Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 90 (17.11.1890)
- Date
- 1890-11-17
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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1626 in seiner äußeren Erscheinung und an dem abseits gelegenen Orte, an welchem es sich befindet, gegenübertritt, so birgt es dennoch in seinem Innern die schönsten und erhebendsten Erinnerungen an vergangene Zeiten. Hier saßen eifrige talmudbeflissene Jünger bei Tag und bei Nacht zu den Füßen ihrer berühmten Lehrer und Meister, hier schütteten die Mühseligen und Beladenen ihre gottesfürchtigen Herzen vor dem Hüter Israels aus, hier wurde den Nothleidenden, sowohl den ortsangehörigen wie den auswärtigen, welche ihre müden Schritte zu ihm lenkten, nach Kräften geholfen. Wiewohl bereits 115 Jahre über das Beth-Hamidrasch dahingegangen sind, blieb es dennoch bis auf den heutigen Tag seiner alten Bestimmung erhalten. Daß dem so ist, haben wir in erster Reihe denjenigen Personen zu verdanken, die es, voller Begeisterung für die Erhaltung der „drei Säulen" des Judenthums", mit ansehnlichen Vermächtnissen bedachten. Die einzige Gegenleistung, welche sie dafür für ihre eigene Person beanspruchten, bestand darin, daß für ewige Zeiten ihre „Jahrzeit" gehalten werde, d. i. daß man alljährlich an ihrem Sterbetage im Beth- Hamidrasch unter Beobachtung der üblichen religiösen Observanzen Gebete für ihr Seelenheil verrichte! Aus den Zinserträgnissen dieser Vermächtnisse, zu denen noch die laufenden Beiträge der Vereinsmitglieder und sonstige Spenden kommen, werden die Unterhaltungskosten des Beth-Hamidrasch bestritten, werden Arme unterstützt, werden Hilfsbedürftige aller Confessionen unverzinsliche Darlehen gegen geringe Abschlagszahlungen gewährt und wird endlich die reichhaltige Bibliothek durch Neuanschaffung von wichtigen, in die jüdische Literatur einschlägigen Werken stetig vermehrt. Zum großen Theil aber auch ist es dem aufopfernden Pflichteifer des zeitigen Vorstandes, bestehend aus den Herren C. Auerbach, L. Sandler und M. Treuherz zu verdanken, daß seitens des Beth-Hamidrasch den Intentionen der Legataren desselben voll und ganz entsprochen wird. Bisher mangelten dem Veth-Hamidrasch-Verein die Rechte einer juristischen Person. Die Kapitalien desselben mußten auf die Namen einzelner Vorstandsmitglieder verzinslich angelegt werden. Dies hatte allerlei Unzuträglichkeiten zur Folge. Es sind ferner dem Verein noch anderweitige Legate theils zugedacht, theils testamentarisch verschrieben worden; dieselben konnten aber nicht zur Annahme bezw. Auszahlung gelangen, weil dem Verein die Aktivlegitimation fehlte. Es war daher von jeher das eifrigste Bestreben des Vereins, die Rechte einer juristischen Person zu erlangen; allein alle dahin zielenden Bemühungen waren bislang vergeblich, denn die desfallfigen Gesuche des Vereins an das Ministerium des Innern wurden immer abschlägig beschieden. Der zeitige Vorstand jedoch ließ sich hierdurch nicht abschrecken. Er setzte vielmehr mit erneutem und verstärktem Eifer alle Hebel in Bewegung, um zum Ziele zu erlangen. Ein neues Gesuch an Seine Excellenz den Herrn Minister des Innern, Herrfurth, in welchem die segensreiche Wirksamkeit des Vereins umständlich dargelegt wurde, wurde eingereicht und dieses hatte endlich den gewünschten Erfolg. Unter dem 12. September ds. Js. wurden dem hiesigen Beth-Hamidrasch-Verein Allerhöchst unter Gegenzeichnung der Herren Minister des Innern und der Justiz die Rechte einer juristischen Person verliehen. Unter den Vereinsmitgliedern herrscht ob dieser längst ersehnten Errungenschaft große Freude. Zum Danke aber gegen Se. Majestät unseren Kaiser und König wird von nun an allsabbatlich im Beth-Hamidrasch das „Hanosen Teschua-Gebet" verrichtet, ein Gebet, das die innigsten Segens- und Heilswünsche enthält für das Wohlergehen unseres theuren Landcsvaters und dasjenige der Mitglieder seines erhabenen Hauses. Es sei noch beiläufig bemerkt, daß die Zahl der Mitglieder sich auf etwa 50 beläuft und daß der Rabbiner des Beth-Hamidrasch gleichzeitig Rabbinats- Assessor der Gemeinde ist! Wir schließen unseren Bericht mit einem „vivat crescat floreat“, das wir dem Beth-Hamidrasch-Verein aufrichtigzurufen! Dr. H. Ti etz. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Proßnitz. Wie alljährlich, so hat auch heuer die Confectionsfirma M. & I. Mandl hier 28 Kinder armer Arbeiter ihres Fabriksetablissements mit vollständiger Bekleidung beschenkt. Der Act der Wohlthätigkeit gewinnt noch an Bedeutung, daß diese Kinder ausschließlich christlichen Eltern angehören. Leider werden derartige Humanitätsacte nicht gewürdigt und nach wie vor müssen die Juden von ihren arischen Mitbürgern Anfeindungen erdulden. Budapest. Der erste Budapester Mädchen- Ausstattungsverein feierte dieser Tage das 25jährige Dienstjubiläum seines Vizepräsidenten Karl Kohn in solenner Weise. Es wurde das wohlgetroffene Oelbild des Jubilars enthüllt, bet welcher Gelegenheit Herr D. H. Spitzer die Rede hielt. Präsident Hermann Schwarz hielt eine schwungvolle, die zahlreiche Zuhörerschaft begeisternde Ansprache, welche stürmischen Beifall und Applaus erntete. Das Fest beschloß ein Banket im Prunksaale des Vereins, wobei die Verdienste des Jubilars in vielen Toasten gefeiert wurden. Beachtenswerth waren insbesondere die Trinksprüche des Dr. Wittmann und des Präsidenten Schwarz, welche die einzelnen Phasen des Vereins aufzählten.