Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 93 (27.11.1890)
- Date
- 1890-11-27
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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1671 wenige Käufer erschienen und der Erlös ein sehr geringer. Das vor Jahresfrist neuerbaute Wohnhaus, welches 4000 M. gekostet, wurde zum Preise von nur 950 M. verkauft, ebenso ist anch das lebende und todte Inventar für einen geringen Preis versteigert worden, so daß der GesammterlöS sich nur auf 1400 M. belief, während doch der wirkliche Werth der Verkaufsobjekte auf 6000 M. geschätzt wird. Jetzt steht nun Herr M. wieder völlig mittellos da und sieht mit Weib und Kinder der Zukunft verzweiflungsvoll entgegen." — So weit mein Berichterstatter und Gewährsmann. Doch das ist noch lauge nicht das Merkwürdigste und Eigenthümlichfte bei der Sache. Man bedenke nur, das ist gar nicht das erste Mal, das ist bereits das dritte Mal, daß diese Procedur an dem Manne vollftreckt wurde. Zum ersten Mal wurde gleichfalls durch Zwangsversteigerung die Geldstrafe getilgt; das zweite Mal hat der Mann ruhig statt dessen seine 14 Tage Gefängniß verbüßt. Jedesmal ist der Mann seines gesammten Besitzes verlustig gegangen und jedesmal haben ihm seine christlichen Mitbürger wieder aufgeholfen, haben auch während seiner Haftzeit Frau und Kinder unterhalten. Vernimmt man nun wie mit einem völlig harmlosen, redlichen und fleißigen Menschen umgegangcn wird, dessen einziges Verbrechen darin besteht, nicht in Preußen von Preußischen Eltern geboren zu sein, so könnten wir leicht an aller Bildung, Gesittung, Rechtlichkeit, Humanität und Moralität unserer Zeit verzweifeln, wenn mau nicht auf der andern Sette das erhebende Beispiel edler Menschen vor Augen hätte, die im Menschen nur den Menschen sehen und ehren. Dr. Rülf. O e st e r r. Ungar. Monarchie. Wien, 16. November. »man riNn „Ach, wie habe ich mich erwärmt!" Dank der Spende von hunderttausend Gulden, die Baron Moritz Königswarte r im heurigen Frühlinge zu dem Zwecke gewidmet hatte, damit davon in den verschiedenen Stadtbezirken hier Wärmeftuben errichtet werden sollen, konnten gestern schon zwei solche Asyle gegen die Kälte eröffnet werden, während ein drittes derselben am 26. d. feierlich und unter Assistenz der Behörden inaugurirt werden wird. In diesen Wärmestuben erhalten , die Armen Früh und Abends auch eine warme Suppe und ein Brod. So wird sich mancher arme Antisemit in diesen Wärmeftuben durch und für das Judenthum erwärmen können. Wien, 17. Nov. Samstag fand im alten Rathhaussaale die diesjährige sehr zahlreich besuchte Wahlbesprechung der israelitischen Cultusgemeiude unter dem Vorsitze des Vice-Präsidenten kaiserlichen Rathes H. K l i n g e r statt. In dieser Versammlung wurde dem Herrenhausmitglicde Baron Königswart er sowie den Abgeordneten Dr. Bloch, Dr. Zucker und Hofrath v. Gniewosz der Dank der Wiener Cnltusgemeinde für ihr parlamentarisches Wirken und ihre bedeutsamen Reden bei der Berathung des Gesetzes über die Regelung der äußeren Rechtsverhältnisse der israelitischen Cultusgemeiude ausgesprochen. Der in der Versammlung anwesende Abgeordnete für den Städtewahlbezirk Colomea- Buczaz-Sniatin wurde bei dieser Gelegenheit von allen Seiten lebhaft acclamirt — eine spontane Vertrauens-Kundgebung, welche auch die Wähler im genannten Wahlbezirke mit Befriedigung erfüllen kann. Budapest, 16. November. Herr Sigmund Bro d y, Eigenthümer des „Neuen PcstherJournal" hier und Mitglied unseres Cultusvorstandes, hat vorgestern sein 60. Lebensjahr erreicht. Aus diesem Anlasse hat er 60,000 fl. zu verschiedenen wohlthätigen Zwecken, darunter 15,000 fl. für das Personal seiner Redaction, gespendet. Budapest. Der Herausgeber des Neuen Pester Journals, Herr Sigmund Brody dahier, hat sein 50. Geburtssest durch einen Akt fürstlicher Munifi« cenz für Ungarn zu einem wahren philantropischen Gedenktag gemacht. Schenkungen im Gesammtbetrage von 80,000 Gulden bezeichnen den Wohlthäligkeits- und Gemeinsinn dieses Mannes, der es Dank seiner persönlichen Tüchtigkeit verstanden hat, das von ihm geleitete Blatt zum Range eines der einflußreichsten und verbreitetsten Journale Ungarns zu erheben. Daß Herr Brody bei seinen Stiftungen der ihm zunächst stehenden Arbeitskreise gedacht hat, verdient rühmend hervorgehoben zu werden. Charity begins at home, wie der Engländer sagt, und es ist nicht mehr als billig, daß Diejenigen, deren Mitwirkung das Unternehmen Brodhs zu so großen Erfolgen geführt, auch an den Liebesthaten ihres dankbaren Leiters den ersten Antheil haben. Es wurde bereits mitgetheilt, daß Herr Brody dem Pensionsinftitute der ungarischen Journalisten 20,000 Gulden zuwendete, daß er die kranken und arbeitsunfähigen Mitglieder der „Hungaria"-Druckerei mit 12,000 Gulden bedachte, daß er die Mitarbeiter des Neuen Pester Journals, seine Setzer, Drucker und die sonst bei dem Unternehmen Beschäftigten mit Renumerationen im Belaufe von 23,500 Gulden bedachte, daß er endlich der Ungarischen Akademie der Wissenschaft eine Spende von 20,000 Gulden übergab. Diese letzte Spende darf ein besonderes Interesse beanspruchen. Es ist uns nicht bekannt, daß irgendwo anderwärts eine Stiftung bestehe, welche die Aufgabe besitzt, die Publizistik als solche zu fördern. Nur Brody setzt einen Preis von 3000 fl. ans und bestimmt darüber Folgendes: „Der Preis