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Der Israelit · 1890-11-13 · Heft 89 (13.11.1890) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 89 (13.11.1890)
Date
1890-11-13
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Rußland. Petersburg. Vor wenigen Wochen wurde die m*ö ->2-Feier des einzigen Sohnes des hiesigen Oberrabbiners, HerrnDr. Abraham Drabkiun unter große Festlichkeiten begangen. Der mso 12 hielt in Gegenwart der Elite der hiesigen jüdischen Welt, darunter viele Gelehrten, eine großartige nani, auf welche mehrere Anreden von Gästen folgten. „Hamelitz", welcher einen ausführlichen Bericht über diese Feier und Reden bringt, nimmt bei dieser Gelegenheit Anlaß, um in einem Leitartikel sich gegen die bet den deutschen Reformern so beliebte Confirmation, sowie auch gegen die sogenannten gebildeten russischen Juden auszusprechen, die von ihren Söhnen nicht mehr die öffentliche m»ö -Q- Feier begehen lassen. England. London, 3. Nov. Am Samstag Nachmittag fand eine von dem International Working Men's Educationel-Club veranstaltete Massenversammlung statt, um gegen die grausame Behandlung der Juden in Rußland zu protestiren. An der Versammlung nahmen etwa 1200 Versonen theil und Dr. Aveling verlas Briefe von den Abgeordneten Ritchie, Syney Büxton, Prof. Stuart, Canninghame Graham u. A., welche ihr Bedauern aussprechen, nicht erscheinen zu können. Dr. Aveling, der Dichter William Morris und die russischen Flüchtlinge Sepniak, Felix Wolkowski und Fürst Krapotkin hielten Ansprachen. Stepniak sagte, man habe behauptet, die Abhaltung einer solchen Versammlung werde die russische Regierung nur zu ärgerer Bedrückung der Juden veranlassen; dazu sei sie schon fähig, aber durch Nachgiebigkeit gegenüber der russischen Regierung werde nichts erreicht; in keinem anderen Lande werde solche Tyrannei ausgeübt wie in Rußland und die schändlichen Gesetze gegen die Juden seien erlassen worden, weil Inden an der revolutionären Bewegung theil genommen hatten; das englische Volk solle fortfahren, seine Stimme gegen russische Bedrückung zu erheben und so die Hände derjenigen zu stärken, welche bessere Verhältnisse herbeizuführen versuchten. Nachdem eine diesbezügliche Resolution gefaßt worden war, wurde die Versammlung geschlossen. Amerika. St. Louis. Ein höchst vortreffliches und segenbringendes Institut ist von einer Anzahl verheirateter jüdischer Damen in's Leben gerufen worden. Es ist unter dem Namen „Hebräische Missionsschule" bekannt. Obschon noch im Entstehen begriffen, verspricht es eine gedeihliche Entwicklung. Das Hauptmotiv desselben ist, arme Kinder im Nähen zu unterrichten. Die Kinder zeigen an dieser Beschäftigung viel Vergnügen. Der Rabbiner eröffnet jede Unterrichtsstunde mit Gebet und Gesang. Zu den freundlichen, unterrichtenden Lehrerinnen gehören einstweilen 4 Frauen und 1 unverheiratete Dame aus den besseren jüdischen Familien. Das Unternehmen ist in der That ein sehr großherziges und verdient die kräftigste Förderung von Seiten aller Damen, welche sich für das Wohl der armen Kinder interessiren. > Vermischtes. < Prag, den 9. Nov. Von einem schweren Verluste ist die isr. Gemeinde in Carolinenthal-Lieben betroffen worden; Montag den 3. d. M. verstarb Kreisrabbiner Herr Dr. Haller im Alter von 83 Jahren nach 53 jähriger, seiner Gemeinde 35 Jahre lang gewidmeten segensreichen Thätigkeit. Welcher Liebe und Achtung der Verblichene sich erfreute, davon gab die rege Betheiligung an seinem Leichenbegängnisse Zeugniß. Nicht nur seine Gemeinden und die Rabbiner von Prag und Umgegend waren in xlsnurn vertreten, sondern auch aus dem ganzen Kreise waren Deputationen zur Tranerstätte hingeeilt, um dem verdienstvollen, allgemein geachteten und tugendhaften Manne das letzte Geleite zu geben. Die Reihe der Leichenrede eröffnete der Oberrabbiuer der Prager Gemeinde Herr Dr. Ehrenfeld, indem er in beredten Worten die zahlreichen großen Verdienste des Verstorbenen auseinandersetzte. Auch bei dieser Gelegenheit zeichnete sich seine Predigt — ein Meisterwerk — durch Gedankenfülle, streng logisch durchgeführte Disposition und durch rein klassische, anmutige Sprache aus. Dieser mit größtem Beifall aufgenommenen Predigt folgteu Reden von andern Radbinen, die ihrem Freunde und Amtsbruder warme Worte der Wehmut widmeten. L . . . n. London. Vorige Woche starb' Frau Rachel Prasste im Alter von 107 Jahren. Den vergangenen "|1EÜ Dl’ hat sie noch den ganzen Tag gefastet. Sie war bis zn ihren letzten Tagen im Besive aller ihrer Sinne. Die „Anglo Jew. Assoc." hat Herrn Rabbiner Dr. H. Adler zu einein ihrer Vicepräsidenten erwählt. Feuilleton. Gofrrlh womelach. Novelle von Dr. Ossip Duchowetzky. (Alle Rechte Vorbehalten.) (Fortsetzung.) Der Pfarrer begann seine Rede wie folgt: „Nicht ungerufen bin ich hier erschienen. Die Vernünftigeren unter Euch baten mich, hier zu erscheinen und wahrlich, sie thaten wohl daran! Ich bin ganz entsetzt über das, was meine Ohren hörten. Anstatt zu berathen, wie die Lage der Arbeiter zu verbessern sei, habt Ihr Euch gegenseitig zu Verbrechen ausgefordert; anstatt Liebe und Geduld wird Haß und Zwietracht gesäet, kein Wunder, daß Leidenschaften emporsprießen und Verbrechen und Sünde zeitigen! O, möchte Euch Gott erleuchten, daß Ihr den Abgrund sehet, an dessen Rand Ihr sorglos wandelt!

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