Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 88 (120.11.1890)
- Date
- 1890-11-10
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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1592 Rubel taxirt, von denen kein Kopek ersetzt worden ist. Verfolgung der Verbrecher, die nach Hunderttausenden zählten, fand erst als Europa aufschrie statt, und auch dann nur gegen einige wenige Personen, und nur für Lärm und andere leichte Polizeivergehen, worüber ein instruktiver Bericht des englischen Generalkonsul Stanley vom 18. Januar 1882 vorliegt. Man konnte nun sagen und sagte auch, soweit man sich die Mühe hierzu nahm, man sei eingeschrttten. Die Sache war wie zu erwarten gegangen. Der Bauer hatte den völligen Mangel an Rechtsgefühl bewährt, der ihn auszeichnet und zu einem ebenso gefügigen Werkzeug als Gegenstand der Unterdrückung macht. Der ältere Bauer, das Väterchen, und der jüngere, das Brüderchen, hatten wieder einmal die alte werthvolle Doppelnatur gezeigt, die bei gegebener Erlaubniß aus der weinerlichen Apathie, die alles erträgt, in die trunkene Ferocität, die alles würgt, jach hinüber taumelt. Und nirgends hatte sich eine Hand in den wohlhabenderen und gesitteteren Klassen gerührt, während der Pöbel wüthete. Da man sah, daß die Regierung es wollte, fürchteten die anständigeren Leute bestraft zu werden, wenn sie hinderten und duckten sich. Viele Geschäftsleute begrüßten auch die Schwächung der jüdischen Konkurrenz mit Genugthuung, was sich in Kiew, Roftoff und anderen Orten nur allzu offen zeigte. Nachdem er auf diese Weise in den Monaten Mai, Juni und Juli seine Aktion eingeleitet, erließ General Jgnatieff, türkischen Angedenkens und damaliger allmächtiger Minister des Innern, im August eine Circnlarverfügung an die Gouverneure der WcstprovittM, welche sowohl seines alten Rufes wie seines eben begonnenen neuen großen Unternehmens würdig war. Der traurige Zustand der christlichen Bewohner der Südwestprovinzen, sagte er darin, habe einen gewaltsamen Protest gegen fernere geschäftliche Ausbeutung durch die Juden hervorgerufen, welcher eine Untersuchung der Sachlage durch Spezialkommissionen in den verschiedenen Gouvernements nöthig mache. Dies war der amtfinnischtatarischen Blutes, das den Hauptbestandtheil der großrussischen Nation geliefert hat. Das südliche Rußland zwischen Wolga und Donau war vom 7. bis 10. Jahrhundert von dem finnischtatarischen Volke der Chasaren besetzt, dessen Khan und Adel nebst einem Theil der Krieger den mosaischen Glauben annahmen, als die durch den byzantinischen Kaiser HerakliuS nordwärts vertriebenen Juden in ihr Land kamen. Das chasarische Reich wurde durch normannische Russenfürsten Ende des zehnten Jahrhunderts überwunden und die Chasaren wurden später theils Christen, theits Muhamedaner, theils blieben sie mosaisch. Zahlreiche Mitglieder der drei Bekenntnisse haben noch heute in jenen Gegenden denselben finnotatarischen Typus. Ein Theil der rumänischen Juden ist wahrscheinlich ähnlichen Ursprungs, wie Renan nachzuweisen gesucht. liche Epilog. Daß die Gewaltthaten von Großrussen begonnen wurden, in deren Provinzen keine Juden wohnen, daß sie, soweit Kleinrussen sich betheiligten, von betrunkenen Bauern begangen waren, in deren Dörfern wenige Inden sich aufhalten dürfen, und daß es für eine europäisch gekleidete Regierung ungewöhnlich sei, Leben und Eigenthum nicht schützen, sondern vernichten zu lassen, war in der Jgnatieff'schen Verfügung nicht ausgesprochen. Die ungeordneten Kommissionen wurden indeß sofort gebildet und begannen ihre Arbeiten. Nicht ohne, daß einige unerwartete Schmierigkeiten untergelaufen wären. Der Warschauer Generalgouverneur Albedinski benutzte seine große Stellung zu der freimütigen Erwiderung, Polen und Juden kämen gut mit einander aus und bedürften keiner regelnden Kommission, deren Einberufung nur den Antisemitismus beleben und dadurch, allgemeinere politische Schwierigkeiten in der schwierigen Provinz Hervorrufen würde. Es wurde ihm bedeutet, die Kommission zu bilden, worauf seine Voraussagungen sich erfüllten. Die Odessaer Kommission mußte sogar aufgelöst und durch eine andere ersetzt werden, weil sie die Gleichstellung der Juden empfahl, während sie doch das Gegentheil zu empfehlen berufen war. An anderen Orten ging es glatter, Dank der loyalen Einsicht, die die Behörden in der Wahl der Mitglieder betätigten. Nachdem General Druckoff die Kiewer Kommission mit den Worten eröffnet hatte, „entweder ich gehe oder die Juden gehen" — sein Vorgesetzter General Drentelen hatte die Juden schon vorher wissen lassen, sie könnten nach Jerusalem oder in den Dnieper gehen —, wußte die betreffende Kommission einigermaßen, welche Meinung sie zu hegen hatte. Ebenso die Chersoner Kommission, als sie ein unbekanntes Individuum, das ein Buch über die Vernichtung der Juden geschrieben hatte, an ihre Spitze gestellt sah. Und so weiter. Bei dieser festen amtlichen, auf dem Hintergründe des Massenmordes gegebenen Direktive focht es die Kommission wenig an, daß in der bald darauf gehaltenen Londoner Rathhausversammlung erste Männer Englands, Lord Shaftesbury, der Herzog von Westminster, I Kardinal Manning, der Bischof von London und andere die russischen Geschehnisse als niederträchtig bezeichneten und auf die Handlungen der Regierung selbst zurückführten. Die Drentelen's und Druckoff's kannten angesichts der veranstalteten Massenfrauenschändungen die Intentionen des Herrn Jgnatieff zu genau, um sich in ihrer intellektuellen Mitarbeit durch den Erzbischof von Canterbury beirren zu lassen, welcher durch Kanonikus Farrar dem I Meeting erklärte, das Geschehene sei ein schändliches I Verbrechen und wäre von höchstgeftellten Personen I eingeleitet. So thaten denn die Kommissionen ihre >