Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 90 (17.11.1890)
- Date
- 1890-11-17
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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1616 gerade dieser Prophet uns auch den Zweifel mittheilt, der ihn erfaßt hatte, und die Belehrung, die ihm von Gott geworden war. Die Assyrische Weltmacht war auf Gewalt gegründet, und nur die von ihren verwüstenden Heeren verbreitete Furcht machte die Völker ihr unterthan; auch das Zehustämme-Reich Israel war ihr zur Beute gefallen. Aber auch sie sollte durch einen ihr überlegenen Gegner gebrochen werden. Sie, der Schrecken des weiten Landes, vom Mittelmeer bis zum Hindukusch, die über Phönizien, Babylonien, Medien, Persien, Vaktrien herrschte, sollte endlich dem kraftvoll aufstrebenden Babylonien erliegen und von dem Schauplatze der Weltgeschichte verschwinden. Würde die neue Macht nach anderen Stützen ausschauen, als Gewalt und Schrecken, würde durch sie das Recht und die Humanität zur Geltung gelangen? Dem Prophetenauge war die Zukunft enthüllt worden, und was es schaute, war nur die Wiederholung der alten Schrecknisse, war nb'dh, das schwere Verhängniß, das sich erfüllen werde. Assyrien hatte Recht und Menschlichkeit mit Füßen getreten, Babylonien werde in keine neue Bahnen einlenkeu, auch es werde das Schwert zum Herrscher und die Gewalt zum Gesetzgeber machen. Assyrien hatte das israelitische Reich zertrümmert, Babylonien werde das Reich Juda vernichten. Das war nimar,, das Verhängniß, das Gott dem Propheten zeigte. Hundert Jahre sollten noch dahingehen, bevor es zur Wirklichkeit ward. *) nD’33 'ybrö -lumaj 'rnyty tenpn nrn nn nei« pwne rrn hnt Pnib”^ -ispö m\“6i Habakuk schaute in prophetischem Geiste die Weltherrschaft Nebukadnezars und das von ihm über Israel hereinbrechende Unheil, da wandte er sich klagend und nach Klarheit ringend zu Gott: Vzvn nVi viyw ‘i rux np, wie lange denn, o Gott, habe ich gefleht und Du hörst nicht; ich schreie zu Dir ob der Gewalt und Du sendest das Heil nicht. — — — Warum lassest Du mich schauen eine keine Schranken kennende und darum ihre Kraft mißbrauchende Macht (px) und willst zuseben dem Unheil der sich aufreibenden Mühseligkeit (bvp). Die keinen Herrn und kein Gesetz über sich erachtende Kraft mißbraucht ihre Ueberlegenheit. Sie ist nicht der Schirm und Hort der Schwachen und Wehrlosen, sondern deren Tyrann, sie saugt sie aus und zwingt sie in das Joch ihrer Herrschaft, um 8*) Nach Seder-Olam, prophezeite Habakuk zu Menasche's Zeiten. **) Raschi zu Habakuk 1, 2. sie zum Werkzeug ihres schrankenlosen Ehrgeizes, ihrer unersättlichen Selbstsucht zu benutzen. So verbreitet sie nicht Segen, sondern Fluch. Was ihren Lüsten nicht fröhnt, weiht sie dem Untergang. Sie allein genießt und alle Anderen darben. Vergebens ist die Mühe der Unterjochten, die Fessel zu sprengen, vergebens bieten sie ihre ganze Kraft auf, um sich einen kleinen Antheil an dem Ertrag des Ackers zu sichern, den sie mit ihrem Schweiß und Blut gedüngt. Vergebens, — die gewaltige Faust des Tyrannen schlägt die Hand nieder, die sich nach der Frucht ausstreckt, die durch ihre Arbeit zum Reifen gebracht. Die Gewalt gewährt nur so viel Spielraum zur Entfaltung der Kraft des Schwächern, daß er für sie sich abmüht und aufretbt; was er aber erreicht, das heimst sie ein. Das ist px, das ist hnvi wo px, ba^oy; der Mißbrauch der Gewalt ist die Ursache der fruchtlosen Sorge und Mühe, der Arbeit, deren Ertrag nicht dem emsigen Arbeiter zufließt. Darum, so klagt der Prophet, Dom iv, zeigt die Zukunft, deren Bild Du, o Gott, mir entschleiert hast, nichts als Raub und Gewaltthätigkeit, und darum herrscht über das, was der Träger der Menschengesellfchaft sein soll, Streit und Meinungsverschiedenheit. Die verschiedenen Interessen streiten wider einander; das Recht sollte entscheiden und die Wahrheit sollte gelten. Was ist aber das Recht, was Wahrheit? Unter der Herrschaft der Gewalt ist für das Recht kein Fürsprecher; Gewalt ist Recht, der Gewaltige hat immer Recht, der Ohnmächtige ist immer im Unrecht. Jener wirft das Schwert in die Wage und ruft dem Schwachen voller Hohn vae victis! zu. So wird das Urteilsvermögen der Menschen von der Gewalt gefangen genommen. Sie ist an der Wahrheit und des Rechts Statt zum Träger des menschengesellschaftlichen Verbands geworden: m '.nn nb” inDi. Und darum hat die rmn, die von Gott geoffenbarten Grundsätze und Lehren des Rechts und der Liebe, ihre Kraft verloren. Sie befindet sich im Widerspruch mit dem von der allgewaltig schaltenden Willkür proklamirten Prinzip. Darum gilt sie als nicht zeitgemäß, darum findet sie keinen Eingang in das Gemüth der Menschen. Darum wird das Recht mit Füßen getreten und in dem Streite der Interessen nicht der Gerechtigkeit die Entscheidung überlassen. Vielmehr hat der Gerechte bei dem Frevler um Anerkennung zu betteln, die gewaltthätige Bosheit vertheilt die Kränze. .p'NLN nx TD3D ywi '3 ,min jisn p by (Fortsetzung folgt.)