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Der Israelit · 1890-11-20 · Heft 91 (20.11.1890) · page 20

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 91 (20.11.1890)
Date
1890-11-20
Page
– (sequence 20)
Language
German
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1650 des R. Akiba, welcher vorher die Nächstenliebe als den größten Fundamentsatz ansieht, b. Asai sage nun dasselbe, nur begründe er diese Ansicht auf eine andere Bibelstelle als es R. Akiba IhaL". . . „Nichts Neues unter der Sonne!" Herr Dr. Güdemann hätte füglich mit den Guttenberg'schen Mitteln haushälterischer umgehen können, wenn er mit einer kurzen Note — wie gebührlich — aus Buch Jkarim (Maamar 1, Perek 24 Ende) den Leser verwiesen hätte, dem diese Darstellung entnommen ist. Gleichwohl als „historische Wahrheit", als welche der Herr Dr. Güdemann sie auszugeben meint, können wir sie durchaus nicht acceptiren. Für den Forscher kann nur der natürliche Sinn (vulgo: der ans®) einer Hagada — historisch sein! . . . Die lakonische Ausdrucksweise b. Asai deutet vielmehr an, er will sagen, daß für ihn der biblische Satz: „dix nnVin isd m", „Dies ist das Buch von der Entstehung des Menschen", ein wichtigerer allgemeiner Lehrsatz bei allen Geboten und Vorschriften der Thora ist, weil er lehrt: Gott ist der Schöpfer der Welt! Diese Idee, die das ganze Judenthum ausmacht und durch die gesammte Thora sichtlich zum Ausdrucke kommt, fand bekanntlich unter den Heiden, ja selbst bei deren Weltweisen — starke Anfechtung; die Offenbarung, die Göttlichkeit der Thora, der Bibel; „sie sei das Buch von der Entstehung des Menschen" — fand Gegner: „□>D5?n jd min idw (Synhedr. Perek 10, Mischna 1.) Nur das wahre Judenthum, ein Haustein von Frommen, blieb ihr treu, den Kampf gegen innere — und äußere — Feinde führend! Es ist nicht hier der Ort —, nicht die Aufgabe dieser Rezension, diesen Gedanken erschöpfend historisch zu beleuchten und weiter auszuspinnen — wir müssen uns indessen mit dem Hinweise b. Asai begnügen. Indessen hören wir den Jkarim. Er meint, der angeführte Satz: „Dies ist das Buch von der Entstehung des Menschen", sei zu ergänzen durch den Schluß desselben, der da lautet: „Im Ebenbilde Gottes hat er ihn erschaffen." „Ebenbild Gottes" ist der Mensch (nach dem Jkarim) kraft seiner Seele, vermöge seiner Fähigkeit, sich geistig vervollkommnen zu können — all dieses prägt dem Menschen die Ebenbildlichkeit Gottes auf: ''□’ppx nio*T3 r.’Bnjx mix mxa, und daher geziemt es, daß er dieses „Ebenbild Gottes" nicht schände, weder an sich selbst, noch an seinem Nächsten: "nana x^>i ioaj?a xb nmx nn1 x^t? nxi„. So der Jkarim. Wie aber will Herr Dr. Güdemann durch den von b. Asai angeführten Satz die Nächstenliebe begründet wissen? Lassen wir ihn selbst sprechen: „Die wahre Menschenliebe muß an das rein Menschliche anknüpfen, welche allein in dem Ursprung, in der Entstehung gegeben und bei Allen gleich ist. . . der sich gegenwärtig hält, wie er — um einen drastischen, aber bezeichnenden Ausdruck der Gesetzeslehren zu gebrauchen — aus einem „übelriechenden Tropfen" erstanden.". Dies Alles ist also für den Herrn Verfasser „historische Wahrheit" im Sinne des Males von b. Asai: „Dies ist das Buch von der Entstehung des Menschen."?! . . . Uns dünkt: „es ist des Herrn eigener Geist, in dem sich aber durchwegs die alten Zeiten, die Zeiten ben Asai's — nicht spiegeln"! Denn b. Asai beruft sich auf den Satz: „Dies ist die Entstehung des Adam (cnx nnVin)"; der Herr Dr. Güdemann dürfte uns doch (ungeachtet seiner völligen Ungebundenheit im „Handhaben" der „Bibelkritik", trotz seiner sonderbaren „Privat"-Meinung von „einem Vorhandensein einer ursprünglichen Mythologie bei dem israelitischen Volke" — vide: „gaßaba und Midrasch-Hagada" in Zunz' Jubelschrift S. 111 Anfang —) wohl einräumen, daß dieser (Adam) vermöge des Wortlautes der Thora — nicht aus einem „übelriechenden Tropfen" entstanden! Der Ausdruck der Gesetzeslehrer, den der Herr Doktor drastisch findet, müßte ihm um so „drastischer" erscheinen, als dieselbe von ihm an Unrechter Stelle — bei Nächstenliebe — angewendet wird. Der Gesetzeslehrer (Aboth 3, 1) wendet ihn da an, wo es sich handelt, die Leidenschaft zu zügeln, die sinnliche Lust zu ertödten: „.. rwbBO San an nd'vv?nxa pxa trway xa nnx pxi onm nnno", hier ist diese Vergegenwärtigung geeignet, n i e d e r s ch l a g e n d zu wirken, nimmer wird sie aber erhebend Dienste thun und zur edeln Gesinnung — zur Nächstenliebe — führen: si duo faciunt idem, non est idem! (Schluß folgt.) Verantwortliche Redaction: Oscar Lehmann in Mainz. — Expedition des „Israelit" u. „Jeschurun", Schortstr. Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'schen Hofbuchdruckerei-Actien-Gesellschaft in Mainz.

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