Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 91 (20.11.1890)
- Date
- 1890-11-20
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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1633 führt der Vortragende seine mit äußerster Spannung folgenden Zuhörer zu einer erfreulicheren Erscheinung, zu Moses Mendelssohn, der die jüdische, wie die deutsche Literatur mit unvergänglichen Worten bereichert und sich die Anerkennung als geistiger Führer seines Volkes bei einer ganzen Welt zu erringen wußte. „Und an dieser Geschichte des Judenthums, an einer solchen Literatur sollte sich unsere Jugend nicht erwärmen und begeistern können?" „Wie kommt es denn", ruft Redner aus, „daß unsere Jugend so leicht durch die Geschichte von Rom und Hellas gefesselt wird, die dem Gemüth des Kindes so viel weniger zu gewähren vermag?" „Wir lassen eben den fruchtbaren Stoff, den unsere Geschichte für die Erziehung unserer Kinder darbietet, unbeachtet liegen." Redner betont, daß die Möglichkeit diesen Stoff auf unsere Kinder wirken zu lassen, der mündliche Religionsunterricht biete, und widerlegt den Einwand, daß das profane Wissen an die Zeit der Kinder zu große Ansprüche stelle, und erklärt den Vorwand einer übermäßigen Belastung als gesucht um sich und andere über den wahren Sachverhalt zu täuschen. Geeignete Bücher könnten selbst in den Erholungsstunden der Kinder das Interesse und den Eifer für das Judenthum erwecken. Redner bedauert allerdings, daß wir nur wenig Bücher besitzen, die in der Form der Darstellung den gesteigerten Ansprüchen unserer Tage genügen. „Hier ist eine klaffende Lücke vorhanden, die im Interesse unserer Kinder unter allen Umständen ausgefüllt werden müßte." Gemeinden und Vereine müßten die Herausgabe solcher Werke fördern. Doch dürsten wir uns nicht verhehlen, daß ehe wir Sorge zu tragen beginnen, unsere Kinder dem Judenthume zu erhalten, wir selbst von Liebe zum Judenthum erfüllt sein müßten. Doch das vermögen die besten Bücher nicht zu erzeugen, wenn Erwerbstrieb, Ehrgeiz und Genußsucht die einzigen Leitmotive des Daseins seien. Die Treue gegen das Judenthum habe idealere Regungen zur Voraussetzung. „Sind wir von diesen erst durchdrungen, dann werden wir auch die Mittel zu finden wissen, unsere Kinder nicht blos dem Judenthume zu erhalten, sondern sie sogar für dasJudenthum zubegeistern." Rauschender Beifall der Versammlung lohnte den geistvollen Redner, dessen Worte einen tiefen Eindruck auf fämmtliche Anwesende, die den verschiedensten Richtungen angehörten, machte. Der Verein beschloß die Rede auf Kosten d. V. dem Druck zu übergeben und dieselbe in Tausenden von Exemplaren zu verbreiten. Auch wir zollen dem gefeierten Redner, dessen Worte von einer glühenden Liebe zum Judenthum zeugten, unsere volle Anerkennung, behalten uns jedoch vor, nach dem Erscheinen der Broschüre auch unfern Standpunkt den Ansichten des Redners gegenüber klarzulegen. N. D. Zeitungsttachrichterr und Correspouderrzerr. Deutschland. Mainz, 16. November. Die jüdische Hausfrau wird uns gewiß Dank wissen, wenn wir ihr in Nachstehendem mittheilen, wie Leinwand von Baumwolle zu unterscheiden, also das Verbot des mbjw zu vermeiden ist. Wenn man einen Faden aus Leinwand oder Baumwolle, indem man die beiden je in eine Hand nimmt, langsam und vorsichtig aufdreht, ihn alsdann durch einen gelinden Zug auseinanderreißt, und nun die beiden durch den Riß entstandenen Enden betrachtet, da findet man, daß sich der leinene Faden vom baumwollenen in folgender Weise unterscheidet: Der baumwollene Faden reißt zunächst sehr leicht, d. h. ungleich leichter, als der leinene auseinander, und zeigt an seinen langgestreckten Enden ein gekräuseltes, zweigartig gewundenes Aussehen; der leinene Faden dagegen reißt in der Regel kurz ab und die Enden bilden ein aus geraden, sich nicht windenden Fädchen bestehendes Büschel. Wer einmal die Probe an reinem Leinen und reiner Baumwolle gesehen, wird sich nicht mehr täuschen können, und es wird ihm etwas leichtes sein, diese Gewebe nach dieser sehr einfachen Methode auf Beimischung des einen oder andern Beftandtheiles zu untersuchen. Darmstadt, 16. Nov. Der „Volksfreund" schreibt: „Politische Parteien sind, da die antisemitische Partei als eine volitische nicht anerkannt zu werden verdient, wohl nicht verpflichtet, außerhalb des Wahlkampfes sich mit ihr zu befassen. Politische Parteien werden zwar, soweit sie freisinnigen Prinzipien huldigen, Toleranz und Gleichberechtigung aller Bürger Hochhalten, diesen häßlichen Befeindungen der jüdischen Mitbürger um ihres Glaubens, um ihrer Zugehörigkeit zum Judenthum willen, entgegentreten; es kann aber nicht von ihnen erwartet und verlangt werden, daß sie der eifrigen Agitation der Antisemiten mit gleicher Kraftaufwendung entgegentreten. Das ist Sache der zunächst Betroffenen, der Juden selbst. Ihre Pflicht ist es, selbstständig vorzugehen und die Behauptungen der Antisemiten zu widerlegen, nicht sich auf die Hoffnung zu beschränken, der Antisemitismus werde sich bald überleben. Es ist ja wohl richtig, daß der Antise-