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Der Israelit · 1890-11-17 · Heft 90 (17.11.1890) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 90 (17.11.1890)
Date
1890-11-17
Page
– (sequence 11)
Language
German
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1625 Berg gebürtigten Fräulein Grödel mit einem Legat von 20,000 M., dessen Zinsen für milde Zwecken verwendet werden sollen, bedacht. Frankfurt a. M, im November. (An unsere Frauen und Töchter.) Hast Du schon einmal eine schwere Krankheit eines lieben Verwandten miterlebt? Hast mit banger Sorge die unendlich langen Nächte am Krankenbette zugebracht, bast aus den schweren Athem gelauscht und die Fieberphantasien — die Dich abschreckten — viele Stunden lang angehört? Und dann kamen so schwere Zeiten, daß Du nicht allein die Fähigkeit hattest, Deine Kranken zu pflegen; und Du nahmst eine Schwester! Da hast Du wohl gefühlt, wie wohlthätig die ruhige, sichere und liebevolle Art der Schwester auf Deinen Kranken wirkte. Wo vorher Verwirrung und Bestürzung herrschte, da trat jetzt ein wunderbares Gefühl von Ordnung und Sicherheit ein; Dein Kranker gewöhnte sich an die Schwester, er zog ihre Pflege der Deinigen vor, so daß ein klein wenig Eifersucht in Deinem Herzen wach wurde. — Und dann kam die Genesung; die Schwester konnte entbehrt werden! Aber noch heute — nach Jahren — ist sie Eurem Hause und Euren Herzen nah' geblieben; noch heute seht Ihr in der Schwester den von Gott gesandten Engel, welcher neben Eurem Arzte Hingebung und Opferwilligkeit genug besaß, um Euren Kranken zu retten. Ja, es ist wahrt Es ist ein hoher Beruf für das Weib, die Krankenpflege. Alle Tugenden, welche der Frau eigenthümlich sind, werden in der Krankenpflege verlangt und erwartet. Aber, warum gibt es unter uns Juden keine Krankenpflegerinnen? Da doch unsere Glaubensgenossen den Kranken seit langen Zeiten ein hohes Maß von Fürsorge widmen? Nun! Es hat wohl nur an der passenden Gelegenheit zur Ausbildung jüdischer Pflegerinnen gefehlt. Aber auch hier ist Wandel geschafft worden. Edle Menschenfreunde in Frankfurt am Main haben das Liebcswerk unternommen, jungen Mädchen jüdischer Confession die Gelegenheit zur Ausbildung zu gewähren. Dieselbe wird im Hospital der jüdischen Gemeinde geleitet; die Ausbildungszeit beträgt für gewöhnlich ein halbes Jahr. Nach dieser Zeit sollen diejenigen, welche von jetzt an noch ausgebildet werden, in die Privat-Pflege gehen und sich so eine Existenz schaffen; in Frankfurt a. M. mit seiner großen Anzahl jüdischer Familien ist dazu ein weites Feld. Freilich! Nicht jedes junge Mädchen eignet sich zur Krankenpflegerin. Aber die Schwierigkeiten sind nicht unüberwindlich und werden gewöhnlich zu groß gedacht. Gefordert wird ein offener Kopf, eine gute Schulbildung, ein gesunder Körper. Ungewöhnliche Muskelkraft ist nicht von Nöthen; sie wird durch Uebung und Energie ersetzt und übertroffen. Aber Folgsamkeit, Genauigkeit und Selbstbeherrschung, das sind Eigenschaften, ohne welche die Krankenpflege nicht erlernt werden kann. Endlich muß die Krankenpflegerin ein nachsichtiges, liebevolles Herz haben. Man muß nicht meinen, daß es lieblos sei, eine Operation mit ansehen zu können. Fragt doch einmal den Kranken, wen er mehr schätzt, die Mitleidige, die halb ohnmächtig an seinem Krankenlager hinsinkt, oder die Schwester, deren milde Hand die Wunden verbindet? Bisher sind zwei jüdische Pflegerinnen ausgebildet worden; die eine ist nach ziemlich kurzer Zeit Oberin im jüdischen Hospital geworden; die andere ist eben dort als Schwester thätig. Fragt doch einmal die Beiden, ob sie glücklich sind! Ob sie in ihrem Beruf nicht das gefunden haben, was sie vorher Jahre lang suchten? Lebt doch fast in jedem jungen Mädchen der Trieb nach Pflichterfüllung. Und die Vielen, denen es nicht gestattet ist, als glückliche Gattinnen ihr Leben zu genießen, bleiben zeitlebens vereinsamt in untergeordneten Stellungen. Und gerade Ihr, mit einem Herzen voll Liebe, mit der ewigen Sehnsucht nach Pflicht-Erfüllung, mit dem starken Triebe nach Selbst-Bethätigung, mit reifem Innenleben, von dem Ihr nichts in der Außenwelt geltend machen könnt, Ihr seid es, denen unser Ruf gilt: Erwählet die beglückende Lebens-Aufgabe, Helferinnen der Nothleidenden zu sein, schließt Euch uns an, folget unserem Rufe und werdet Krankenpflegerinnen! —r— (Wir bringen obige Korrespondenz mit dem Bemerken zum Abdruck, daß Anmeldungen für die Ausbildung als Krankenpflegerin jeder Zeit an Herrn vr. meä. H. Schlesinger, Königswarterstraße 3, Frankfurt a. M., gerichtet werden können. Red.) Frankfurt a. M. Der hier wohnhafte Rentner Marxsohn, ein Greis von 88 Jahren, wurde durch den Telegraphen aus New-Aork von dem Erscheinen eines Säuglings bei seiner Urenkelin benachrichtigt. Herr Marxsohn zählt nunmehr auch einen Ururenkel zu seinen Angehörigen; gewiß ein seltener Fall. Jnowrazlaw, 12. Nov. Als ein beredter Zeuge der innigen Liebe zur biblisch-talmudischenWissenschaft, zur Erhaltung des ehrwürdigen jüdischen Gottesdienstes und zur Uebung echt israelitischer Wohlthätigkeit steht das jüdische Beth-Hamidrasch (Forschungshaus) da. So bescheiden auch immer es uns

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