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Der Israelit · 1890-11-10 · Heft 88 (120.11.1890) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 88 (120.11.1890)
Date
1890-11-10
Page
– (sequence 3)
Language
German
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1585 4. Jährliche Berichterstattung v. S. des Gemeindevorstandes. 5. Bildung von 10—15 Einschätzungs-Commissionen. Der letztere Passus wird damit begründet, daß in Berlin eine große Anzahl steuerfähiger Glaubensgenossen wohnen, darunter sogar gesellschaftlich hochgestellte —, welche nicht zur Gemeindesteuer veranlagt sind. Durch eine gründlichere Handhabung der Einschätzung werden wesentlich höhere Steuer-Einnahmen erzielt und so die Mittel zu den in Aussicht genommenen größeren Aufwendungen für Cultus- und Schulzwecke geschaffen. 6. Veröffentlichung der Sitzungen und der Tagesordnungen der Repräsentantenversammlnngen in den politischen Zeitungen, da die bisherige Veröffentlichung durch Aushang an den Synagogenthüren nicht als ausreichend betrachtet werden kann. Auf das Schreiben des Vorstandes des „C. V.", das im Mai d. I. abgesandt wurde, ist allerdings keine Antwort eingegangen. Dennoch wurde in der Sitzung der vereinigten Vorstände des „C. V." konstatirt, daß es endlich den Gemeindebehörden zum Bewußtsein gekommen ist, daß sie auf den Wunsch und den Willen der Gemeinde Rücksicht zu nehmen haben. Der Sieg des „C. V." bei den letzten Wahlen hat ihnen ein kräftiges Memento zugerufen; es ist ihnen endlich in Erinnerung gebracht worden, daß ein jüdischer Gemeindevorstand nicht allein für die Bedürfnisse der kranken, alten und todten Israeliten zu sorgen hat, sondern auch auf die religiösen Empfindungen der lebenden, der alten wie der jungen Geschlechter Bedacht nehmen muß. Allein in Folge der rührigen Bewegung innerhalb des „C. V." wurden 4 provisorische Betlokale an den hohen Feiertagen eröffnet, wurde an gewissen Feiertagen zweimaliger Vormittagsgottesdienst abgehalten und wurde vom Vorsitzenden derRepräsentanten-Versammlung, Herrn Justizrath Makower eine Revision des Gemeindestatuts vorgeschlagen. Endlich wählte die Repräsentantenversammlung eine „Petitions-Commission", welcher die Aufgabe zufällt, die Anträge und Beschwerden, die von Seiten der Gemeindeglicder eingehen, zu prüfen und eventuell für das Plenum der Repräsentantenversammlung vorzubereiten. Berlin, 8. November. Die Umstände, unter denen die Genehmigung des Stöcker'schen Entlassungsgesuches erfolgt ist, geben diesem Vorgang noch ein besonders markantes Gepräge. Mit Stöcker hatte bekanntlich auch sein Kollege Schräder, wenn auch nicht seine Entlassung, so doch seine Versetzung nachgesucht — eine Kombination, die offenbar Stöckers Werk ist, und mit der dieser einen sehr schlauen Schachzug zu thun glaubte. Schon längst fühlte er seine Stellung wanken, und er suchte daher nach einem günstigen Anlaß zu einer Kraftprobe. Dieser schien sich ihm in der Ernennung des Dr. Dryander zum Schloßprediger zu bieten, durch die sich mit^ihm auch der andere Hofprediger Schräder übergangen und zurückgesetzt sehen mußte; wenn auch vielleicht das eigentlich treibende Motiv für den ehrgeizigen Mann der unerfüllbare Wunsch bildete, bei dem bevorstehenden Hochzeitsfeste in der kaiserlichen Familie zu den Traufeierlichkeiten dienstlich herangezogen zu werden. Durch die Gleichzeitigkeit des Vorgehens beider hohen Geistlichen meinte man dem Monarchen die Entscheidung zu erschweren, da die Entfernung zweier Hofprediger auf ein Mal aus ihren Aemtern entscheidenden Ortes als unbequem empfunden werden mochte. Aber siehe da, das Gesuch Beider wurde bewilligt — nur mit dem Unterschiede, daß Stöcker einfach in den Ruhestand treten, Schräder dagegen ein anderes geistliches Amt erhalten soll. Die Vertrauensfrage ist damit für Letzteren in ehrenvollem, für Stöcker in denkbar ungünstigstem Sinne beantwortet. Der Pfeil ist auf den Schützen zurückgeprallt, und Stöcker hat in Folge seines fein ausgeklügelten Plänchens eine um so größere Bloßstellung davongetragen; denn die verschiedenartige Behandlung der beiden Demissionsgesuche, die natürlich keine zufällige ist, spitzt sich zu einem um so schärferen Verdikt gegen Stöcker und dessen Bestrebungen zu. In der unzweideutigen und entschiedenen Abweisung der letzteren durch die Kroue — nicht etwa nur in dem über 'die Person Stöckers hereingebrochenen Strafgericht — liegt die eigentliche Bedeutung dieses Ereignisses, das eben darum, aus sachlichen Gründen, alle Freunde des Fortschritts und des Rechts, der Duldung und wahrhaften Liebe mit Befriedigung erfüllt. Die Maßregel von oben her thut's freilich nicht allein; dem vom Throne gegebenen Beispiel folgend, muß nun auch das Volk dafür sorgen, daß die vom Er-Hofprediger vertretene schlechte Sache in den Ruhestand trete. Oldenburg. Herr Landrabbiner Dr. Gl ü ck hat aus Gesundheitsrücksichten vom Herzog den Austritt aus seinem Amte erbeten und erhalten. Rödelheim, im Marcheschwan. Die hiesige jüdische Gemeinde hat einen empfindlichen Verlust erlitten. Am Dienstag , 21. Oktober, starb nach kurzem Krankenlager, im Alter von 57 Jahren, der auch in weiteren Kreisen bekannte Herr Samuel Mandelbaum, einer der trefflichsten Mitglieder unserer Gemeinde. Mit großer Gewissenhaftigkeit versah er seit zwanzig Jahren das Amt eines Vorstehers mit unermüdlichem Eifer und väterlicher Fürsorge. Er leitete die Gemeindeinstitutionen genau nach dein p und nach streng altjüdischem Ritus; reformistischen Bestrebungen trat er stets entgegen. Fast jeden Morgen war er in der Synagoge iv in» mt^y trotz seines öfteren Leidens, und selbst die strengste Kälte hielt ihn nicht vom Besuche des Gotteshauses zurück. Durch seine Biederkeit und Leutseligkeit, sowie nicht weniger durch seine, strenge Rechtlichkeit im Geschäftsleben, sein liebevolles, gegen Alle gleich zuvorkommendes Wesen im Privatleben, erwarb er sich nicht nur zahlreiche Fremche in unserer Gemeinde und unter den andersgläubigen Mitbürgern, sondern auch in weitester Umgegend

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