Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1890-11-17 · Heft 90 (17.11.1890) · page 9

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 90 (17.11.1890)
Date
1890-11-17
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2446951-2448024-2448109--31059-2478841
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

XXXI. Jahrgang. Beilage ju M 90 tu* „Jsrnelit & Sefttjutua? Leitender Artikel. Zur Ausgleichung der foclnlen Gegensätze in Bibel und Talmud. Von Rabbiner Heinrich Galandauer in Soborten (Böhmen). (Fortsetzung.) Die meisten Professionen, sagt XenoPhon, (B. 5, Denksprüche) machen ungesund, die, welche sie zu Hause treiben, müssen immer zu Hause in der Werkstätte, oder beim Feuer sitzen und behalten keine Zeit für ihre Freunde und für die Republik übrig. Aristoteles sagt: (B. 3, K. 3, Polit.) Man hatte nur in solchen Demokratien die Handwerker unter die Bürger ausgenommen, welche schon im Zustande der Verderbtheit gewesen waren, in wohlgeordneten Republiken hingegen würde man ihnen niemals das Bürgerrecht zugestehen. Auch der Ackerbau war für eine sklavische Beschäftigung gehalten worden. Endlich war auch jede Art des Kleinhandels bei den Griechen verächtlich x). Der von Hero dot und P l u t a r ch so vielgerühmre weise Lykurgus hatte in Sparta jede Arbeit und jedes Handwerk als für einen Staatsbürger entehrende Beschäftigung bezeichnet, nur den Sklaven und Heloten waren die Gewerbe und der Handel überlassen, was den Freien strenge verboten war^). Auch die Germanen waren schwer zu bewegen das Feld zu bestellen. Das überließen sie den Feigen und Furchtsamen (Sklaven), sie selbst aber gingen lieber in den Kampf um den Feind zu besiegenb). Die Indianer halten Ruhe und Unthätigkeit für das höchste Gut, und alle ihre Wünsche sind nach demselben gerichtet ^). Die Arbeit galt als Schande, der sie verrichtete ward verachtet, Müssiggang wurde für vornehm gehalten; nur das Waffenhandwerk allein und der Kriegsdienst standen in hohen Ehren, während jede friedliche Beschäftigung, jedes friedliche Gewerbe geringgeschätzt wurde. Daß dadurch die Fähigkeit, der Geist, das sittliche Gefühl in der Gesellschaft nicht zum Vorschein und die Begabung der Einzelnen Hervorragenden nicht zur Entfaltung kommen konnte, wodurch dem Staate großer Schaven erwuchs, das 1) Montesquieu, Geist der Gesetze B. 4, K. 8. 2) Plutarch „Vergleichung des Lykurgus und Huma". 3) Montesquieu, Geist der Gesetze B. 30, K. 3. 4) Das. merkten diese weisen alten Staatslenker in ihrer Verblendung nicht. Von ganz anderem Geiste ist die Verfassung der Hebräer erfüllt. Ein Geist der Thätigkeit, der Arbeitssamkeit, des eifrigen Schaffens und des regen, emsigen Fleißes durchfluthet sozusagen die ganze Bibel. Gleich an der Spitze derselben führt sich Gott selbst als Arbeiter ein. Der Herr des Weltalls, der Urquell alles Seins, das höchste aller Wesen, der Schöpfer aller Geister, er läßt die Welt und ihre Geschöpfe nicht durch ihm untergeordnete Geister und Wesen hervorbringen und bilden, nein, Er selbst in Seiner erhabenen Majestät dehnt die Himmel aus und gründet fest die Erde, machet das Himmelsheer und formt und bildet alle Geschöpfe und Gewächse. Er selbst pflanzt einen Garten und setzt sein vornehmstes Werk, den Menschen hinein, damit er ihn bearbeite und bewache. Im Decalog gebietet Gott „sechs Tage sollst Du arbeiten." Er befiehlt eine Stiftshütte zu verfertigen und führt das waffenkundige und gegen die Kanaaniter siegreiche Hebräervolk in das Land, das er seinen Ahnen verheißen, damit es seiner eigentlichen Bestimmung, der Arbeit und dem Ackerbau sich fürderhin widme. Arbeitssamkeit und Thätigkeit zeigen die hervorragendsten Gestalten in der Bibel. Noah war ein Weinbauer, Abraham ein Viehzüchter, Js ak ein Landmann, Jakob ein Lohnknecht, Josef ein Sklave, Moses ein Schafzüchter, Israel war ein schwer arbeitendes Sklavenvolk in Egypten, Gideon war ein Feldbauer, S a ul ein Ackersmann, David ein Heerdenzüchter, E l is ch a ging vom Pfluge weg, um die Prophetenwürde zu übernehmen. Auch die Propheten und namentlich Salomon in seinen Sprüchen, sprechen sich in zahlreichen Sentenzen höchst ehrend über die Arbeit aus und eifern mit Strenge gegen die Trägheit und den Müssiggang. Dieser Geist der Arbeitsamkeit ergießt sich gleichsam aus der Bibel in die Tradition und durchtränkt den ganzen Boden des Talmud. Im Talmud gilt die Arbeitsamkeit als die höchste aller Pflichten, sie steht in gleichem Range mit der Gotteslehre selbst ^) und wer zu gewissen Zeiten dem Müssiggang sich hingibt, rnaa rum riDN^Dn *p mm rono minnty Dtzo (5 .(«"» p-w 'TI nDM)

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.