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Der Israelit · 1890-11-20 · Heft 91 (20.11.1890) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 91 (20.11.1890)
Date
1890-11-20
Page
– (sequence 4)
Language
German
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1634 mitismus als politische Partei keinen Boden habe und daß er lediglich gründet in dem konfessionellen Haß, in dem Neid gegen die Besitzenden, in dem Aerger derer, die im Leben einmal einem Juden unterlegen sind und die einzelner Individuen wegen das ganze Judenthum befeinden. Aber bis jetzt ist die Bewegung doch im Wachsen, sie schadet den Juden selbst uud schadet auch den wirklich volksfreundlichen Parteien, denen sie die ländlichen Wähler mehr und mehr entfremdet. Es wird deßhalb hier und da nicht mit Unrecht darauf hingewiesen, daß eine eifrige Thäligkeit der Juden selbst ihre Pflicht gegen sich selbst und gegen die Parteien wäre, die ihnen Gerechtigkeit widerfahren lassen. Diese Thätigkeit würde namentlich dann eine ersprießliche sein, wenn die maßlosen Uebertreibungen, deren sich die antisemitischen Organe hinsichtlich angeblicher Vergehen unserer jüdischen Mitbürger schuldig machen, an Händen sachlichen Materials, statistischer Erhebungen widerlegt würden. Nur auf diese Weise ist der Antisemitismus erfolgreich zu bekämpfen, der lebhaften Unterstützung der freisinnigen Parteien sind die Angegriffenen sicher." Wir können diese Ausführungen durchaus unterschreiben. Der „Antisemitenspiegel", dessen erste Lieferung wir jüngst in einem Leitartikel besprochen haben, ist bestimmt, in der angegebenen Weise zu wirken, namentlich durch statistische Angaben die Wahrheit über unsere Glaubensgenossen bekannt zu machen. Es ist deßhalb Ehrenpflicht unserer Glaubensgenossen, für die Verbreitung desselben thätig zu sein. Die Expedition unserer Zeitung nimmt gern Beiträge für die Verbreitung des „Antisemitenspiegels" in Empfang. Berlin, 10. November. Unter der Ueberschrift: „Große Freude in Juda's Hallen", bringt das „Stöcker'sche Volk" einen Leitartikel, in welchem es die Niederlagen aufzählt, welche der Antisemitismus in diesem Jahre erlitten. Es sind nach diesem Blatte die Folgenden: „Den Reigen eröffnete in diesem Jahre der hessische Staatsminifter Finger, welcher in der hessischen Kammer die antisemitische Bewegung in Hessen für ein „Kunstprodukt" erklärte. Dann kam die zeitweilige Aufhebung eines Freiburger Korps, weil ein Angehöriger desselben einen Juden, der sich unverschämt benommen hatte, im Duell erschossen hatte. Dann die Rede des Großherzogs von Baden, in der er die deutsch-sozialen Antisemiten — ohne sie direkt zu nennen, aber verständlich genug — der Friedensstörung bezichtete. Dann die Maßregelungen, welche die Universitätsbehörden von Würzburg und Freiburg den Studenten zu Theil werden ließen, die sich der antisemitischen Gesinnung schuldig gemacht hatten. Dann die den Antisemitismus vom christlichen Standpunkt scharf verurteilenden Briefe der hochseligen Kaiserin Augusta. Dann die Verfolgungen, die sich die badische Regierung gegen die Führer der badischen Deutsch- Sozialen, Dr. Hentschel und Dr. Sevin, herausnahm. Dann der Juden-Erlaß des hessischen Kon» sisto iums, der die treuen hessischen Geistlichen in ihrem vom Ehristenthum gebotenen Kampf gegen die jüdische, christcnthumfeindliche und ausbeuterische Sippe lähmen sollte. Dann der Juden-Erlaß des Oberlandsgerichtspräsidenten Bardeleben, der den christlich-deutschen Referendaren das sonst allen MeZschen zustehende Recht verkümmert, umzugehen mit wem sie wollen, nur damit ein Jüdchen sich nicht zurückgesetzt fühlt. Ohne besondere Verwunderung lasen wir die jüngste Kundgebung Sr. Königlichen Hoheit des Großherzogs von Hessen. Trotz aller dieser Haupt- und Staatsaktionen ist der Antisemitismus immer noch nicht todt. Da sind also neue Todesstöße nöthig. Sie blieben nicht aus. Der Rücktritt des Herrn Hofpredigers Stöcker von seinem geistlichen Amte! Es war zu erwarten, daß die Bank- und Börsenpresse darin einen Triumph ihrer Sache erblicken würde. Man sagt, mit dem Verluste des Hofamtes werde auch der Nimbus des Trägers schwinden, das heißt, der Partei des Hofpredigers Stöcker drohe der Zusammenbruch durch eine allgemeine Fahnenflucht. Mag man uns verkleinern und als einen Faktor behandeln, den man ungestraft mißachten und auf die Seite schieben kann, mögen die Bankjuden die Hofkanzleien aller Bundesstaaten gegen uns in Bewegung setzen, wir begnügen uns für jetzt mit dem Bewußtsein, daß man eines Tags mit uns wird rechnen müssen." Frankfurt a. M., 17. November. Die Verwaltung der Erziehungsanstalt der Julius und Amalie Fl ersh eim'schen Stiftung hat soeben den fünften Bericht ihrer jetzt 25jährigen Wirksamkeit veröffentlicht. Der Bericht wirft zunächst einen Rückblick auf die Entstehung und Geschichte der Anstalt, welche nach dem Willen des Stifters armen Waisenknaben und Söhnen armer Eltern die Wohlthat einer häuslichen Erziehung gewähren und ihnen die Familie ersetzen soll. 1888 hat die jetzige Verwaltung die Gründung eines Sparkaffenfonds für diejenigen Zöglinge beschlossen, welche mit dem Einjährig-Freiwilligen Zeugniß die Anstalt verlaffen. Der Zweck ist, ihnen mit dem hierfür festgesetzten Betrag von 150 Mark zuzüglich der nach und nach zugewachsenen Zinsen und Geschenke während der Lehrlings- und Militärdienstzeit

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