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Der Israelit · 1890-11-17 · Heft 90 (17.11.1890) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 90 (17.11.1890)
Date
1890-11-17
Page
– (sequence 1)
Language
German
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XXXI. Jahrgang. M 90. IsraelitZeschunm. Zrttslhüft Ml FSlSerung jSd. Gelsses nnti )Si>. fcbeas io Saas, Gmriodr ood Klhoik. Aentrat-Grgan für das orthodoxe Iudentßum. Begründet von Dr. Lehmann in Mainz. Montag, den 17. November 5651 (1890). Leitender Artikel. Des Propheten WaKilK Weissagung. Von Isaak Hirsch. Wenn wir sorgenvoll in die Zukunft blicken, die nuhetlschwanger uns in dem namenlosen Elend entgcgeustarrt, das über Millionen unserer Brüder hereinzubrechen droht, und es uns an jeglicher Kraft gebricht, das über sie beschlossene entsetzliche Verhängnis; aufzuhalten, wenn wir den Angstschrei vernehmen, den eine brutale, keine Schranken kennende Gewalt der Ohnmacht erpreßt, dann wären wir nur allzu geneigt, dem Zweifel Raun: zu geben, und es ringt sich uns die Frage ab: warum, o Gott, lässest Du den Triumph der Gewalt und des Unrechts zu?- Ach, es ist nicht das erstemal, daß Israel sich einem so thränenrekchen Geschicke gegenüber gestellt fand. Seit dem Untergange seines selbstständigen Staats hallt seine Geschichte wider von der Wehklage ob des jammervollen Daseins, zu welchem die Barbarei der Gewaltigen es verurtheilt, von dem Seufzer, den unsägliche Bedrückung und Ueberlastung ihm erpreßt. Mit Blut ist sie geschrieben, mit dem Blute seiner von der Tyrannei hingeschlachteten Männer, Frauen und Kinder. Was Israel auch gefehlt — es war zu allen Zeiten besser als seine Peiniger und Mörder; gegen sie trug es keine Schuld. Als Lug und Trug hatten sich die Anklagen erwiesen, welche zur Beschönigung der Rechtsberaubuug, der Marter, der Plünderungen, der Metzeleien gegen es geschmiedet worden sind. Im Vergleich mit den blut- und beutegierigen Tyrannen, mit den auf es einstürmenden blöden, fanatisirten Horden, strahlt sein Bild in dem Lichte reiner Tugend. Eine Betrachtung seiner Geschichte, die ein großes, in der Menschheit einziges, Martyrium darstellt, könnte deßhalb leicht auch in der Menschenbrnst den Zweifel an die göttliche Waltung des Rechts und der Liebe wecken. Wenn trotzdem in dem jüdischen Herzen dieser Zweifel keine dauernde Stätte gefunden hat, wenn die Geschichte Israels neben den düstersten Bildern entsetzlichster Leidenschaft, die an dem schwachen, winzigen Häuflein Juden ihre Wuth letzte, das hehre, lichte Beispiel todesmuthiger Hingebung, lebensfroher Hoffnung gerade in diesen 'verachteten, gedrückten, mißhandelten, dahingeschlachteten Inden den kommenden Zeiten zur begeisterten Nacheiferung zeigt, so ist dieses vor Allem der vorsorgenden, göttlichen Waltung zu danken, die lange voraus durch den Mund der Propheten Israel den Blick erschlossen auf das Geschick, das in deu Gängen der Jahrtausende sich an ihm erfüllen werde, und ihm zugleich Zweck und Ziel dieser Gänge gedeutet hat. Dadurch war es gerüstet gegen den Zweifel, über das Trübsal der Gegenwart schaute sein Auge hin zu dem herrlichen Ende, das ihm und der Menschheit als reife Frucht aus dem Kreißen der Geschichte winkt. Es, das Schlachtopfer des Fanatismus und der Barbarei, lächelte der stolzen Selbstüberhebung der wahnerfüllten Gewaltigen, deren Fußtritt es zu zermalmen drohte. Ein Blick in die heiligen Urkunden, die es als den theuersten Schatz der Menschheit in treuer Hut hielt, gewährte ihm Verständuiß für die Ereignisse des Tages, scheuchte Verzweiflung aus seinem Busen und ließ cs mannhaft alles erdulden, was der Mißbrauch der Gewalt ihm an Leid und Qual zutheilte. Zu ihm, zu diesem Heiligtlmm, wenden wir uns darum auch heute und lassen das unsterbliche Wort der Propheten zu uns reden, um unsere Seele zu stärken, unseren Geist zu erhellen und jeden Zweifel in die Weisheit und Gerechtigkeit des Weltenlenkers zu bannen. Diesem letzteren Zwecke entspricht unter allen Prophetenbüchern vor allem Habakuk, dem die gewaltig auftretende babylonische Macht gezeigt worden, welche der alten assyrischen Weltmonarchie ein Ende bereiten und Juda vernichten sollte, weil

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