Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 93 (27.11.1890)
- Date
- 1890-11-27
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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1672 ist in jedem dritten Jahr unbedingt zu verabfolgen und zwar: a) Entweder um ein publizistisches Werk zu krönen, das in den letzten drei Jahren sei es im Druck erschienen, sei es der Akademie, auf diesen Preis koukurrirend, im Manuskript eingesendet wurde und allgemeinen literarischen Werth besitzt; oder aber d) in Ermangelung eines solchen Werkes zur Belohnung der allgemeinen journalistischen Wirksamkeit eines solchen Publizisten, dessen gesammte publizistische Thätigkeit die Ungarische Akademie der Wissenschaften als dieses Preises würdig erkennt. Der Preis soll zum ersten Male in der Generalversammlung des Jahres 1894 verliehen werden." Die Ausführung dieses wohlgemeinten und gut erdachten Plans wird einem Stande zu gutkommen, dessen unleugbare Verdienste vom großen Publikum NichtiMMernachGebührgewürdtgtuudgeschätztwerden. Drohobyez (Galizien), 16. Nov. Der hies. Industrielle, Moses Gartenberg, wurde soeben amtlich verständigt, daß Se. Majestät, unser gütiger Monarch, geruht hat, ihm das goldene Verdienstkreuz mit der Krone zu verleihen. Herr Moses Gartenberg, der mit Glücksgütern reichlich gesegnet ist, hat bekanntlich anläßlich des vor zwei Jahren begangenen 40jährigen Regierungsjubiläums unseres Kaisers hier ein Altersversorgungshaus für zwanzig Männer und ebenso viele Frauen (jüd. Confession) gestiftet, das vor einigen Tagen erst, wie wir bereits in voriger Nummer gemeldet, in Gegenwart des Statthalters feierlich eröffnet worden ist. Der Schwiegersohn des Herrn Gartenberg ist bekanntlich ein Bruder des Preßburger Rabbiners, Rabbi Bunem Schreiber **i, der Ijeute ein btnten \im ist. Italien. Neapel. Wie der „Israelit" schon in einer früheren Correspondenz gemeldet, besteht die neue hiesige jüd. Gemeinde erst seit 1830, da erst in diesem Jahre die Israeliten von dem Könige Beider Sicilien Ferdinand I. die Erlaubniß erhielten, sich wieder hier anzusiedelu. Nur wenige Juden machten damals von dieser Erlaubniß Gebrauch. Einige Jahre nachher siedelte sich hier auch einer der fünf Söhne Meier v. Rothschilds an und errichtete hier ein Bankhaus. Da er kinderlos blieb, so machte er seinen Neffen, Baron Willy v. Rothschild in Frankfurt a. M. WDBn *p>o % zu seinem Universalerben und Dank des Letzteren Fürsprache erhält noch heute die hiesige jüdische Gemeinde jährlich von der Familie Rothschild eine Subvention von 2500 Lire. Aber trotzdem, daß ein Rothschild Mitglied der hiesigen Gemeinde war, wagten die Juden hier dennoch nicht, sich ein eigenes Gotteshaus zu erbauen, und so befindet sich die Synagoge hier noch immer in einem gemietheten Hause. Heute nun seitdem das glorreiche Haus Savoyen n"T über das geeinte Italien herrscht, braucht man sich selbst in Neapel nicht mehr zu fürchten, sich als Jude zu zeigen. Unser verehrter Rabbiner Gniseppe Cammeo hat daher in seiner Predigt am vergangenen Jom Kippur auf diesen Umstand hingewiesen und zugleich einen Appell an seine Gemeinde gerichtet, endlich zum Bau eines eigenen, ihr und unserer Stadt würdigen Gotteshauses zu schreiten. Seine Worte fanden ungeteilten Beifall und hat sich auch schon ein Comit« hier gebildet, welches diesen Bau ausführen will. In Bälde wird sich daher auch in unserer Stadt ein Haus erheben, in dem der einigeinzige Gott Israels angebetet werden wird. Rußland. Moskau, 19. Nov. In den russischen literaschen Kreisen bereitet sich ein höchst interessanter Protest gegen den Antisemitismus vor. Freilich ist die Spitze des Protestes, welcher in dem Journal „Rußkaja Mhsl" veröffentlicht werden wird, wenn dies nicht die Censur verhindern sollte, nicht gegen die Regierung und deren Repressivmaßregeln gegen die Juden direkt gerichtet, sondern gegen die antisemitische Richtung und Judenhetzereien mehrerer Preßorgane, wie der „Nowoje Wremja", das „Grashdanin", „Kiewljänin" u. s. w. Aber man weiß sehr gut, was darunter verstanden werden soll, und das russische Publikum versteht, zwischen den Zeilen zu lesen. An die Spitze dieses geharnischten Protestes gegen den Antisemitismus in Rußland tritt der bekannte Denker und Schriftsteller Ssolowjew, ein Sohn des beräumten Philosophen gleichen Namens. Herr Ssolowjew gebührt die Anregung zu diesem Proteste, der blos eine Wiederholung einer ähnlichen Manifestation ist, die im Jahre 1858 zu Stande kam und an welcher gegen 150 der hervorragendsten Gelehrten, Schriftsteller, Dichter, Professoren u. s. w. der damaligen Periode sich betheiligten. Seltsam, daß der berühmte Führer der Slawophilen, Iwan Ssergejewitsch Aksakow, der damals zuerst den Protest gegen den Antisemitismus Unterzeichnete, später selbst einer der glühendsten Judenfresser wurde. Man muß abwarten, welchen Eindruck der neue Protest auf die öffentliche Meinung, besonders jedoch aus die beim Ministerium des Innern tagende „Judenkommission", welche die Frage über die Rechte der Juden in Rußland definitiv regeln soll, machen wird. England. London, 18. Nov. .Der „Times" wird aus Petersburg gemeldet, daß ein Monstre-Protest gegen die Judenhetze in Vorbereitung sei. Die meisten Berühmtheiten der journalistischen, literarischen und gelehrten Kreise, an ihrer Spitze Leo Tolstoi, unterzeichnen den Protest. Die Sache geht von Moskau aus. Der Protest verurtheilt direkt die Judenhetze, Während die Presse indirekt die antisemitischen Verordnungen der Regierung angreist.