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Der Israelit · 1890-11-24 · Heft 92 (24.11.1890) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 92 (24.11.1890)
Date
1890-11-24
Page
– (sequence 5)
Language
German
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1655 England. London, 13. November. Der neue Lordmayor, Aldermann Savory, empfing gestern in Mansion House eine aus Sir John Simon, dem früheren Lordmayor Sir Henry Jsaacs, Dr. Adler und Mr. Oswald Simon bestehende Abordnung, welche ihm ein mit zahlreichen Unterschriften bedecktes Gesuch zu Gunsten der Abhaltung einer Bürgerversammlung in der Guidhalle überreichte, um der öffentlichen Meinung in England über die Judenverfolgung in Rußland Ausdruck zu geben. Der Lordmayor gab dem Gesuche bereitwillig statt und das Meeting wird in der dritten Woche des November in der Guidhalle unter seinem Vorsitze stattfinden. Das Gesuch ist unterzeichnet von dem Erzbischof von Canterbury, Cardinal Manning, 4 anglikanischen Bischöfen, dem Dekan von Westminster und anderen Prälaten, den Herzögen von Argyll, Westminister, Abercorn, Newcastle, 8 anderen Pairs, der Baronin Burdett Coutts, Lord Tennyson, zahlreichen Unterhausmitgliedern, Geistlichen verschiedener Konfessionen und Vertretern der Kunst, Wissenschaft und Literatur. Auf Anordnung des Oberrabbiners Dr. Adler sollen in jeder Synagoge des Verein. Königreichs während der nächsten drei Wochen Gebete zu Gunsten der verfolgten russischen Juden verrichtet werden. A m e r i k a. New-Aork, 24. October. Gestern Abend hielten die United Hebrew - Charities (Vereinigten jüdischen Wohlthätigkeits-Gesellschaften) ihre General-Versammlung. Wie der vom Präsidenten Henry Rice verlesene Jahresbericht ergab, war die Thätigkeit der Gesellschaft im verflossenen Jahre eine recht ersprießliche, hat aber die Armuth in der Stadt New-Aork sehr bedeutend zugenommen. Während des mit dem 30. September abgelaufenen Jahres gingen 5170 Gesuche um Unterstützungen, welche 10,142 Personen repräsentiren, ein, und nach gehöriger Untersuchung wurde an 1,043 Personen Unterstützung in Baargeld und an 1710 in Form von Anschaffungen gewährt. Mit Reisegeld wurden 2958 Personen unterstützt und Beschäftigung für 3833 vermittelt. Im Ganzen wurden 28,696 Personen ein- bis zwölfmalige Unterstützung gewährt, gegen 19,411 im Vorjahre. Von den Gesuchstellern waren der größte Theil, nämlich 2912 russische Glaubensgenossen, ihnen zunächst kamen 1121 österreichische und 749 deutsche; über 1500 derselben waren noch kein Jahr im Lande. Die Einnahmen bezifferten sich auf 104,523.83 Doll., davon 30,600 von der Waisenhaus-Gesellschaft, 41,819.54 an Sammlungen und Schenkungen, 17,898 aus dem Baron Hirsch-Fond und 10,830.35 Ueberschuß vom Purim-Ball. Die Ausgaben betrugen 105,490.77 Doll., davon 55,733.68 an Unterstützungen in Baar und nur 6448.08 an Salären und Bureau-Ausgaben. Es wurden über 14000 Kleidungsstücke, 746 Tonnen Kohlen, 7682 Mahlzeiten geliefert und 2402 Personen Obdach über Nacht besorgt. Bei 476 Geburten wurde pekuniäre und ärztliche Hilfe geleistet und 550 Beerdigungen übernommen. Das ärztliche Departement stellte 745 Rezepte und 118 Anweisungen für Fleisch aus. Aus dem Baron Hirsch- Fond erhielten 2994 Personen Unterstützung. Es wanderten 32,328 Israeliten ein, von denen etwa 25,000 in hiesiger Stadt blieben. Für nicht weniger als 1204 Männer wurde die Rückreise nach Europa bezahlt. Die Industrieschule für Mädchen, in welcher Unterricht im Nähen ertheilt wird, war durchschnittlich von 203 Zöglingen besucht. Durch das Stellen-Nachweise-Bureau wurden 3833 Personen, wovon 2804 Russen, Stellungen verschafft, an 245 Personen wurden Werkzeuge geliefert, 338 erhielten Kleider und Schuhe, 520 Mahlzeiten und Obdach und 508 wurden nach anderen Städten gesandt, wo Stellen für sie besorgt worden waren. In einigen Fällen wurde über Unbrauchbarkeit der Leute geklagt, aber in keinem einzigen über Unehrlichkeit. Der Bericht widmete dem Baron Hirsch- Fond einen längeren Abschnitt und führte darin an, daß Baron Hirsch, ehe er seine Stiftung in's Leben rief, sich mit den „United Hebrew Charities" in Verbindung setzte, daß zwei der Direktoren derselben der Verwaltungsbehörde dieses Fonds angehören und 25 Prozent der monatlichen Einkünfte desselben den „Charities" überwiesen werden, um nach den Regulativen vertheilt zu werden. -£» Vermischtes. < Berlin, 14. Novbr. Die Stadtverordnetenversammlung hat gestern die Wahl ihres Mitgliedes Dr. Bachler (Antisemit) für ungiltig erklärt. Da die Sache einen politischen Beigeschmack hat, so möge sie hier nach dem Berichte der „Magd. Ztg." dargestellt sein. Die Wahl Dr. Bachler's war angefochten worden, weil ein, gleich dem Gewählten, der sogenannten Bürgerpartei angehvrender Stadtverordneter, Fabrikbesitzer Pretzel, sich vor dem für die nothwendig gewordene engere Wahl anberaumten Termine mit einem Schreiben an den mittlerweile verstorbenen Ober-Postdirektor Schiffmann gewandt und diesen ersucht hatte, den in dem Wahlbezirke wohnenden Postbeamten Urlaub zu gewähren, damit diese, „wie wir erwarten und erbitten", sich bei der Wahl betheiligten und dem Kandidaten der Bürgerpartei zum Siege verhalten. Der Schlußsatz des Schreibens lautet: „Ich bin eventuell bereit, eine Liste derjenigen Beamten, welche sich trotzdem bei der Wahl nicht betheiligen, Ew. Wohlgeboren nach dem 6. Mai (dem Tage der engeren Wahl) einzureichen." Herr »schissmann hatte dieses Schreiben den Vorstehern der in dem Wahlbezirke befindlichen Postämter zukommen lassen und

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