Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 89 (13.11.1890)
- Date
- 1890-11-13
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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1603 den Freiburgern angenommene Geldspenden ein. Da kam auch eines schönen Tages aus Wien vom „ersten Wiener Turnverein", demselben, welcher am 15. Juli 1888 auf Antrag des Herrn Dr. Götz wegen antisemitischer Tendenzen aus der deutschen Turnerschaft ausgeschlossen wurde, eine Geldsendung von 50 Mark mit einem wunderschönen aiitifemitiitycn Begleitschreiben an. Der Ausschuß druckt dasselbe in der „Deutschen Turnerzeitung" ab. Der letzte Passus des Briefes lautet folgendermaßen: „Obgleich dieser Beitrag verhältnißmäßig klein erscheinen mag, so thaten wir eben, was unsere gegenwärtig bescheidenen geldlichen Mittel erlauben, wir thaten es aber als von Juden und deren Gesinnungsgenossen in Haß und Bann erklärte, um so reineren Herzens, mit frischem Muthe und froher Zuversicht auf den Sieg des unverfälschten Jahn'schen Turngedankens und Blühens und Gedeihens unseres deutschen Turnbundes." Der Brief, welcher mit Ausdrücken wie „Vermischung mit Fremden" und „Bandenwesen" um sich wirft, wurde vom Ausschuß für maßlos erklärt. Zugleich theilte letzterer mit, daß er Brief und Geld zurückgeschickt hat. Heilbronn a. N., 7. Nov. Der kürzlich verstorbene Papierfabrikant Friedrich v. Rauch hat neben anderen Stiftungen der Stadtgemeinde testamentarisch ein Kapital von M. 10,000 überwiesen, mit dessen Zinsen alljährlich würdige Schüler der Kaufmännischen gewerblichen Fortbildungsschule ohne Unterschied der Konfession unterstützt werden sollen. O e st e r r. Ungar. Monarchie. Wien, 6. November. Ein bewegtes Leben hat plötzlich hier ein herzzerreißendes Ende gesunden. Am Montag ist nämlich hier der Bagdader Kaufmann und Exporteur, Jsak Lurion, im Alter von 58 Jahren gestorben. Jsak Lurion (recle: Lurje) stammte aus Polen und hatte in seiner Heimath das Uhrmacherhandwerk erlernt. Bon einer unwiderstehlichen Wanderlust getrieben, griff er bald nach dem Wanderstabe und wanderte von den Ufern der Weichsel nach denen des Tigris, wo er sich dann in Bagdad ansiedelte und dort auch heirathete. Er erwarb sich hier als Uhrmacher ein beträchtliches Vermögen und war er auch mehrere Jahre Ehren-Jnspector der dortigen Allianceschule. 1876 kam er dann nach Wien und gründete hier ein Exporthaus. Er ließ nach und nach seine Söhne Faust (Josef), Henry (Jeheskel) und Eduard (Esra) hierherkommen, worauf er 1886 selbst seine Frau und seine übrigen drei Kinder von Bagdad abholte und sie hierher brachte. Vor einigen Wochen begann sich det ihm ein inneres Geschwür zu zeigen und er mußte sich einer höchst gefahrvollen Operation unterziehen, die ihm leider keine Erleichterung, dafür aber Erlösung von seinem qualvollen Zustande brachte. Gestern, Mittwoch, wurde er nun zur ewigen Ruhe gebettet. Eine Tochter von ihm, verheiratete Gareh, wohnt in Bassorah und die andere verheiratete Saltun in Beyrut. Jsak Lurion hinterläßt einen guten Namen, der nicht nur in Bagdad und Wien, sondern auch in Persien, Indien und Arabien gekannt und geachtet war. rrasun. Wien, 10. November. Wie Depeschen aus Rom an hiesige Bankhäuser melden, beabsichtigt der italienische Ministerpräsident Crispi den bekannten Parlaments-Deputirten und National-Oekonomen Luigi Luzzatti (Israelit) an Stelle des entlaffenen Seismit-Dota zum Finanzminister zu ernennen. Prag. Dem 31. Jahresbericht des israelitischen Freitisch-Vereines in Prag, für das Vereinszugleich Schuljahr 1889/1890 entnehmen wir: Das Anwachsen der Mitglieder des israelitischen Freitischvereines von 1890 im Vorjahre auf 2032, das Anwachsen der Jahresbeiträge von 4496 fl. aus 4790 fl., des Fondsvermögens von 27950 fl. nom. auf 29950 fl. nom., aber auch die Vermehrung der Koftportionen von 35910 auf 37496 (täglich an durchschnittlich 168 Kostnehmer) und des hiezu erforderlichen Kostenaufwandes von 6117 fl. 63 kr. auf 6708 fl. 35 kr. sind sprechende Beweise für das Emporblühen und die Beliebtheit unseres Vereines, aber auch für seine segensreiche Wirksamkeit. Ein Verein, der in drei Decennien fast eine halbe Million Mahlzeiten an dürftige Studirende und Gewerbeschüler mit einem Kostenaufwandc von mehr als 75,000 fl. verabreicht hat, ist gewiß ein unentbehrliches Glied in der großen Kette jüdischer Humanitätsvereine und der ihm bisher zu Theil gewordenen ebenso aber auch künftiger Unterstützung würdig. Triest, 2. November, rnux oy notier DDtn Im Alter von 84 Jahren ist vorgestern, Freitag, hier Herr Salomon Ritter v. Parente, Assocte des Bankhauses Morpurgo u. Parente, gestorben. Ich will hier dem Verstorbenen keinen langen Nekrolog widmen, sondern nur erwähnen, daß derselbe, trotz seiner Millionen, die er besaß, und trotz seiner hohen socialen Stellung«, es nie versäumte tagtäglich m'v nmp mit Talith -und Tefilin zu beten und war er dabei ein großer npnx bpa (Wohlthäter der Armen). Wenn ein solcher Mann stirbt, dann können wir wirklich von ihm sagen: -zp-w 7»^ ■JDDJO '1 HDD). „Deine Frömmigkeit wird vor Dir einhergehen und Gott wird Dich in feine Herrlichkeit aufnehmen."