Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 91 (20.11.1890)
- Date
- 1890-11-20
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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1635 ein kleines Kapital zur Unterstützung zu gewähren. Im Jahre 1889/90 hatte die Anstalt 18 Zöglinge, darunter 3 neu Aufgenommene, die sämmtlich die Realschule der isr. Gemeinde besuchten. Die Gesammtzahl der aufgenommenen Knaben beträgt jetzt 65, von denen jeder durchschnittlich 6 Jahre in der Anstalt war. Frankfurt a. M. In der Generalversammlung des Vereins für jüdische Geschichte und Literatur hier wurden die Herren Dr. Heinemann, Alfred Geiger, Wilhelm Posen, Leo Ellinger, Hugo Fränkel, Hermann Rothschild und Jacques Snatich in den Vorstand gewählt (Herr Dr. A. Sulzbach hatte eine Wahl abgelehnt). Der Beginn des Geschäftsjahres wurde auf den 1. April verlegt. Der Verein zählt 170 Mitglieder, hat günstige Kafsenverhältnisse und eine stets wachsende Bibliothek, die im Gebäude der israel. Religionsschule im Hainerweg aufgestellt ist. Die Vorträge werden demnächst wieder beginnen. — Im Verein Mekor Chajim Hierselbst hat jüngst Herr Dr. A. Sulzbach mit seinem Cyclus von Vorträgen über jüdische Literatur begonnen und allgemeinen Beifall gefunden. Auf vielseitiges Verlangen finden diese Vorträge nunmehr alle 14 Tage ihre Fortsetzung. Homburg. Der Freiheitstrommler von 1848, Herr Markus Reinach Hierselbst, dem es vergönnt war, vor zwei Jahren sein 50jähriges Jubiläum als Bürgergardist zu feiern, beging am 2. d. M. mit seiner Gattin das schöne und seltene Fest der goldenen Hochzeit. Von allen Seiten wurde dem Jubelpaar die herzlichsten Glückwünsche und Erinnerungszeichen zu Theil. Witten. Der Versuch der Antisemiten, bei den hiesigen Stadtverordnetenwahlen der 3. Abtheilung einen der Ihrigen durchzubringen, ist kläglich gescheitert. Die drei ausscheidenden, der gemäßigt liberalen Richtung angehörenden Stadtverordneten sind mit etwa 500 und ,600 Stimmen wiedergewählt. Der Kandidat der Antisemiten und Zünftler, Wagenbauer Burckhardt, erhielt nur 106 Stimmen. Neustadt b. Pinne, 8. Novbr. In diesen Tagen traf hier ein Mann ein und verbreitete eine Broschüre: „Ansprache an Juden, Vortrag, gehalten im Saale der Reichshallen zu Berlin am 26. April 1881 von Pastor Dr. Somerville," um Propaganda gegen das Judenthum zu machen. Der Mann bat demnächst die hiesige Polizeibehörde um Erlaubniß, einen diesbezüglichen Vortrag halten zu dürfen. Als ihm dies versagt wurde, wurde ihm von einer noch unbekannt gebliebenen Seite der Konfirmandensaal zu dem polizeilich nicht erlaubten Vortrage eingeräumt. Eine spärliche Zuhörerschaft hatte sich bereits versammelt, der Vortrag hatte bereits begonnen, als die Polizei, welche inzwischen Kenntniß hiervon erhalten hatte, die Versammlung anflöste. Halle a. S., 15. Nov. Zu einer merkwürdige« Kundgebung für Herrn Stöcker, die zu mancherlei Betrachtungen über die gegenwärtigen Verhältnisse in der konservativen Partei anregen kann, kam es gestern Abend im konservativen Verein für Halle und den Saalkreis. Es wurde dort offen gegen eine einzige Stimme für den Antisemitismus Partei ergriffen. Pfarrer Werner-Hohenthurm sprach über das moderne Jndenthum und die soziale Frage, hob dabei den verabschiedeten Berliner Hof- und Hetzprediger in den Himmel und verflieg sich in seinen weiteren Ausführungen u. A. zu der sonderbaren Behauptung, die Bestrebungen der Juden seien mit denen der Sozialdemokraren identisch! Die Versammlung, die dem Redner und den im gleichem Sinne nach ihm Sprechenden wiederholt ihren Dank ausdrückte, beschloß zuletzt die Absendung des folgenden Telegramms an Stöcker: „Die in Freyberg's Garten tagende zahlreich besuchte Versammlung des conservativen Vereins für Halle a. S. und den Saalkreis sendet nach einem begeistert aufgenommenen Vortrag des Herrn Pastor Werner über das moderne Judenthum und die soziale Frage den: Bannerträger der Königstreue, des Ehristenthums und der Sozialreform begeisterten Gruß." Daß diese begeisterte Stimmung der Versammlung übrigens nicht bei den hiesigen Konservativen gctheilt wird, geht aus der heutigen Nummer der konservativen „Halle'schen Zeitung" hervor, die recht nüchtern über die Versammlung in genau acht Zeilen berichtet und das Huldigungstelcgramm an Stöcker gar nicht erwähnt. Oefterr.-Un gar. Monarchie. Wien. Baron Hirsch sprach in einer jüngst hier abgehaltenen Conferenz betreffs der 12Millionen- Stiftung für Galizien die Hoffnung aus. daß die Verhandlungen mit der österreichischen Regierung bald zu einem günstigen Abschluß (Genehmigung des Stiftungs-Status) gelangen würden. Pefth. Vor Kurzem wollten 70 Personen aus dem Dorfe Olowe (Trentschiner Komitat) mit der Plätte die Waag übersetzen. Da die Plätte überladen war, sank sie inmitten des Flusses und alles, was auf derselben sich befand, stürzte in's Wasser. Herr Moritz Löwi aus Hlinik, der eben mit der Beladung zweier Floße beschäftigt war, eilte mit seinen 28 Arbeitern herbei und gelang es seinen Anstrengungen, 23 Menschen aus dem Wasser zu retten. Der Stuhlrichter drückte Herrn Löwi für diese edle That seinen Dank aus.