Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 91 (20.11.1890)
- Date
- 1890-11-20
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
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1649 nbnj für ein Adjectivum zu Nomen „seb'bua" und daher übersetzt er: „Mit einem großen Schwur" . . . Nicht? . . . und das Wörtchen „schel“ (bw), das bekanntlich Gen.-Artikel ist, und in allen Ausgaben sich findet, hat der Herr Doctor gewiß, weil es unbequem —, mit bem Rothstifte durchsirichen.. .Es ist richtig zu lesen: bisch’bua schel g’dula (nbiu). Das Wort „g’dula“ ist nomen abstractum und bedeutet: Größe, Hoheit, Majestät; wörtlich mithin: „Mit einem Schwure der Majestät", und gibt den Sinn: Mit einem Schwure, d. i. mit einer Betheuerung, hinweisend auf seine (Gottes) Allmacht, sagend: Ich, der Ewige, der Allmächtige, der die Macht hatte, ihn (den Nächsten) zu erschaffen, habe auch die Macht zu belohnen«). . . . und wenn nicht, zu bestrafen. Eine biblische Parallele hiezu dürfte die Stelle (5. B. M. 32, 39) geben: „Sehet nun, daß ich, ich es bin ... ich kann tobten, ich gebe das Leben, ich verwunde und werde heilen und von meiner Hand rettet niemand!" Freilich erscheint nach dieser Klarstellung Alles, was Herr Dr. Güdemanu „durch ein Aus- und Unterlegen je na ch Be darf" ^) angeblich „geforscht" haben will, hinfällig und nichtig —; es dürfte aber für den einstigen Literarhistoriker als Charakteristik dienen, zu zeigen, wie die Rabbiner der Grätz'schen Schule den unpunktirten Talmud zu lesen verstanden. 2. Herr Dr. Güdemann übersetzt im obigen Citate: ,,-py nerya nany ONi" „Wenn er die Sache deines Volkes führt", (was ihn verleitet haben mag. hier einen politischen Gegner zu wittern). Diese Art von Translation erinnert stark an jene, gewiß komische Anekdote, cs habe ein nichtjüdischer Translator den Satz: .,nynb issy nirpun", wörtlich übersetzt: „Wer sich anstrengt zu wissen". Es ist kaum nöthig, zu sagen, daß ,,-py ntrya ntny" den Sinn hat: Wenn er die Gesetze Deines Volkes befolgt," d. b.: wenn er nach jüdischem Ritus lebt. In der Mechilta (an- 8) Das Wort bildet hier die Definition für "'n-DN,, und will sagen: Der Ewige ist dauernd und kann daher eine Belohnung zusichern, was ein Sterblicher nicht thun kann. Die Erklärung hiefür liefert Raschi Eonnnet. (Ierem. 10, 10): 'zb cbiy “i*?m c”n o nab ,rm D’pbx ". . . 'di ro maryp iqin gii -ieq pdn yhzi noxb ‘tc Der Herr Dr. Güdm. übersetzt es mit „halte ich Wort rc.", weil er die ganze Erläuterung dieses Tanaiten mißverstanden hat. 9) Wörtliches Eitat aus Gndem. Geschichte, II. Th. S. 96, als exorbitantes Nrtheil über das Verfahren der Tauaiteu und Aiuoriten. geführt Jalkut Mischpatim 22) zur Bibelstelle 2. B. M., 22, 27, lautet derselbe Satz: «in nim 'n„ s.llLt pT3 N^N THDN Nb /]DJD b'Tl? 1'1'2I11 INNN3 ".qvy ^.1223 1'^nii Herr Dr. Güdemann verweist selbst in der Note auf diese Stelle, dieselbe dürfte aber ihm nur defect präsentirt worden sein, und bona fide unterließ er es, diese Stelle selbst nachzulesen, welcher Vorgang allenfalls den Forscher nicht ziert. 3. Herr Dr. Güdemann citirt eine Tradition aus Sifra (3. B. M. 19, 18) folgendermaßen: „Du sollst lieben deinen Nächsten wie dich selbst", R. Akiba bemerkt dazu: Dies ist der größte (?) Fundamentsatz in der Thora. Ben Asai sagte: „Dies ist das Buch von der Entstehung des Menschen (1. B. M. 5, 1)", ist ein größerer Fundamentsatz in der Thora als jener." Was der Herr Dr. Güdemann hiermit ausdrücken will, ist nicht neu, und was darin neu ist — ist falsch. Wir haben bereits constatirt, daß Gedankengang und Citate in dieser Darstellung mühelos dem Buche Kle-jakar — leider ohne Quellenangabe! — entnommen sind: gleichwohl ist diese Uebersetzung zumindestens eine kritiklose und wissenschaftlich unhaltbare. Der hebräische Text lautet: „minn bru bbj"; bekanntlich ist „uns" (-einzelne) das Oppositum zu „bbs" (-allgemein), Pru bbo bedeutet mithin nicht: „der größte Fundamentsatz", sondern: ein wichtiger allgemeiner Lehrsatz" und ist darunter zu verstehen: eine allgemeine Regel. Dieser terminus technicus findet sich in der Mischna-Sprache sehr oft: „MttG nax bvu bPp (Talm. Sabb. 67 b)" und bedeutet: Sie (unsere Gcsetzeslehrer) haben eine wichtige allgemeine Regel bei den Sabbat-Verboten ausgesprochen. Wir gaben „bm" mit dem Ausdrucke „wichtig" wieder, gemäß der diesbezüglichen Definition im Talmud (ibid): „nucr btr ncoy brutr Diera", obgleich es auch mit „groß" übersetzt werden könne, d. i. „groß" mit Rücksicht auf den Umfang der stattfindenden Anwendung, (Talm. ibid: bbz ny NirvaP ynpi onra, “inx vrgl. Raschi z. St.) Wenn Herr Dr. Güdemann wieder kühn zur Textkritik schreitet und es willkürlich zum Superlativ steigert: „miro bmn bbzr/', so bekundet diese Art von „Textkritik" eine völlige Unkenntniß der betreffenden Jdiom's, wie eine Unbelesenheit in der Mischna. Vergl. weiter unter Nummer VIII. 4._ Zur zweiten Hälfte des angeführten Sifra, zum Ausspruche b. Asai: ,,-uua bru bbj dix rvnbm iso m" bemüht sich Herr Dr. Güdemann mit einem Aufwande von einer ihm eigenen „Dialektik" nachzuweisen, „b. Asai beziehe sich auf den Ausspruch