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Der Israelit · 1890-11-17 · Heft 90 (17.11.1890) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 90 (17.11.1890)
Date
1890-11-17
Page
– (sequence 7)
Language
German
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1621 Pose«, im Novb. Die hiesige, unter Aufsicht deS Synagogengemeinde-Vorstandes stehende Ritsche-Flatausche israelitische Mädchenwaisen-Anstalt, die erst seit ungefähr 18 Jahren gegründet worden ist, hat sich aus kleinen Anfängen schon in so erfreulicher Weise gehoben, daß sie, während sie bis vor Kurzem sich gemietheter Lokalien bedienen mußte, seit einigen Monaten durch Ankauf eines passenden Hausgrundstückes ein eigenes Heim besitzt. Zu dem notwendig gewordenen Ausbau hat eine großherzige Wohlthäterin, Frau Kommerzienrath Adolphine Simon geb. Heilbronu zu Berlin, eine geborene Posenerin, den Betrag von 10000 Mark gespendet. Der nun in Angriff genommene Ausbau hat wiederum Anlaß zu der Ueberzeugung gegeben, daß der religiöse Sinn im Allgemeinen hier noch nicht erstorben ist. Der Gemeinde-Vorstand, dem als Aufsichtsbehörde die Leitung der betreffenden Unterhandlung obliegt, hat nämlich bei dem Abschlüsse des Bauvertrages ausdrücklich bedungen, daß die Arbeiten am Sabbat gänzlich unterbleiben und daß an den Freitagen sogar schon eine volle Stunde vor Eintritt der Dunkelheit die Arbeit eingestellt werden mutz. Als Berichtigung resp. Ergänzung des vor. Referats, betreffend den Jünglingsverein sei hier noch die Angabe gestattet, daß die Anfänge desselben bereits vor mehreren Jahren stattgesunden haben und zwar auf Anregung zweier junge Leute, Moritz Golde und M. Neumark, die allsabbatlich vormittags eine größere Anzahl Altersgenossen um sich versammelten und gemeinschaftlich abwechselnd ’&7°i, fnMByD, lernten. Die Bildung des jetzigen Vereins ist demnach als eine allerdings energische Reorganisation des früheren anzusehen, der dementsprechend sich eine ausgedehnteres Ziel gesteckt hat. M. Gladbach. Die zu unserem Synagogen-Bezirk gehörende jüdische Gemeinde Rheidt wird vom l. Januar 1891 ab mit einigen Nachbarorten einen eigenen Synagog.-Verband bilden. Aus der Pfalz. Der verstorbene Ingenieur Abraham Strauß in Dürkheim hat letztwillig mit einem Kapital von 20,000 Mark eine Landesstiflung begründet zur technischen, wissenschaftlichen oder künstlerischen Ausbildung würdiger, bedürftiger und talentvoller Söhne und Töchter von Bahnwärtern und Wechselwärtern bei den bayerischen Staatseisenbahnen und Straßenwärtern der bayerischen Staatsstraßen. Die landesherrliche Bestätigung ist erfolgt. Königshofen, im Marcheschwan 5651. Die hiesige Gemeinde hat einen empfindlichen Verlust erlitten. Am Donnerstag, den 6. November, starb nach kurzem Kranksein im Alter von 74 Jahren der in der ganzen Umgegend geliebte und geachtete Lazarus Hofmann. Die isr. Gemeinde in Königshofen zählt nur 5 Familien und ist nicht im Stand, an den gewöhnlichen Tagen und Sabbaten Gottesdienst zu halten. Dagegen werden an den O'ID D'D’ Leute von auswärts zu Minjan bestellt, und da war es der Verstorbene, welcher schon seit Jahrzehnten unentgeltlich die Stelle eines ffN und N“V)p versah. Oftmals hatte der alte Mann am Roschhaschono und Jom Kipur sämmtliche nPSD vorgetragen. Durch seine Biederkeit und Menschenfreundlichkeit, durch feine strenge Religiosität, durch sein liebevolles, zuvorkommendes Wesen erwarb er. sich Freunde unter Juden und Andersgläubigen. Zur n’V? hatten sich sämmtliche Mitglieder der Nachbargemeinde Edelfingen, sowie auch viele Andersgläubige von hier und Umgegend eingefunden. Möge er in jener Welt die Freuden genießen, die Gott seinen Frommen verheißen hat. K... aus E ... Galzocz, 16. Oktober. Vorgestern beging das allverehrte Ehepaar Jakob und Julie Selszer unter freudiger Antheilnahme der ganzen Gemeinde das Fest der goldenen Hochzeit. Arnheim (Holland.) Herr Nathan Levi rettete fünf Kinder aus dem Brande eines benachbarten Hauses; er selbst verlor dabei sein Leben. Paris. Das Eentralconsistorium hat den Oberrabbiner von Oran, Herrn Moses Weil zum Oberrabbiner von Algier ernannt. Novelle von Dr. Ossip Duchowetzky. (Alle Rechte Vorbehalten.) (Schluß statt Fortsetzung.) Kurz nach der soeben geschilderten Katastrophe saßen der Pfarrer, der Kaiser!, russische Reichsbankdirektor, der Postverwalter und der Bürgermeister im Honoratorienstübchen der „Soloteia Zibulka", *) eines der wenigen Häuser, die von der Explosion unversehrt geblieben waren. Die Herren entnahmen der auf dem Tische stehenden Schachtel eine Papyrosse2) nach der andern und erfüllten das Gemach mit blaugrauem Qualm. Das in der Mitte des Tisches aufgestellte Samovar3) sang auch heute Abend seinen stets gleichmäßigen Brodelton, sonst aber war es stille im Zimmer, eine Unterhaltung schien nicht in Fluß kommen zu wollen, auf allen Gesichtern lag tiefer Ernst. Endlich ergriff der Bürgermeister das Wort: „Das Elend unter den hiesigen Arbeiterfamilien hat fast seinen Höhepunkt erreicht. Selbst die früher wohlhabenden Familien scheinen nicht mehr viel zu besitzen. Das Ergebmß einer heute zum drittenmal veranstalteten Sammlung war drei Rubel und zehn Kopeken. Es ist geradezu grauenhaft, wie eine Bewegung, von der wir nichts ahnten und wußten und die uns von auswärts aufgedrängt worden, den Ruin des gesammten Städtchens herbeigeführt hat. Wo finden unsere Einwohner nun so bald wieder Beschäftigung?" „Die russische Reichsbank," sagte der Bankdirektor, „mit deren Kapital die Fabrik fast ausschließlich arbeitete und das uns durch Zinsen, Provision und Jncasso mit 10 Prozent verzinst wurde, verliert ungefähr 150,000 Rubel, der Jude selbst besaß kein Privatvermögen, aber ich hatte Ordre von Petersburg, ihm Wechsel von jedem beliebigen Betrag zu discontiren." „Es ist merkwürdig," wandte der Postverwalter ein, „so hat dieser Wuthausbruch des Antisemitismus eigentlich nur uns geschadet, unsere christlichen Arbeiter sind brotlos geworden und 1) Goldene Zwiebel. 2) Russisch, Cigarette. 3) Theemaschine.

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