Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 90 (17.11.1890)
- Date
- 1890-11-17
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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gegangenen, worauf unter Fackelbeleuchtung der Sarg dem kühlen Grabe antiertraut wurde. Die Trauer um Jovi ist eine allgemeine, denn seine Wohlthätigkeit und sein ernstes, wissenschaftliches Streben eroberte ihm alle Herzen. N. Hildesheim. -Der Magistrat von Hildesheim hat der Synagogen-Gemeinde dortselbst auf deren Ansuchen einen Platz zur Anlage eines neuen Friedhofs, neben dem Centralfriedhof, unentgeltlich überwiesen. Außerdem will der Magistrat der Gemeinde einen Bauplatz zur Errichtung einer Altersversorgungs-Anstalt gratis überweisen. Ein alter Streit zwischen Madt und Synagogengemeinde um das Eigenthumsrecht au einem uralten jüdischen Begräbnißplatz findet durch diese Schenkungen seinen befriedigenden Abschluß. Mannheim, 3. November. Wie unser badisches Großherzogliches Paar und die verstorbene Kaiserin Augusta 1881 über Judenhetze dachten, ergibt sich auch aus einem Brief, welchen Verthold Auerbach an Jakob Auerbach im März 1881 richtete über eine Unterredung Auerbachs im Berliner Palais der Kaiserin Augusta mit dieser und dem großherzoglichcn Paar von Baden. Der Großherzog sprach von der Ermordung Kaiser Alexanders. Auerbach wies bedächtigerweise, aber jedenfalls muthig darauf hin, wie die fortwährende Judenhetze auch ein Werfen von Dynamitbomben sei. Der Großherzog erwiederte, daß es hoffentlich bald vorübergche, obwohl er die tiefe Schädigung, die das Volk damit erleide, vollkommen erkenne. Auerbach legte der Kaiserin Augusta dar, wie tief ihn die Judenhetze im Gemüth störe. „Es ist kein Geringes — sagte er — daß man sich sagen lassen muß, man gehöre nicht zu den Deutschen und sei ohne Vaterland. Das muß ich noch erleben, der ich bereits 40 Jahre mit bester Kraft für das deutsche Volk arbeite und im Patriotismus Niemand nachstehe". Das wurde Auerbach bestätigt. Die Großherzogin sagte: „Diese häßliche Sache ist nur in Berlin." Die Kaiserin fiel ein: „Und auch hier ist sie nur vorübergehend. Berlin treibt über Nacht, man weiß nicht woher, eine Pflanze auf, am andern Tage ist sie wieder vergangen, sie hat keine Wurzel. Die Sache ist wesentlich schon vorüber oder ganz gewiß im Verschwinden." Auerbach bestritt das und wiederholte, daß man am Hofe wahrscheinlich von dieser Verhetzung der Gemüther mit der Verdrehung alles geraden Sinnes nicht genugsam unterrichtet sei. Darauf erwiderte die Kaiserin: „Wir haben unsere Beziehungen zu den alten Freunden — ich sehe von Ihnen ab, denn Sie sind nicht nur ein Freund, sondern auch ein Dichter — immer forterhalten und werden es auch immer so zeigen." Die Kaiserin wiederholte, wie unablässig wohlthätig die Juden sich bewähren, und wie sie selber vor Kurzem das jüdische Altersversorgungshaus besucht habe, wie sie nächstens das jüdische Krankenhaus besuchen wolle und so solle A. nur ruhig sein, es werde sich Alles wieder schon ausgleichen. O esterr.-Ungar. Monarchie. Wien. Es ist statistisch erhärtet, daß die Anzahl der Rücktritte der Staatsanwaltschaft von der Anklage bei Juden nochmals so groß als bei Christen ist, weil man eben gegen Juden schneller mit der Anklage bet der Hand ist, als gegen Christen. Die antisemitischen Blätter zählen aber nur die gegen Juden erhobenen Anklagen und da kommt natürlich eine für Juden ungünstige Zahl der Verbrecherstatistik heraus. Mit einer Eile, als fürchteten sie, daß der Proceß wieder zunichte werde, treten daher diese Blätter noch bei der Voruntersuchung jeden Fall breit, wo gegen Juden eine Anklage erhoben wird. So wurde im vergangenen Sommer gegen die Gebr. Mahler in Neumarkt a. d. Mbs beim k. k. Kreisgerichte Wels eine Anklage wegen Betruges erhoben, und sofort hat sich das „Deutsche Volksblatt" einen Braten aus diesem Falle gemacht und Lügen und Verdächtigungen auf die Firma gehäuft. Nach kurzer Zeit wurde jedoch die Voruntersuchung gegen die Gebr. Mahler ans Mangel jedes Thatbestandes eingestellt und die in ihrer Ehre gekränkte Firma strengte gegen das „Deutsche Volksblatt" eine Ehrenbeleidigungsklage beim Wiener Landesgerichte an. Bekanntlich fürchtet jedoch Ehren-V e r g a n i nichts so sehr als den Gerichtssaal und er mußte sich diese Woche dazu bequemen, „Zur Verhaftung der Brüder Mahler" eine Berichtigung zu bringen, in welcher er das Zeugniß für dieselben bringt, daß sie sich eines guten Rufes erfreuen, als streng rechtliche, reelle Geschäftsleute bekannt sind, die es durch ehrliche Arbeit und unermüdlichen Fleiß zu einem mäßigen W.hlstand gebracht haben, das „Deutsche Volksblatt" daher loyalerweise nicht ansteht, den Inhalt der in Nummer 565 über die Brüder Mahler enthaltenen Notiz in diesem Sinne zu rectificiren, um seinen Lesern zur Kenntniß zu bringen, daß die Untersuchung die volle Unschuld der Firma bärgethan hat. „Loyalerweise" sagt es, nachdem cs früher schändlicherweise die Firma angegriffen hat. Wien. Der Prediger im israelitischen Tempel des Gemeindebezirkes Mariahilf und Neubau Dr. Leopold Weinsberg wurde zum Feldrabbiner zweiter Classe in der Reserve ernannt. Pest. Nach Ausweis des soeben ausgegebenen ersten Heftes von dem XIX Jahresberichte des ungarischen Unterrichtsministeriums, welches das Volksschulwesen im Jahre 1888/1889 zum Gegenstand hat, waren von den Volksschulen 4 Procent staat-