anderes als dahebräisch gebildete pjD, da pp auch Farbe bedeutet. Wenn eS Tischbi auffallend findet, daß Targum USD **>'p b« »D durch »am wo Np >rv Sov ’D wiedergiebt, da sonst nie ->'p durch “pü übersetzt werde, so weist der Autor mit kritischem Verständniß darauf hin, daß 3182 hier durch *p3 wiedergegeben sei, während 3'p die Stadt Katexochen sei, d. h. Rom, wie' die Römer selbst ja Rom Stadt nannten. Trefflich ist der Unterschied begründet, den Targum in der Wiedergabe des Wortes '33p macht, wenn er bald dasselbe mit 833p, bald mit bxiw 33, bald mit ’WV übersetzt, und daß dies nicht auf Willkür beruhe. Sind wir so den Söhnen des Verfassers dankbar für die Herausgabe dieses höchst werthvollen Werkes, an dessen prächtiger Ausstattung nichts gespart worden ist, so find wir eS nicht minder dem Herrn Chajim Horwitz, der die Durchsicht übernommen hat, wenn auch einige kleine Druckfehler, die sich aber der Leser wohl leicht verbessern wird, hätten vermieden werden sollen. Ebenso sei hiermit Herrn Rabb. Dr. Horovitz gedankt, der mit einer lichtvollen Biographie deS Autors das Werk bevorwortet hat, die vielleicht gelegentlich durch eine Uebersetzung inS Deutsche eine« größeren Publikum zugänglich gemacht werden könnte. Hoffen wir, daß die Sohne des Autors, vor allem Herr Justizrath Dr. Fuld, der sich um die Herausgabe ganz besonders verdient gemacht hat, die weitere Veröffentlichung des literarischen Nachlasses seines Vaters ^"81 bewerkstelligen werden, sie erweisen der Mit- und Nachwelt einen großen Dienst und setzen ihrem Vater damit daS schönste Denkmal. Den buch" händlerischen Vertrieb des Werkes hat Herr I. Kauffmann in Frankfurt a. M. übernommen. Zeitungsnachrichten und Correfpondenzen. Deutschland. Mainz, 28. November. Von einer hochgestellten jüdischen Persönlichkeit, welche von jeher für das allgemeine Wohl der Juden und insbesondere für unsere Glaubensgenossen in Rußland in hervorragender Weise ihre Kraft einsetzt, deren Urtheil demgemäß auch als maßgebend zu betrachten ist, erhalten wir nachstehende Zuschrift: Ich ersehe aus verschiedenen israelitischen Zeitungen, daß ein in Memel bestehendes Comits einen Aufruf erlassen hat, in dem es um Beiträge bittet, die verwendet werden sollen, um russische Juden nach den überseeischen Ländern auswandern zu lassen. Das Comitö spricht von Millionen Juden, die seine Hilfe anrufen. Ich erlaube mir, Ihnen hiermit mttzutheilen, daß die Frage der Auswanderung rus-