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Der Israelit · 1890-11-17 · Heft 90 (17.11.1890) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 90 (17.11.1890)
Date
1890-11-17
Page
– (sequence 3)
Language
German
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1617 Literarischer Bericht. Pflichten des Barmizwa. Eine Handreiche für den israelitischen Confirmanden von Leopold Katz, Lehrer inRatibor. Verlag der Buch- und Kunsthandlung von Eugen Simmich. 28 Seiten. Preis 50 Pfg. Das vorliegende Büchlein kann von Lehrern und Schülern bei der Vorbereitung zur Barmizwa als ein vortreffliches Hilfsmittel benutzt werden. In klarer, präciser Sprache stellt das Buch die unmittelbaren Hauptpflichten des Barmizwa zusammen. Ausführlich wird das Gebot des Tefittinlegens und seine Bedeutung behandelt. Ein besonderes Kapitel bespricht das Lesen der Thora und bringt die Segenssprüche über die Haftara hebräisch mit gegenübergestellter deutscher Uebersetzung. Die Ausstattung des Büchleins ist ganz vortrefflich, wir können diese Handreiche allen, welche die betreffenden Gesetze nicht aus den Quellen lernen, auf das wärmste empfehlen. Zeitungsnachrichten und Corresponderrzen. Deutschland. Mainz, 14. Nov. Von unfern Herren Correspondenten gehen uns aus den verschiedenen Gegenden Deutschlands Mittheilungen und Zeitungsberichte zu, die den Eindruck, welchen die Entlassung Stöckers aus die Gemüther verursachte, wiedergeben. Wir erfahren Dinge, die wir allerdings von einem hochgestellten Hofbeamten nicht erwarten konnten. St. soll seine politischen Agitationen, entgegen bestimmtenWeisungen, sortgetriebenhaben. Die Badener Reise wäre ohne Urlaub unternommen worden. Die letzten Prozesse hätten auch nicht sehr zur Erhöhung des geistlichen Ansehens beigetragen, und so wäre die Katastrophe unvermeidlich gewesen. — Wir erlauben uns hierzu zu bemerken, daß es uns fern liegt dem Fall eines Gegners, mehr als ein jedes andere Tagesereigniß es erfordert, Beachtung zu schenken. Denn einmal ist cs unjüdisch, einem gesunkenen Feinde Fußtritte zu versetzen. Wir fühlen uns nicht berufen das Rächeramt Gottes zu führen. St. hat das Gift des Judenhasses über Deutschland, Oesterreich und Rußland ausgcschüttet; viel Blut und noch mehr Thränen sind während der zwölfjährigen Hetzperiode geflossen; möge Gott ihm für diese Unthaten ein gnädiger Richter sein. — Ferner aber wollen wir unsere Herren Mitarbeiter und alle unsere theuern Brüder von einem Wahne befreien, in welchen sie der Niedergang des geistlichen Agitators bringen könnte. St. hat Amt und Würde niedergelegt, um seinen Lieblingsgedanken um so ungestörter nachgehen zu können. Er ist Abgeordneter und kann als solcher jede Gelegenheit wahrnehmen, um seinem gepreßten Herzen (?) recht oft Luft zu machen. Er ist gewandt genug, um auch seine Volksreden vor den Fangarmen der Staatsanwälte zu schützen; er besitzt so gute Rednergaben, daß er noch immer auf die rohe Masse einzuwirken vermag. Wir müssen demnach aus einen heftigen Kampf gerüstet sein und dürfen keinesfalls die Waffen aus der Hand legen. Seine Leiborgane haben bereits angekündigt, auch ferner Schulter an Schulter mit ihm gegen die in ihrer Einbildung existirende Herrschaft des Judenthums zu kämpfen. Wenn die „N. Pr. Ztg." schreibt, daß d erLiberalismus sich schon vollständig einrichte aus eine Herrschaft des Judenthums im Vereine mit der im Nationalliberalismus verkörp erten großen Bourgeoisie, so ist das ein deutlicher Wink, wie die Antisemiten und ihre Helfershelfer den Krieg zu führen gedenken. Sobald dieStöckerei aus den höchsten Kreisen verbannt wird, kommen alle Fehler, Schwächen und Gebrechen auf Rechnung des Judenthums. Diese finstern Schleichwege gebührend zu beleuchten, muß fortan unsere Aufgabe sein. Das Herumnörgeln an einer Person, an welcher der erste Act des göttlichen Strafgerichtes vollzogen ist, kann nicht unsere Aufgabe sein. — Wenn die „Post" Herrn Stöcker dafür dankt, daß er durch seinen Abgang eine Klärung herbeigeführt habe, so gestehen wir offen, daß wir eines solch' beißenden Spottes nicht einmal diesem grimmigsten Widersacher gegenüber fähig sind. — So er den Mund wieder öffnet und die Drachensaat abermals umherstreut, wird er uns gerüstet auf dem Plan finden. Versteht er sich dagegen auf die Winke Gottes und beginnt ein ernstes Vüßerleben; versucht er die Fehler, die er gegen die von der Vorsehung geoffenbarte Mutterreligion begangen, vergessen zu machen, dann sei es fern von uns, der alten Frevel zu gedenken. Wir werden ihm seinen Frieden nicht stören; es fällt uns nicht schwer dem Reumüthigen zu verzeihen, „ein gebrochenes und geknicktes Herz verachten wir nicht." Berlin. Die „Voss. Ztg." schreibt über den Antisemitismus in Hessen: Die Schärfe, mit welcher der Großherzog von Hessen die antisemit. Bewegung verurtheilt hat, erregt über die Grenzen jenes Einzelstaates hinaus Aufsehen. Der Großherzog von Hessen gehört mit dem Großherzog von Baden zu denjenigen Fürsten, welche dem preußischen Hofe und dem heutigen Kaiser am nächsten stehen. Beide Bundesfürsten haben unumwunden ihre entschiedene Mißbilligung über den Antisemitismus ausgesprochen. Kein Wunder, daß man in manchen Kreisen diese Kundgebungen als Vorläufer für eine ähnliche öffent- , liche Auslassung des deutschen Kaisers ansieht, als

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