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Der Israelit · 1890-11-13 · Heft 89 (13.11.1890) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 89 (13.11.1890)
Date
1890-11-13
Page
– (sequence 4)
Language
German
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1602 Freude, den Rabbiner Dr. Kahn näher kennen zu lernen. In seiner Thätigkeit als Rabbiner leistet Herr Dr. Kahn zu Wiesbaden ausgezeichnetes; seine geistvollen Predigten ergreifen die Gemeinde tief, und das religiöse Empfinden unserer Glaubensgenossen sucht er überdies durch Belehrung ans der heiligen Schrift und über die heilige Schrift zu läutern und zu beleben. An jenen Tagen, an welchen Herr Dr. K. selbst nicht predigt, hält er zu diesem Zweck besondere Vorträge von erbauendem und fesselndem Inhalt, und zwar am Sonnabend und an den Feiertagen nach dem Gottesdienst und vor bin. Nachmittaggottesdienst. Herr Dr. K., der fast e t Begründung der altjüdischen Gemeinde in W. r äiig ist, hat es auf diese Weise dahin gebracht, bei den alten Mitgliedern wahre Religiösttät zu erhalten und die jüngere Generation in den Anschauungen des Alten aufzuziehen. Diesem umfassenden Streben verdankt es Dr. K., daß unsere Glaubensgenoffen — mögen sie nun der altgläubigen oder der reformirten Richtung angehören — in gleicher Verehrung zu ihm aufblicken. Man kann wohl diesen Mann als Vorbild eines Rabbiners bezeichnen, der als Mensch, wie als Prediger, der durch sein Wissen, wie durch seine Mtldthätigkeit und Humanität dem Ideale echt jüdischer Frömmigkeit entspricht. F. M. Berlin, 11. Nov. In einer anläßlich des Geburtstags Luthers ftattgehabten großen Versammlung kirchlicher Männervereine sprach Stöcker über Luther und das deutsche Volk. Als er auftrat, rief ein begeisterter Jüngling: „Gott mit uns, Gott mit Stöcker!" Stehend sang die Versammlung: „Eine feste Burg." Stöcker sprach gegen den Katholicismus, der mächtiger sei als je, der selbst von Evangelischen verhätschelt werde. Er schilderte in bekannter Weise die Verderbniß der Päpste, den römischen Lug und Trug, und ging dann etwas milder auf das Judenthum über. Er gelobte dem Herrn einen Freiheitskrieg zur Zerreißung der Ketten des Judenthums, des Katholicismus und des sozialdemokratischen Unglaubens. Ein Pastor Burckhard sprach unter stürmischem Beifall dem verehrten Manne Dank uud Liebe aus. Die Versammlung sang unter Posaunenbegleitung den Schlußvers des Lutherliedcs. 'di nsy isy. Hamburg. Zum Andenken an die selige Frau B. A. Simon, geb. Cahen erhielten von den Hinterbliebenen je M. 500: Frauenverein zur Unterstützung armer israel. Wittwen, Israelitische Töchterschule, Altenhaus der deutsch-isr. Gemeinde, Jsr. Frauen-Veretn zur Bekleidung armer Knaben. Frauenverein zur Unterstützung der Armenpflege (für alle Confessionen), Verein von 1872 zur Vertheilung von Lebensmitteln, Paulinen - Stift, Jsr. Mädchen-Bekleidungs-Verein, Frauenverein zur Unterstützung armer Wöchnerinnen der deutsch-israelitischen Gemeinde, Krankenhaus der deutsch-israelitischen Gemeinde. Ferner erhielt der Vorstand der deutsch-israel. Gemeinde für den Baufond des Altenhauses die Summe von M. 8700 von Herrn I. M. Die erste Sammelliste zu Gnnsten der durch den Brand in Salonichi Geschädigten ergab bereits die Summe von M. 1500. Die Zahl der mittellosen israel. Rückwanderer wächst neuerdings ganz erheblich. Nachdem erst vorige Woche eine Colonie von 32 solcher, von allen Mitteln entblößten Personen, von Amerika nach Deutschland zurückgesandt worden war, sind hier heute Abend abermals 30 Personen mit Dampfschiff Capella angemeldet. Eine solche Rücksendung von 30 Personen verursacht dem israel. HilfscomiiS eine Ausgabe von M. 2000 bis dieselben in ihrer Hetmath Polen und Rußland angekommen sein werden. Nach der Ankunft hier, werden die Mittellosen bei einem jüdischen Wirth für Auswanderer beköstigt und dann zugleich mit der Bahn nach Berlin befördert. In Folge der starken Inanspruchnahme der Casse des Hilfscomitss hat der Baron Herr Moritz von Hirsch in diesen Tagen die Summe von M. 10,000 an das hiesige Comitö eingesandt. Leipzig, 7. November. Heute Abend fand im Saale der „Bauhütte" die General-Versammlung des hiesigen deutsch-sozialen Reform-Vereins statt. Es waren ungefähr 50 Personen versammelt und nur Mitglieder hatten Einlaß. Die zahlreichen Beamten, welche der Vereinigung angehören, waren nicht anwesend; wahrscheinlich wollen dieselben nicht gewählt sein! Nachdem der Rechenschaftsbericht von Herrn Fritsch ohne Einwand für gut befunden wurde, schritt man zur Vorstandswahl. So viel Referent noch in später Abendstunde erfahren hat, ist Herr Fritsch gewählt. Auch die bevorstehenden Stadtverordnetenwahlen in Leipzig wurden geheimnißvoll behandelt und werden konservative und Antisemiten Hand in Hand gehen! Unzählige Anträge wurden gestellt, die Zeugniß ablegen, wie thatkräftig die Antisemiten künftighin vorzugehen gedenken. Der neueste Erlaß des Großherzogs von Hessen hat den Herren sehr wehe gethan. Karl Wiesenthal. Freiburg. Die deutsche Turnerschaft zu Freiburg an der Unstrut beschloß eine Turnhalle zu erbauen und sie dem Andenken des deutschen Turnvaters Jahn zu weihen. Da sie nicht im Stande ist, aus eigenen Mitteln das patriotische Werk zu vollenden, so sammelt sie zu diesem Zwecke Gelder. Nun gingen von verschiedenen Seiten dankbar von

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