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Der Israelit · 1890-11-17 · Heft 90 (17.11.1890) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 90 (17.11.1890)
Date
1890-11-17
Page
– (sequence 8)
Language
German
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1622 selbst das Geld, womit die Fabrik aufgebaut worden, verliert die russische, die christliche Reichsbank. Der Jude aber, er war arm, wie er gekommen, und hatte fast kein Vermögen, selbst als die Fabrik in höchster Blüthe stand; mit dem Erlös der von ihm fabrizirten Maaren mutzte er seine Arbeiter bezahlen, sowie die Wechsel der Reichsbauk einlöfen; er arbeitete also nur für seine christlichen Mitbürger." „Was das Treiben der Antisemiten betrifft," erwiederte der Pfarrer, „so habe ich die Dinge, wie sie jetzt gekommen sind, unseren Arbeitern vorausgesagt. Sie benahmen sich dem fremdem Juden gegenüber, der ihnen Glück brachte, wie die Leute von Sodom und Gomorah und deßhalb war es nur die gerechte Strafe des Himmels, daß die Stadt durch Schwefel und Salz verbrannt wurde. „Gosrith womelach serefa kal Arza," zitirte der Pfarrer, der ein guter Hebräer war. * * Acht Tage nach den geschilderten Ereignissen durchschritt Chajim sein Geburtsdorf. Er wollte Abschied nehmen von seinem Pflegevater, um abermals in die Welt hinauszuzichen und den Kampf um das Glück von Neuem aufzunehmen. Er hatte schon lange nichts mehr von ihm gehört und feit dem Tode seiner Pflegemutter seinen Pflegevater nicht gesehen. R. Zadok lebte ruhig in dem kleinen Häuschen seinen Studien. Eine entfernte Verwandte besorgte seinen Haushalt, das Geschäft hatte ihm ein Nachbar abgekauft, und so kümmerte er sich um gar nichts. Er war alt geworden und wollte, ehe ihm die Kraft versagte, noch ein gelehrtes Werk vollenden. So hatte er für nichts anderes Interesse, als sein Werk. Auch heute hatte er wieder ein schwieriges Problem gelöst und seine Mienen drückten hohe Befriedigung aus. Da klopfte es an die Thüre. N. Zadok rief „Herein!" und war erstaunt, als er Chajim erblickte. „Scholaum gleichem," rief er dem Eintretenden freudig entgegen, und „Aleichem scholaum" klang es wieder. Chajim machte cs sich gcmüthlich, und als er gegessen und geruht hatte, erzählte er dem N. Zadok seine Erlebnisse. Dieser hörte ihm schweigend zu und als Chajim bedauernd erwähnte, daß er ein Bettler sei, daß er nur sein nacktes Leben gerettet habe, lächelte R. Zadok. Chajim sprach von den Plänen, die er für die Zukunft habe und N. Zadok schwieg. Am Abende des letzten Tages, den Chajim bei N. Zadok verbrachte, nahm ihn dieser bei Seite und sprach: „Du bist fehl Bettler. Was ich habe, gehört einst Dir, und an dem Tage, da du heirathest, erhälst Du 50,000 Rubel." Chajim blickte seinen Pflegevater erschrocken an. Er glaubte, der alte Mann sei von Sinnen. Doch als dieser sich erhob und einen alten Folianten herbeibrachte, dessen Blätter aus vollwerthigen russischen Staatspapieren bestanden, schwanden seine Zweifel und die Frage drängte sich ihm auf: „Wie kommt R. Zadok zu so großem Reichthum?" R. Zadok lächelte wieder. „Die hat mir Dein Vater, elf er starb, für dich übergeben, sagte er, „und noch heute liegen sie so, wie ich sie damals erhalten habe; denn ich habe sie nicht berührt." Unsere Erzählung nähert sich ihrem Ende. Wir wollen dem geneigten Leser nur noch erzählen, daß drei Monate später in Lübeck die Trauung von Fräulein Else Sternfcls stattfand. Der Bräutigam hieß Chajim Mandelkern und der lustige Greis, der neben dem Brautpaare saß, das war R. Zadok. Auf Drängen seiner Kinder war er nach Lübeck übergesiedelt und heute noch arbeitet er an jenem wissenschaftlichen Werke, freilich nicht mehr so ungestört wie in Rußland, denn den größten Theil seiner Zeit widmet er seinen Enkelkindern. „Israelit" und „Jeschurun" erscheint wöchentlich zweimal, Montags und Donnerstags, jedesmal in mindesten» 2 Bogen. Preis des Jahrgangs für Deutschland und Oesterreich 12 Reichs-Mark, für'S Ausland 16 Reichs-Mark. Man abonnirt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Durch den Kuchhanbel fU bestehen bet <£♦ F. Sleinarker, Leipstg. Doßpiatz 16. — Inserate 25 Pfennige die dreigespaltene Petitzeile oder deren Raum. — Oesterreichische Banknoten laut Cours. — Directe Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 8 st. österr., sür's Ausland 16 Reichs-Mark, an die Expedition franco eürptfenden. Inhalt (Hauptblatt): Leitender Artikel: Des Propheten Habakuk Weissagung. — Literarischer Bericht. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Mainz. Berlin. Posen. Breslau. Hildesheim. Mannheim. — Oesterr. - Ungar. Monarchie: Wien. Pest. Preßburg. Budapest. — Italien: Turin. — Palästina: Jerusalem. Vermischtes. — Feuilleton: Gosrith womelach. Inhalt der Beilage: Leitender Artikel: Zur Ausgleichung der socialen Gegensätze in Bibel und Talmitd. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Ober-Ingelheim. Friedberg. Frankfurt a. M. Jnowrazlaw. — Oesterr.- Ungar. Monarchie: Proßnitz. Budapest. Pest. — Vermischtes. Verantwortliche Redaction: Oscar Lehmann in Mainz.—Expedition des „Israelit" u. „Jeschurun", Schottstr. Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'schen Hosbuchdruckerei-Actien-Gesellschaft in Mainz. Hierzu eine Beilage.

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